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Wahlen in Australien: Opposition am Boden
Aus Echo der Zeit vom 20.05.2019.
abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
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Australien nach den Wahlen Der wundersame Sieg der Klimakiller

Der australische Premierminister Scott Morrison sprach von einem Wunder. Gegen alle Prognosen hatte seine konservative Regierungskoalition am Wochenende die Parlamentswahlen gewonnen und ihre Position gar noch gestärkt. Die oppositionelle Laborpartei ist am Boden zerstört.

Die grosse Hoffnung

Eine Abstimmung über den Klimaschutz sei es, hatten die Kommentatoren im Vorfeld geschrieben. Das Ende einer Klimapolitik sei nah, die den Namen nicht verdiene, jubelten Progressive. Immer mehr Australierinnen und Australier sorgten sich um die Zukunft. Zerstörerische Wirbelstürme, unaufhaltbare Waldbrände, das sterbende Barrier Reef, endlose Dürren. Etwas stimmt da nicht mehr.

Der Tiefschlag

Doch nur Tage, nachdem die UNO vor dem Aussterben einer Million Tier- und Pflanzenarten gewarnt hatte, wählte das Land mit rekordhohen Klimagasemissionen eine Regierung wieder, die bezüglich Klimaschutz seit sechs Jahren dem Nichtstun verpflichtet ist.

Und der Kohleindustrie. Die pumpt Millionen Dollar in die Unterstützung der Parteien. Pläne der Opposition dagegen, für einen Ausbau erneuerbarer Industrien, für eine grüne Zukunft des Roten Kontinents – das Stimmvolk schickte sie spektakulär bachab.

«Ignoranz und Egoismus»

Kritiker haben wohl recht: Einmal den Wahlzettel in der Hand, dachten Millionen Australier erst mal an sich, und erst dann an die Zukunft. Angst vor möglichen Kosten des Klimaschutzes, vor dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Kohleindustrie.

«Ignoranz und Egoismus», meinte heute ein Kommentator. So einfach ist das nicht. Die Regierung hatte zwar an die Angst vor höheren Steuern und Jobverlust appelliert – zum Teil mit blanken Lügen. Doch selbst die absurdesten Behauptungen erhielten Glaubwürdigkeit, weil sie auf die flächendeckende Verbreitung der Medien des ultra-konservativen Rupert Murdoch zählen konnten.

Die Macht der Murdoch-Medien

70 Prozent der australischen Zeitungen kontrolliert der Amerikaner. Gerade dort, wo sie die praktische einzige Quelle von Information sind, verzeichneten die Regierungsparteien die grössten Gewinne. Ohne die Befangenheit, ohne die schamlose Ideologie der Murdoch-Medien wäre Australien heute auf dem Weg zu echtem Klimaschutz.

Seine Wiederwahl wird von Scott Morrison ohne Zweifel als Mandat für einen minimalistischen Klimaschutz interpretiert. Und für den Ausbau der Kohleindustrie.

Das Land ist der Welt zweitgrösster Exporteur des erwiesenen Klimakillers. Gigantische neue Minen sind geplant. Und das, obwohl jede weitere Kohle im Boden bleiben muss, wie Wissenschaftler warnen. Verlierer sind nicht nur die Australier selbst. Klima-Gas kennt keine Grenzen.

Urs Wälterlin

Urs Wälterlin

SRF-Mitarbeiter in Australien

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Der gebürtige Basler Urs Wälterlin, Link öffnet in einem neuen Fenster lebt seit 1992 in der Nähe der australischen Hauptstadt Canberra. Er berichtet von dort für SRF über Australien, Neuseeland und Ozeanien.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von M. Jaeger  (jegerlein)
    Dem Klima wirds egal sein. Das überlebt auch die Hysteriker, nicht nur die Killer...
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    E.Werle "dummheit anderer" alle Massnahmen sind für die Katz, wenn jedes Land der Welt mehr Bevölkerung zulässt, als es die Lebensgrundlage aller Lebewesen ertragen kann. In kurzen Jz wird sich diese grosse Masse naturinkompatibler Menschen verdoppelt, die letzten Ressourcen auf dem Altar ihrer Bedürfnisse geopfert haben. Auch die geplante 10-20Mio-CH kommt einer Ausmerzung unserer der gesamten Fauna gleich. Und egal wie viele Klimamassnahmen umgesetzt würden, zu schützen gibts dann nichts mehr!
    1. Antwort von Jos Schmid  (Jos Schmid)
      Am besten man beginnt bei sich selbst, quasi als “gutes“ Vorbild.
  • Kommentar von Enrico Dandolo  (Doge)
    Demokratie bedeutet im übrigen nicht, dass man die beste Regierung kriegt, sondern allenfalls jene, die man verdient. Und das zeigt sich meist erst nach den Wahlen.