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Chronisch unterernährte Kinder in Burundi
Aus Rendez-vous vom 07.04.2020.
abspielen. Laufzeit 04:44 Minuten.
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Armut in Burundi Als Kind unterernährt – für immer bestraft

Kaum irgendwo auf der Welt sind so viele Kinder chronisch mangelernährt wie in Burundi. Dafür bezahlt das ganze Land.

Es ist ein skandalöser Listenplatz: Kaum irgendwo auf der Welt sind so viele Kinder chronisch mangelernährt wie in Burundi. 54 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind zu klein für ihr Alter.

Körper und Gehirn haben sich nicht richtig entwickelt, weil die Kinder zu wenig Nährstoffe in den ersten Jahren ihres Lebens bekamen. Das werden sie nicht mehr aufholen und ihre geistigen Fähigkeiten nie voll entfalten können.

Arzt kontrolliert Kind.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Emile Nzabi misst und wägt seit dreissig Jahren Kinder im Spital von Ngozi im Norden Burundis. Zu ihm kommen nur diejenigen Kinder, die von akuter schwerer Mangelernährung betroffen sind. Wie es dieser kleine Junge vor zehn Tagen war.

Kind am spielen.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Der dreijährige Roland Bucumi wurde von seiner Mutter ins Krankenhaus gebracht, weil er hustete: eine Lungenentzündung. Der Junge ass nicht mehr, Haare und Haut hatten an Farbe verloren. Sein kleiner Patient sei nun aber auf gutem Weg, so Nzabi. Er habe an Gewicht zugenommen, die Ödeme seien nur noch an den Füssen und Beinen präsent.

Beine eines Kindes.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Doch man sehe, dass das Kind schon länger chronisch mangelernährt gewesen sei, erklärt der Ernährungswissenschaftler. Der Junge sei zu klein: «Die chronische Mangelernährung zeigt sich an der Grösse der Kinder. Manchmal sehen wir Kinder, deren Alter man auf zwei oder drei schätzen würde, aber das Kind ist schon sechs oder sieben Jahre alt.»

Mann.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Emile Nzabi beobachtet die Folgen von Mangelernährung seit drei Jahrzehnten: «Manche Kinder sind intellektuell nicht fähig, zur Schule zu gehen. Wir sehen das, wenn wir Spiele mit Schulkindern spielen. Simple Rechenaufgaben können sie nicht.»

Arzt kontrolliert Kind.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Menschen, die in den ersten Jahren ihres Lebens zu wenig Nährstoffe bekommen, werden schneller krank, erbringen die schulischen Leistungen nicht und sind darum im Erwachsenenalter häufiger von Armut betroffen. Laut der Weltbank kann Mangelernährung im Kindesalter deswegen eine Einbusse von bis zu 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts eines Landes bedeuten. «Wenn Kinder mangelernährt sind, bezahlt die ganze Gesellschaft dafür», so Emile Nzabi.

Menschengruppe.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Der gesunde Start ins Leben beginnt bereits in der Schwangerschaft. Und die ersten tausend Lebenstage sind entscheidend für die Entwicklung des Kindes. Darum spielen bei der Prävention von Mangelernährung Mütter eine zentrale Rolle. Claudine Minani ist eine Art Mütterberaterin, ausgebildet durch Unterstützung von UNICEF.

Leute an Feuerstelle.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Minani erklärt anderen Müttern in der Provinz Ngozi wie man mit wenigen Mitteln eine Mahlzeit zubereiten kann, die alle wichtigen Nährstoffe enthält. Alle anwesenden Frauen sollten eine Zutat für das Gericht mitbringen. Doch das ist nicht einfach. «Die Familien haben schlicht nicht genug zu essen. Die Frauen können nichts mitbringen», erläutert Claudine Minani.

Landschaft.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Burundi ist eines der ärmsten Länder der Welt. Kommt hinzu, dass die Böden übernutzt sind. Das Land ist weitaus kleiner als die Schweiz, es wohnen aber rund 12 Millionen Menschen im Land, die fast ausschliesslich von der Landwirtschaft leben. Dieses Problem verstärkt sich täglich. In Burundi hat jede Familie im Schnitt fünf Kinder. Der Boden wird folglich immer mehr beansprucht, die Parzellen pro Kopf kleiner.

Frau stillt Kind.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Nirgendwo auf der Welt ist die Stillrate in den ersten sechs Monaten so hoch wie in Burundi (83 Prozent aller Mütter). «Doch sobald die Mütter abstillen, wissen sie manchmal nicht, welche Nährstoffe ihre Kinder unbedingt brauchen», so Minani.

Es fehle dann das Gemüse oder die Eiweisse. Die Kinder seien satt, aber erhielten nicht, was sie bräuchten. Viele Mütter waren als Kind selbst mangelernährt, sind kaum zur Schule gegangen. Während der Schwangerschaft und dem Stillen fehlen ihnen selbst die nötigen Nährstoffe.

Essenstopf.
Legende: SRF/ Anna Lemmenmeier

Das Mittagessen ist fast fertig. Eine Art Eintopf mit allem, was ein Kleinkind benötigt. Die anwesenden Mütter haben gelernt, welche Zutaten unabdingbar sind. Doch sie aufzutreiben, wird für viele auch in Zukunft eine Herausforderung bleiben. Die weitverbreitete chronische Mangelernährung macht die Bevölkerung Burundis besonders anfällig für Armut und Krankheiten. Und somit auch für das Coronavirus.

Kriegsfolgen und hohe Bevölkerungsdichte

Im Index der menschlichen Entwicklung lag Burundi 2019 auf Platz 185 von 189. Das Land hatte 2016 das weltweit drittniedrigste BIP pro Kopf.

Für das Jahr 2050 wird laut der mittleren Bevölkerungsprognose der UNO mit einer Bevölkerung von über 26 Millionen gerechnet.

Im Welthungerindex der Welthungerhilfe steht Burundi an letzter Stelle unter 119 Entwicklungsländern und osteuropäischen Transformationsstaaten. Gründe für den Hunger sind Kriegsfolgen, Übernutzung der Böden, hohe Bevölkerungsdichte und der damit verbundene Landmangel. Letzterer wird durch die Rückkehr von Flüchtlingen noch verschärft.

Rendez-vous, 7.4.2020, 12:30 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Morgenthaler  (ChM)
    @SRF: guter Artikel, vielen Dank, Berichte über Afrika kommen sonst in unseren Medien oft zu kurz. Leider ist die eingefügte Karte mangelhaft. Der Tanganjikasee wurde unterschlagen, dabei ist noch er grösser als der Malawisee.
  • Kommentar von Beat. Mosimann  (AG)
    MIR fällt auf das die Armut in Burundi, Menschen dort französisch sprechen, Frankreich ist also gefordert, Herr Präsident Macron
    Die Schweiz sollte Aufklärung und Minimum das 1 x 1 bei bringen, damit sie lernen was es heisst Familie zu ernähren. Mir kommt es schon so vor, dass EU etc. Menschen nicht interessiert sind dieses Land zu fördern.
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Es geht leider schon lange nicht mehr um dieses eine Land. 800 Millionen Menschen müssen mit weniger als 2 US $ pro Tag auskommen, 2 Milliarden Menschen haben weniger als 3 US $ pro Tag zur Verfügung. Die EU interessiert sich noch nie für das Leid der Menschen, sie tun nur immer so in ihren Sonntags-Predigten. Dazu sehe man sich die Doku "Die Flüchtlings-Macher" an oder "Europas dreckige Ernte" ab der 36. Minute. Die vertritt Konzern-Interessen, Meere leer fischen, Überproduktion abladen, etc.
  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Der Bericht ist erschütternd. Nur wird die polit. Lage ausgeblendet. In Burundi sind Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung ( Kinderarbeit, Vergewaltigungen, Zwang zur Prostitution, Folter und Hinrichtungen). Ungeheuere Korruption. Wirtschaftshilfen dienen der Bereicherung der "Eliten". Investitionen ins Gesundheit-, Bildungswesen und Landwirtschaft werden nicht getätigt. Präsident Obama hat das Land 2015 vom AGOA ausgeschlossen. AFRIKA muss versuchen sich selber zu helfen.