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Aufstieg der Populisten Was Politiker aus der Weltwirtschaftskrise von 1929 lernen können

Legende: Audio Politiker als Heilsbringer – das zieht derzeit abspielen. Laufzeit 03:50 Minuten.
03:50 min, aus Echo der Zeit vom 27.01.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vieles, was heute geschieht, erinnere an die Zeit nach dem grossen Crash 1929, sagt Ngaire Woods.
  • Die ehemalige IWF-Beraterin ist Gründerin und Dekanin der Blavatnik School of Government in Oxford, die Regierungen berät. Sie blickt besorgt auf den Aufstieg der Populisten rund um den Globus.
  • Woods zieht aus der Entwicklung von damals drei Lehren für die heutige Zeit.

Populisten haben Aufwind: Das gilt nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, in Indonesien, auf den Philippinen oder in Brasilien. «Das haben wir so schon einmal gesehen», sagt Ngaire Woods besorgt. Auch damals – in den 1930er-Jahren – sei diesem Erstarken der Populisten eine Finanzkrise vorangegangen. Und das sei kein Zufall, sagt die Ökonomin mit neuseeländischen Wurzeln und verweist auf eine Studie von deutschen Forschern.

Was geht kaputt in der Krise?

Doch was genau geht kaputt in der Krise? Was führt dazu, dass Menschen nachher vermehrt Populisten wählen, die bestehende Institutionen angreifen? Die ehemalige IWF- und UNO-Beraterin zieht drei Lehren.

Erstens: Die etablierten Polit-Parteien und Politiker hätten sich zu weit von der Bevölkerung entfernt, sie würden die breite Wählerschaft nicht repräsentieren, eine andere Sprache sprechen und die Alltagssorgen nicht kennen. Anders die Populisten: Diese würden dieselbe Sprache sprechen und bewegten sich ähnlich wie viele Wähler.

Eine Frage der Sprache

Die zweite Lehre, die Ngaire Woods aus den letzten Finanzkrisen zieht, zielt ebenfalls auf die Sprache. Populisten verpackten komplexe Sachverhalte in simple Sätze, so Woods. Deshalb müsse das Establishment seine Sprache schleunigst anpassen – und klar und verständlich kommunizieren.

Die dritte Lehre der Polit-Beraterin mag überraschen: Etablierte Politiker müssten lernen, in ihren Reden mit der grossen Kelle anzurühren. Populisten würden oft Heilsversprechen abgeben, Veränderungen in Aussicht stellen und damit werben, Kontrolle zurückzuholen. Bei den Wählerinnen und Wählern komme das an. Denn gerade nach Finanzkrisen, wenn viele Angst hätten um ihre Arbeitsstelle, um ihr Haus und ihre Lebensgrundlage, gerade in dieser Zeit existenzieller Ängste genüge es vielen Menschen nicht, wenn Politiker kleine Justierungen ihres politischen Kurses präsentierten. Dann bräuchten sie glaubhaft Visionen – Heilbringer-Rhetorik, sagt die Professorin.

Kurz: Wenn etablierte Parteien wieder Oberhand gewinnen wollen rund um den Globus, dann müssen sie stärker auf den Bauch und das Herz ihrer Wählerschaft zielen – weniger auf den Kopf.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Das Problem sind vielmehr Ökonomen, welche nicht sehen, welche Reformen es bedarf, damit die Menschen von ihrer Arbeit gut und sicher leben können und wie die leistungslosen Einkommen auf Kosten der Erwerbstätigen eingeschränkt werden können.
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    1. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Oder Politiker die etwas von Ökonomie verstehen.Überall nur Rechtsverdreher oder keine ordentlichen Abschlüsse(aber viel studiert).
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  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Die größten Populisten sind und waren die Rot-Grünen Politiker seit 68.Sie lebten vom erarbeiteten der Nachkriegszeit.Ganz gut zu sehen was an Unfähigkeit in Ministerien und Parlamenten für Unglaubwürdigkeit sorgt.1929 wie heute nur Sprüche und keine Lösungen und Handlungen wie die soziale Marktwirtschaft es erfordert.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Die Franko - Erben versuchen alles was ihnen zum Nachteil ist, im Keime zu ersticken -die Katalanen wurden zu Frankos Zeiten ( Freund von Adolf ) auf das Gemeinste behandelt und Bombardiert -da erwarten die Herren in Madrid noch frech, dass die Katalanen alles vergessen haben . Die Freiheit eines Volkes kann von keiner Macht auf Dauer unterdrückt werden. Mit einer solchen Politik der Macht, kehrt der Nationalismus wieder in die Länderregierungen zurück. Das ist an vielen Orten in Europa so
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