Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Aus dem Schiffswrack Streit um Versteigerung von Titanic-Fundstücken

Die Titanic ist 1912 gesunken und liegt immer noch vor Kanada auf dem Meeresgrund. Aktuell wird darüber debattiert, ob Originalgegenstände des Schiffes meistbietend versteigert werden dürfen. SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart mit den Einzelheiten.

Charlotte Jacquemart

Wirtschaftsredaktorin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Charlotte Jacquemart hat an der Universität Zürich Ökonomie studiert und arbeitet seit Juni 2017 als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Zuvor war sie 13 Jahre lang bei der «NZZ am Sonntag» tätig.

Um welche Gegenstände der Titanic geht es genau?

Es geht um die 5500 Gegenstände, die in Expeditionen zum Wrack gefunden worden sind. Das Wrack der Titanic ist 1985 entdeckt worden, und zwischen 1987 und 2004 hat es sieben Expeditionen zu ihm gegeben. In diesen sind 5500 sogenannte Artefakte, also Gegenstände, vom Meeresboden geholt worden. Darunter findet sich eine grosse Vielfalt von Objekten, wie man auf der Website der Firma RMS Titanic sieht. Diese Firma hat die Gegenstände in Obhut und sie in Ausstellungen der Öffentlichkeit gezeigt. Es gibt Kunstgegenstände, Geschirr, Geld, Kleider, Uniformen, Bücher, Taschen, Glocken, Uhren und sogar kleine Teile des Schiffes selber. Die Firma RMS Titanic verdient ihr Geld mit Ausstellungen dieser Gegenstände. Bis heute haben 35 Millionen Personen die Ausstellungen besucht.

Wie viele dieser Gegenstände sollen nun versteigert werden?

Den Gerichtsdokumenten, die nun öffentlich wurden, kann man entnehmen, dass über 100 Gegenstände versteigert werden sollen. Gegen den Verkauf wehren sich aber nicht nur die US-Regierung, sondern auch Kulturinstitutionen und Familien der Opfer, denn bei diesem Unglück sind ja mehr als 1500 Menschen umgekommen. Alle Gegner der Versteigerung sind der Meinung, diese Gegenstände müssten der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich sein. Es dürfe nicht sein, dass sich Privatleute diese Artefakte in Zukunft an die Wand hängen, um damit anzugeben.

Wie sieht die rechtliche Lage bei den Titanic-Gegenständen aus?

Das ist der Kernpunkt dieses Streits. RMS Titanic ist der Meinung, dass sie diese Auktion durchführen dürfe, und zwar ohne Bewilligung. Laut der Gegner gibt es aber Abmachungen aus den 90er-Jahren, die RMS Titanic nur erlaubten, die Gegenstände auszustellen, um damit Geld zu verdienen. Im Gegenzug habe sich RMS Titanic verpflichtet, niemals auch nur einen der Gegenstände zu verkaufen.

Warum will die Firma sie denn ausgerechnet jetzt verkaufen?

Es geht vermutlich um Schulden. RMS Titanic schuldet einer Firma für eine Expedition von 2024 über vier Millionen Dollar. Der Verkauf der Titanic-Gegenstände ist lukrativ. Das weiss man deshalb, weil immer mal wieder Artefakte auf den Markt kommen – von Familien von Überlebenden oder von Familien der damaligen Retter, die auch noch Sachen haben. Diese sind in Privatbesitz und dürfen natürlich verkauft werden. Im April 2026 hat eine Schwimmweste eines Titanic-Passagiers für 900'000 Dollar den Besitzer gewechselt. 2024 eine goldene Uhr für zwei Millionen Dollar. Es lohnt sich, aber die Auktion von RMS Titanic ist noch nicht im sicheren Hafen.

SRF 3 News, 23.6.2026, 7:40 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel