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International Assad lässt weiterhin auf Zivilisten schiessen

Die Gewaltspirale dreht sich unvermindert weiter: Ein Bericht des UNO-Menschenrechtsrats zeigt auf, wie brutal Diktator Assad gegen das eigene Volk vorgeht. Doch auch islamistische Extremisten schrecken vor Verbrechen nicht zurück.

Carla del Ponte und Paulo Pinheiro.
Legende: Kommissionsleiter Pinheiro sprach von einem syrischen Angebot für die Schweizerin Carla del Ponte. Reuters

Unschuldige Zivilisten sind die Hauptleidtragenden im syrischen Bürgerkrieg – sie bleiben es vorerst. Nach Angaben einer unabhängigen Kommission attackiert das Regime von Syriens Machthaber Baschar al-Assad weiterhin dicht bevölkerte Gebiete.

In 12 der 14 Provinzen Syriens seien derartige Angriffe auf Zivilisten registriert worden. Das erklärte die vom UNO-Menschenrechtsrat berufene Kommission. Deren Leiter Paulo Pinheiro sagte in Genf: «Die grosse Mehrheit der Opfer dieses Konflikts gibt es durch illegale Angriffe mit konventionellen Waffen.» Auch die besonders folgenschwere Streumunition werde immer wieder eingesetzt.

Mehr Gewalt auch durch Extremisten

Die Kommission warf dem Regime vor, Verwundeten und Kranken aus von Rebellen kontrollierten Gebieten systematisch den Zugang zu medizinischer Versorgung zu verweigern. Regierungstruppen würden selbst vor Kindern nicht haltmachen. So sei am 26. August im Bezirk Aleppo eine Bombe auf eine Schule abgeworfen worden. Acht Schüler seien sofort tot gewesen, 50 weitere hätten schwere Verbrennungen erlitten.

Die Menschenrechtsexperten verzeichnen aber auch eine deutliche Zunahme von Tötungen und anderen Verbrechen durch Oppositionsgruppen im Norden Syriens. Verübt würden sie vor allem von extremistischen Kämpfern, teilten UNO-Ermittler mit. Diese Entwicklung gehe einher mit einem Zustrom ausländischer Extremisten, die den Kampf gegen die syrische Führung um Präsident Baschar al-Assad als «Heiligen Krieg» betrachteten.

Del Ponte bekam persönliche Einladung von Syrien

Im September 2011 nahm die Expertenkommission ihre Arbeit am Syrien-Dossier auf. Seither habe es laut Pinheiro 14 mutmassliche Giftgas-Angriffe gegeben, welche die Kommission derzeit untersuche.

Auch sagte der Leiter, dass Kommissionsmitglied Carla del Ponte von Syrien eingeladen wurde, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Das lehnte die Expertengruppe jedoch ab, da es sich nicht um eine offizielle Reise gehandelt hätte. Pinheiro glaubt, dass Äusserungen zu möglichen Giftgas-Angriffen del Ponte die Einladung eingebracht hätten. Die Schweizerin sprach im Mai von Hinweisen, die auf einen Giftgas-Angriff durch die Rebellen deuteten.

Experten-Berichte

Ein letzte Woche veröffentlichter Bericht hatte die Situation in Syrien zwischen Mitte Mai und Mitte Juli untersucht. Schon damals fiel das Zeugnis schlecht aus. Mehr dazu hier.

Bezüglich des Giftgas-Angriffs vom 21. August gibt es laut UNO-Inspektoren «klare und überzeugende Beweise». Mehr dazu hier.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Theodor Kugler, 8413 Neftenbach
    Hr. Hans Haller: Sie wissen nicht, was sie mit ihrem Polarisieren anrichten. Sie wissen wahrscheinlich nicht, was polarisieren bedeutet oder was es bewirkt. Kann man nichts machen. Vielleicht verstehen sie, was ich meine, wenn sie jemand liebt und sie diesen Menschen mit Polarisieren verjagen. - Zum Thema: Sowohl Assad, als auch Obama können einiges richtig machen und doch immer wieder unnötig Schaden anrichten. Ich glaube nicht an Gott, also bin ich der Verbündete des Teufels, ja?
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Herr Theodor Kugler, 8413 Neftenbach es ist ein Unterschied, ob man polarisiert oder einen Sachverhalt auf den Punkt bringt. - Derzeit müsste gerade auf Seiten des Westens nicht nur ein massiver Druck auf Assad aufgebaut werden, sondern auch auf Putin, der es offenbar noch nicht fertiggebracht hat seinen Schützling wirklich zur Vernunft zu bringen. Die Chinesen haben zB. "ihren Kim in Korea" offenbar im Griff, Putin hat seinen Assad offenbar gar nicht mehr im Griff. - Das muss sich ändern !
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      @H.Haller/Möglicherweise ist hier der Hase im Pfeffer"begraben".Die Chinesen haben..im Griff.Putin hat ..Assad nicht im Griff.Aber so wie man den Medien(über einen grösseren Zeitraum und aus diversen Quellen)entnimmt,möchte die USA( EINZIGE Nation die über Gut und Böse befinden DARF)auch China,Russland und den Iran in den Griff bekommen.Weshalb wohl?Könnte evtl.auch mit vertriebenen,ehemaligen Dynastien im Exil zusammenhängen,die sich aus der"Ferne"rächen und an ihre alten"Pfründe"zurück wollen.
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  • Kommentar von Michael Stoll, Luzern
    Solange es Menschen gibt, die Waffen jeglicher Art herstellen, mit denen Kinder, Frauen und Männer umgebracht werden, und die damit viel Geld verdienen, solange wird es diese Kriege geben, die unendliches Leid bedeuten. Kriege, bei denen chemische Substanzen eingesetzt werden, um Menschen zu töten, sind total zu verurteilen! Krieg ist befohlener, vom jeweiligen, beteiligten Staat sanktionierter Massenmord und wird im zivilisierten Leben mit Höchststrafe belegt. Einfach ein unträglicher Gedanke!
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Ich frage mich manchmal, wer da die wirklichen Kriegstreiber sind. Jene die partout nicht zur Waffe greifen wollen und damit einem Schlächter gewissermassen damit auch noch einen Freipass geben. Oder jene, die im guten glauben versuchen, wenn nötig auch mit Waffengewalt, sich gegen diese Schlächter (Rebellen & Assad gleichermassen) zur Wehr zu setzen. Frieden ja sehr gerne, aber sicherlich nicht um jeden Preis, sollte es eigentlich heissen.
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