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Australischer Finanzsektor Aufsichtsbehörden haben allzu oft beide Augen zugedrückt

Geschäfte mit Toten und faule Hypotheken: Australische Banken und Versicherungen sollen ihre Kunden systematisch hintergangen haben.

Legende: Audio Australische Banken in der Kritik abspielen. Laufzeit 02:24 Minuten.
02:24 min, aus Rendez-vous vom 04.02.2019.

Eine Bank, die Prämien für Leistungen erhebt, die nie erbracht werden; Finanzberater, die Unterschriften von Kunden fälschen; Hypotheken, die von Agenten verkauft wurden, obwohl klar ist, dass die Kunden nicht die Mittel haben, um ihre Schuld zurückzuzahlen; Versicherungsprodukte, die sich später als wertlos erweisen; Menschen, die ihre gesamte Altersvorsorge verloren haben, weil sie von einem Berater zum Kauf einer Anlage überredet worden waren, die sich kurze Zeit später als Flop erwies.

Das sind einige wenige Beispiele aus dem Abschlussbericht der Kommission.

Gier und Gewinnsucht

Nach elf Monaten Untersuchungen, öffentlich geführter Interviews mit Opfern und gelegentlich an eine Inquisition erinnernde Verhöre der Führungskräfte australischer Banken kam die Untersuchung zum Schluss: Der Finanzsektor müsse Vorschriften und Verhaltensregeln für den Verkauf von Finanzprodukten, Versicherungen und Hypotheken komplett überholen. Die Regierung will 76 Empfehlungen der Kommission prüfen, mit denen die Führung und Überwachung des Sektors verbessert werden sollen.

Hauptsitz der Commonwealth Bank of Australia
Legende: In die Skandale sind auch Grossbanken wie die Commonwealth Bank of Australia verwickelt. Reuters

Gleichzeitig leitete die Kommission 24 australische Grossbanken und Versicherungen wegen möglicher Verfehlungen oder krimineller Taten an die Finanzaufsichtsbehörden zur Untersuchung weiter. Gier und Gewinnsucht seien über Jahre die Treiber der Industrie gewesen, so das Fazit von Kommissionsleiter Kenneth Hayne, einem ehemaligen Oberrichter.

Aufsicht über Aufsichtsbehörden

Wesentliche Bereiche der Finanzwirtschaft funktionierten auf Basis von Kommissionen und Gratifikationen: Je mehr ein Berater verkaufe – wenn möglich die hauseigenen Produkte, auch wenn sie schlechter sind oder gar nutzlos –, desto höher seine Kommission.

Doch gerade die Aufsichtsbehörden ernteten auch heftige Kritik. Sie sollen jetzt selbst beaufsichtigt werden durch eine neue Behörde. Denn die Wächter über die Finanzindustrie hätten schlicht ihre Arbeit nicht gemacht und nur allzu oft beide Augen zugedrückt.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von max baumann (phönix)
    Dies ist für Banken vollkommen normal. Gewinnmaximierung über alles !
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  • Kommentar von Simon Weber (Weberson)
    Im Vergleich was sich die Finanzwelt in den letzten 15 Jahren geleistet hat, erscheinen einem etwa die arabischen Familienclans in DE geradezu wie Kindergartenvereine. Bei einigen Banken kann oder muss man von organisiertem Verbrechen sprechen, welches so korrupt ist, dass so gar die Aufsichtsbehörden beaufsichtigt werden müssen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Im Sinne einer Lehre aus bisherigen Finanzkapitalen Erfahrungen zu ziehen wäre, alle Banken, die gesellschaftsrelevanten Finazdienste, Zahlungsverkehr, Sparen, etc. anbieten, gehören in die öffentliche Hand, in demokratische Kontrolle. Der Rest der Finanzjongleure soll selber schauen, wohin sie crashen. Klar ist, die hohen Staatsverschuldungsquoten der letzten Jahre sind auf dem Mist der Finanzhasardeure, respektive deren Rettung gewachsen. Diese sollten Staaten auch nicht mehr zurückzahlen.
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