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Auf den Spuren von Franziskus Papst Leo besucht Lampedusa und setzt ein Zeichen

Der Pontifex ruft Europa zu mehr Verantwortung bei der Migration auf. Die Botschaft ist dieselbe wie die seines Vorgängers Franziskus: Angesichts der vielen Toten im Mittelmeer die Augen nicht zu verschliessen und Migrantinnen und Flüchtlinge auf hoher See nicht sich selbst zu überlassen.

Papst Leo XIV. feierte die Messe auf dem Sportplatz von Lampedusa. Die Meeresbrise fuhr immer wieder in sein weisses Gewand und liess seinen Schulterumhang flattern.

Lampedusa: Brennpunkt der Migration aus Afrika

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Leo XIV. hat als zweiter Papst nach seinem Vorgänger Franziskus, der die Insel 2013 besucht hatte, Lampedusa einen Besuch abgestattet.

Die kleine Insel zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste gilt seit vielen Jahren als einer der Brennpunkte der Migrationsbewegung aus Afrika nach Europa. Jedes Jahr wagen Zehntausende Menschen die gefährliche Fahrt über das zentrale Mittelmeer. Viele riskieren dabei ihr Leben – oder verlieren es sogar dabei.

Die Route über diesen Teil des Mittelmeers gilt nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) noch immer als die tödlichste Migrationsroute auf dem Weg nach Europa. Seit 2014 registrierte die Organisation im zentralen Mittelmeer mehr als 26'000 Tote und Vermisste.

Auch wenn die Zahl der Ankünfte auf Lampedusa in den vergangenen beiden Jahren zurückgegangen ist, bleibt die Insel ein Symbol der europäischen Migrationskrise. Sie liegt nur rund 130 Kilometer von Nordafrika entfernt und ist damit oft die erste Anlaufstelle für Boote von dort. (sda)

Vor der Messe hatte Papst Leo den Friedhof von Lampedusa besucht, jenen Ort, an dem viele der im Meer ertrunkenen Flüchtlinge und Migranten ruhen. Der Papst verharrte besonders lange vor jenen kleinen Gräbern, wo die Kinder liegen.

Eine Person in weisser Robe kniet neben einem Blumenkranz auf einem Friedhof.
Legende: Das Oberhaupt der katholischen Kirche besuchte den Friedhof von Lampedusa, wo er an die Menschen erinnerte, die im Meer ums Leben gekommen sind, wie der kleine Joussef. Keystone/EPA/Ciro Fusco

In seiner Predigt sagte Leo, die Toten in diesem Meer seien Opfer von getroffenen und von nicht getroffenen Entscheidungen. Der Papst liess dabei keinen Zweifel daran, wer diese Entscheidungen zu verantworten hat: Die europäischen Gesellschaften stünden vor einer epochalen Herausforderung. Sie hätten die Möglichkeit, im Meer Leben zu retten.

Der Papst zitierte dabei aus der Bibel, wo es heisst: Wer als Gastfreund Fremde aufnehme, beherberge manchmal, ohne es zu wissen, Engel.

Menschenmenge mit gelben Hüten und Flaggen.
Legende: Bei einer Messe unter freiem Himmel fand der Papst klare Worte. Europa stehe in Sachen Migration vor einer «historischen Herausforderung», der sich der Kontinent stellen müsse, sagte Leo XIV. vor etwa 4000 Gläubigen. Er bedankte sich bei den Bewohnern für das «Wunder der Mitmenschlichkeit», das sie bei der Aufnahme von Migranten gezeigt hätten. Keystone/AP Foto/Alessandra Tarantino

Es waren eindringliche Worte, die der in den USA geborene und aufgewachsene Papst auf Lampedusa vor allem an Europa wandte. Nachdem er am Freitag schon in einer Videobotschaft ganz ähnliche Worte auch an die USA gerichtet hatte. Er sagte darin, die Vereinigten Staaten von Amerika seien massgeblich durch Einwanderer geprägt und geformt worden.

Erinnerungen an Franziskus

Papst Leo erinnerte auf Lampedusa mehrfach an seinen Vorgänger Franziskus. Dessen erste Reise hatte ihn 2013 nach Lampedusa geführt, wo Franziskus als Zeichen der Trauer für die vielen Ertrunkenen einen Kranz mit Blumen in die Wellen warf.

Papst Leo durchschritt direkt am Strand von Lampedusa das sogenannte Tor Europas, ein Denkmal, das an die Opfer erinnert, als Pforte aber auch Offenheit und Durchlässigkeit symbolisiert.

Dabei erwähnte Leo auch das kriminelle Kalkül der Schlepper und verurteilte jene, die die Verzweifelten ausnützten und dadurch in Gefahr bringen.

Zeitpunkt ist kein Zufall

Papst Leo besuchte Lampedusa nur drei Wochen, nachdem die EU den sogenannten Migrationspakt in Kraft setzte. Dieser will schärfere Grenzkontrollen und ermöglicht die Abschiebung von Asylsuchenden in Drittländer.

Und Rettungsorganisationen klagen darüber, dass sich Italiens Küstenwache weitgehend aus dem Meer südlich von Sizilien zurückgezogen hat, wo die meisten Boote untergehen und die meisten Flüchtlinge ertrinken – allein in diesem Jahr etwa 900.

Mehrere Menschen, darunter ein Kind, versammeln sich im Freien.
Legende: Der Papst grüsste auch Migranten, die Medienberichten zufolge für den Besuch des Papstes aus dem Aufnahmelager der Insel, dem sogenannten Hotspot, zum Pier gebracht wurden. Keystone/EPA/CIRO FUSCO

Papst Leo aber schüttelte vor der Messe eben erst auf Lampedusa angekommenen Flüchtlingen und Migranten die Hände und nannte sie «sorelle e fratelli», Schwestern und Brüder.

SRF 4 News, 4.07.2026, 10:00 Uhr

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