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International «Assad ist nur noch an der Macht, weil er so brutal ist»

Weshalb gibt Syriens Diktator Baschar al-Assad dem Schweizer Fernsehen ein Interview – und was ist von seinen Aussagen zu halten? Die Syrien-Kenner Pascal Weber und Kurt Pelda ordnen ein.

Legende: Video Das sagen Experten zum Assad-Interview abspielen. Laufzeit 12:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 19.10.2016.

Warum gibt Präsident Assad dem Schweizer Fernsehen ein Interview? SRF-Nahost-Korrespondent Pascal Weber meint: «Ein westliches Medium ist eine Plattform, die Assad geschickt nutzt, um seine Meinung breit zu streuen.» Ein Abrücken von seinen festen Prinzipien dürfe man allerdings nicht erwarten, egal, wie kritisch die Fragen sind.

Pascal Weber hat mehrmals als Reporter Syrien besucht, das letzte Mal vor einem halben Jahr. Ist Assads Rückhalt in der Bevölkerung wirklich so enorm, wie er behauptet? «Die Menschen in den Gebieten, wo Assad herrscht, sehen, wie es hinter der Front aussieht», sagt Weber. «Längst nicht alle lieben Assad. Aber die Mehrheit ist überzeugt, dass Assad mehr Stabilität bieten kann als die Rebellen.»

Gab es Giftgasangriffe auf syrische Regierungstruppen?

Nahost-Experte Kurt Pelda hat ebenfalls immer wieder Syrien besucht, allerdings war er hinter der Rebellen-Front. Pelda staunt über Assads Definition eines Terroristen. «Es ist Unsinn, zu behaupten, dass jeder Oppositionelle, der zur Waffe greift, ein Terrorist ist.» Dann, so Pelda, bestünden alle Befreiungsorganisationen aus Terroristen.

Ist die syrische Armee tatsächlich mit Giftgas angegriffen worden, wie Assad dies behauptet? «Ja», sagt Kurt Pelda, «aber das war ein Versehen. Syrische Flugzeuge haben Chemiewaffen unabsichtlich über den eigenen Linien abgeworfen. Ausserdem hat der IS syrische Rebellen nachweislich mit Senfgas angegriffen.» Aber die grossen Angriffe auf die Zivilbevölkerung habe es von der Regime-Seite gegeben. Von Helikoptern seien Bomben mit Chlorgas abgeworfen worden, das sei von der UNO umfassend und seriös untersucht worden.

Was ist vom Foto des verletzten Buben zu halten?

Pelda ist überzeugt: Assad ist bei der eigenen Bevölkerung längst nicht so beliebt, wie er vorgibt. «Alle, die nicht in den von ihm kontrollierten Gebieten wohnen, versucht Assad vertreiben oder zu vernichten.» Assad nehme keine Rücksicht auf Frauen und Kinder. Pelda: «Er ist nur noch an der Macht, weil er so brutal ist.»

Was das Foto mit dem verletzten Buben, der aus den Trümmern in Aleppo geborgen wird, angeht, sind sich beide Experten einig: Das Foto ist wahrscheinlich echt, auch wenn Präsident Assad das Gegenteil behauptet. Aber im Krieg kennt niemand wirklich die Wahrheit.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Micha Schmutz (Micha Schmutz)
    Einordnung gleich null! Wie wärs mit einer richtigen Expertenrunde? Im CLUB z.B.? Oder vielleicht finden sich ja bei den Kollegen vom Radio glaubwürdigere Experten bzw. ein geeignetes Sendegefäss dafür.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Heute sehen die Libyer, was sie mit Gaddafi hatten. Aber wenn die globalen Eliten andere Pläne mit einem Land haben, dann spielt der Volkswille absolut keine Rolle. Gaddafi musste sterben, weil die Kriegstreiberin Clinton ihre Hauptrolle in diesem blutigen und zerstörerischen Drama unbedingt spielen wollte und dabei auch noch auf breite Unterstützung stiess. Gleiches passiert jetzt mit Syrien inklusive der Hilfe der MSM
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    1. Antwort von Mary Roes (MR)
      Das sehen Sie sicher richtig Frau Lüscher! Vor der Liquidierung Gaddafi's haben viele Exil-Libyer in den CH-TV-Studios frohlockt mit "Hosianna" für die "Zeit danach" und nun herrscht in Libyen das nackte Chaos. Gerne würde man dieselben Leute nochmals befragen, ob es denn vorher nicht besser war, aber solche Fragen will niemand stellen...und apropos "Kriegstreiberin Clinton", die Geostrategen dürften ihre Ziele mit dieser Frau einfacher erreichen!
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Assad ist weder an der Macht weil ihn die meisten Syrer lieben und auch nicht weil er besonders brutal ist, sondern weil er für säkulare Sunniten und religiöse Minderheiten das weit geringere Übel als islamistischen Rebellen ist. Es frage doch jemand die vergessenen Christen von Maaloula ob es ihnen besser unter der Jabhat al-Nusra oder Assad ging; YouTube: Annual Cross Festival in Maaloula, Syria. Kommentarlose Propaganda der Tourismusbehörde, aber mit eindrücklichen Bildern der Christenfeier.
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