Papst Leo XIV. feierte die Messe auf dem Sportplatz von Lampedusa. Die Meeresbrise fuhr immer wieder in sein weisses Gewand und liess seinen Schulterumhang flattern.
Vor der Messe hatte Papst Leo den Friedhof von Lampedusa besucht, jenen Ort, an dem viele der im Meer ertrunkenen Flüchtlinge und Migranten ruhen. Der Papst verharrte besonders lange vor jenen kleinen Gräbern, wo die Kinder liegen.
In seiner Predigt sagte Leo, die Toten in diesem Meer seien Opfer von getroffenen und von nicht getroffenen Entscheidungen. Der Papst liess dabei keinen Zweifel daran, wer diese Entscheidungen zu verantworten hat: Die europäischen Gesellschaften stünden vor einer epochalen Herausforderung. Sie hätten die Möglichkeit, im Meer Leben zu retten.
Der Papst zitierte dabei aus der Bibel, wo es heisst: Wer als Gastfreund Fremde aufnehme, beherberge manchmal, ohne es zu wissen, Engel.
Es waren eindringliche Worte, die der in den USA geborene und aufgewachsene Papst auf Lampedusa vor allem an Europa wandte. Nachdem er am Freitag schon in einer Videobotschaft ganz ähnliche Worte auch an die USA gerichtet hatte. Er sagte darin, die Vereinigten Staaten von Amerika seien massgeblich durch Einwanderer geprägt und geformt worden.
Erinnerungen an Franziskus
Papst Leo erinnerte auf Lampedusa mehrfach an seinen Vorgänger Franziskus. Dessen erste Reise hatte ihn 2013 nach Lampedusa geführt, wo Franziskus als Zeichen der Trauer für die vielen Ertrunkenen einen Kranz mit Blumen in die Wellen warf.
Papst Leo durchschritt direkt am Strand von Lampedusa das sogenannte Tor Europas, ein Denkmal, das an die Opfer erinnert, als Pforte aber auch Offenheit und Durchlässigkeit symbolisiert.
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Bild 1 von 2. Der Pier ist einer der symbolträchtigsten Ankunftsorte für Migranten im zentralen Mittelmeer. An dem rund 150 Meter langen Landungssteg gehen seit Jahren Menschen an Land, die die gefährliche Überfahrt über das Meer überlebt haben. Entweder erreichen die Boote ihn aus eigener Kraft oder Hilfsschiffe bringen im Meer aufgelesene Menschen dorthin. Bildquelle: REUTERS/Remo Casilli.
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Bild 2 von 2. Leo XIV. hat eine Gedenktafel für seinen Vorgänger Franziskus gesegnet. Der bisher Molo Favaloro genannte Pier wird künftig Molo Papa Francesco heissen. Mit diesem Schritt soll an das Engagement des verstorbenen Papstes für Flüchtlinge erinnert werden. Auf der Tafel steht: «Ein Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit». Bildquelle: REUTERS/Remo Casilli.
Dabei erwähnte Leo auch das kriminelle Kalkül der Schlepper und verurteilte jene, die die Verzweifelten ausnützten und dadurch in Gefahr bringen.
Zeitpunkt ist kein Zufall
Papst Leo besuchte Lampedusa nur drei Wochen, nachdem die EU den sogenannten Migrationspakt in Kraft setzte. Dieser will schärfere Grenzkontrollen und ermöglicht die Abschiebung von Asylsuchenden in Drittländer.
Und Rettungsorganisationen klagen darüber, dass sich Italiens Küstenwache weitgehend aus dem Meer südlich von Sizilien zurückgezogen hat, wo die meisten Boote untergehen und die meisten Flüchtlinge ertrinken – allein in diesem Jahr etwa 900.
Papst Leo aber schüttelte vor der Messe eben erst auf Lampedusa angekommenen Flüchtlingen und Migranten die Hände und nannte sie «sorelle e fratelli», Schwestern und Brüder.