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Ausgang offen Taiwan entscheidet über gleichgeschlechtliche Ehe

Als erstes Land in Asien stimmt Taiwan am Samstag über die Homoehe ab. Es ist nicht der erste Vorstoss in diese Richtung.

Legende: Audio Referendum zur Homoehe in Taiwan: Es könnte knapp werden abspielen. Laufzeit 02:38 Minuten.
02:38 min, aus SRF 4 News aktuell vom 23.11.2018.

Wieso stimmt Taiwan über die Homoehe ab? Taiwan ist eines der wenigen Länder mit einer sehr lebendigen Demokratie in der Region. Und die Regierung hat die Anforderungen für Referenden stark gelockert: Sie hat die Zahl der nötigen Unterschriften reduziert und die geforderte Wahlbeteiligung gesenkt.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

In der Folge haben zahlreiche Gruppen Referenden gestartet. «So etwas hat es in Asien bisher noch nicht gegeben», sagt SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi. Insgesamt wird am Samstag über zehn Vorlagen abgestimmt. Es geht dabei unter anderem um Kernkraftwerke, Nahrungsmittelimporte, den Auftritt an den Olympischen Spielen und den Sexualunterricht an Schulen.

Gab es im Vorfeld hitzige Debatten darüber? Seit Wochen sind die Medien voll von Artikeln für und gegen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Auch auf den Social-Media-Kanälen wird oft sehr heftig gestritten. Liberale und konservative Gruppen beschimpfen sich gegenseitig. Befürworter und Gegner finden sich aber in beiden grossen politischen Parteien des Landes.

Die Gegner der Gleichstellung befürchten, dass die Geburtenrate in Taiwan weiter sinken werde.

Der Graben gehe mitten durch die Gesellschaft, sagt Aldrovandi, und er entzweie Familien. «Die Gegner der Gleichstellung sagen zum Beispiel ziemlich offen, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen widernatürlich seien, oder dass man befürchte, dass etwa die Geburtenrate in Taiwan weiter sinken werde.»

Wie lauten die Abstimmungsprognosen? In der letzten Umfrage hat sich eine Mehrheit für die Festlegung der Ehe von Mann und Frau ausgesprochen. In früheren Umfragen hat es aber auch eine Mehrheit gegeben, die gesagt hat, man sei zumindest nicht gegen die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare. Deshalb ist der Ausgang am Tag vor der Abstimmung noch völlig offen.

Es gab in der Vergangenheit schon mehrere Versuche für die Eheöffnung in Taiwan: einerseits über Gesetzesentwürfe im Parlament, andererseits über die Gerichte. Letztes Jahr wurde entschieden, dass das faktische Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare der Verfassung widerspricht und aufgehoben werden müsse. Mit dem Referendum könnte sich das wieder ändern.

Hat es eine Signalwirkung auf andere Länder? «Jein», sagt der Nordostasien-Korrespondent. «Beim grossen Nachbarn China eher nicht, dort gibt es weder Wahlen noch Abstimmungen. Und in Hongkong ist man auch noch nicht soweit.» In Korea sei die Gesellschaft noch viel konservativer als in Taiwan. «Aber in Japan vielleicht, dort gibt es je nach Ortschaft schon ein Zertifikat für gleichgeschlechtliche Paare.» Aber auch da würde eine Eheöffnung sicher noch eine Weile dauern, ist Aldrovandi überzeugt. «Was man sagen kann, ist, dass das Resultat in Asien sicher für Diskussionen sorgen wird.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Allein diese Feindseligkeiten im Vorfeld werden viele Taiwanesen zur Befürwortung der Wiedervereinigung mit der Volksrepublik treiben. Wenn über Rechte von Minderheiten debattiert wird, während die grosse Mehrheit an mangelnder wirtschaftlicher Entwicklung leidet, dann fördert das den Hass auf die Regierung. Kennen wir ja auch in Europa und USA. Wenigstens haben die Taiwanchinesen eine Alternative vor der Haustür.
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    1. Antwort von Pirmin Koch (Preemz)
      Die CCP in China macht so viel Druck auf Taiwan, so dass sie einen Hass auf das Festland haben und lieber eine Spaltung wollen, seit der Xi Jinping Ära ist der Wille zur Wiedervereinigung stark gesunken. Schauen Sie sich dazu Statistiken an.
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  • Kommentar von Pirmin Koch (Preemz)
    Direkte Demokratie und Menschenrechte, schade dass billige Produktion uns wichtiger ist und wir nur China anerkennen.
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