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Autonome Region Kurdistan «Wir haben keine Arbeit, kein Geld»

Nach dem kurdischen Unabhängigkeitsreferendum hatte Bagdad eine Wirtschaftsblockade verhängt und irakische Truppen waren einmarschiert. Die Reportage aus Erbil zeigt, wie sehr die Massnahmen die Kurden getroffen haben.

Legende: Video Kurdische Wirtschaft leidet abspielen. Laufzeit 02:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.12.2017.

Das Gewusel ist so lebhaft wie immer. Aber der Schein trügt. Kein Ladenbesitzer im Souk, dem zentralen Markt von Erbil, der nicht klagen würde. Die Geschäfte laufen schlecht in Kurdistan dieser Tage.

«Sie haben unsere Flughäfen geschlossen, westlich von Kirkuk gab es Kämpfe zwischen unseren Truppen und irakischen. Dadurch sind alle Wege nach Kurdistan zu. Nichts kommt mehr durch, alles ist zu», sagt Ladenbesitzer Ahmad Abu Bakr.

«Die Jungen haben keine Zukunft»

Um 80 Prozent sei die Wirtschaft zusammengebrochen, sagen die Verkäufer – selbst abzüglich der üblichen Grosszügigkeit der nahöstlichen Händler, wenn es um Zahlen geht, ist das einschneidend. Die Kurden haben nicht nur ihren Traum von einem unabhängigen Kurdistan zumindest vorläufig verloren – sie bezahlen auch einen hohen Preis dafür.

Salam Abdulrahman sagt: «Wir haben keine Arbeit, kein Geld. Die Jungen haben keine Zukunft, selbst wenn sie arbeiten wie verrückt, verdienen sie zu wenig und können keine Familie gründen.»

«Das Vertrauen ist völlig weg»

Adnan al-Mufti war bis 2009 Parlaments-Präsident der autonomen Kurdenregion und ist Teil jener Kurden-Delegation, welche mit Bagdad über eine Lösung der Krise verhandelt: «Dass unsere Beziehungen schlecht sind, ist nicht neu.»

Das sei schon seit 5 Jahren so. «Aber jetzt, nach dem Referendum – wir streiten über Geld und die Aufteilung von Öl und Gas. Über die Gehälter für unsere Peschmerga. Das Vertrauen ist völlig weg, und es kommt zu einer ganzen Reihe von Missverständnissen», so al-Mufti.

Unbequeme Lage für die Kurden

Dass sich das so schnell ändert, daran glaubt al-Mufti nicht: «Alle in Bagdad reden im Moment gegen uns. Das hat mit den irakischen Wahlen zu tun, die bald anstehen. Alle Parteien versuchen, ihre Wählerschaft zu vergrössern, indem sie uns Kurden gegenüber hart auftreten.»

Die Kurden haben sich in eine Lage manövriert, aus der sie ohne Hilfe von aussen kaum mehr herauskommen werden.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Kurden haben sich verkalkuliert. Sie glaubten, dass USA ein Einmarsch schiitische Milizen in Oel reichen Kirkuk Ebene nie zulassen wird und so haben sie 2/3 Oelquellen verloren. Restliche Einnahme reichen nicht um Kosten zu decken. Es ist neue Konflikt zu erwarten zwischen Stämmen welche bis jetzt mit Geld für Loyalität bezahlt würden. Von Aussen,kann man keine Hilfe erwarten, weil Kurdistan mit Länder grenzt welche sie als Nation nie akzeptieren werden.
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  • Kommentar von sven huper (ichsitzenichtindeinemboot)
    Auch in der Türkei wollen die Kurden unbedingt immer noch den eigenen Staat, obwohl klar ist dass es ihnen dann viel schlechter geht wenn Erdogan gestürzt ist. Genau das gleiche wie es von aussen aussieht war nach dem Referendum im Irak der Fall. Der Trend heute geht doch eher weg vom Staat sein und die Kurden wollen das Gegenteil, ist schwierig oder unvernünftig.
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