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Organisierte Kriminalität in Schweden
Aus Rendez-vous vom 17.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:14 Minuten.
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Bandenkriege 40 kriminelle Clans kontrollieren Schwedens Vorstädte

In schwedischen Vorstädten dominieren Familienclans das gesellschaftliche Leben – mit brutalen kriminellen Methoden.

Zwei Ereignisse haben in den letzten Wochen die Nachrichtensendungen in Schweden dominiert: Anfang August wurde ein zwölfjähriges Mädchen mitten am Tag von unbekannten Schützen aus einem vorbeifahrenden Auto niedergeschossen. Die Schüsse galten einer rivalisierenden Bande in Botkyrka, einem Vorort von Stockholm.

Mädchen trauern um die getötete Freundin
Legende: Mädchen trauern um ihre getötete Freundin in Botkyrka. imago images

Und in Angered, einer Betonsiedlung nördlich von Göteborg, Schwedens zweitgrösster Stadt, errichtete vor wenigen Tagen eine andere Bande, ebenfalls mitten am Tag, Wegsperren und kontrollierte Autos, die in das Quartier hineinwollten.

Auch wenn diese beiden Ereignisse in ihrer Unverfrorenheit überraschten, sind die schwedischen Vorortsprobleme nichts Neues: Vor einigen Jahren kam es hier zu schweren Jugendkrawallen und fast täglich sterben bei Schiessereien zwischen rivalisierenden Banden in erster Linie junge Menschen.

40 Clans aus dem Nahen Osten

Für noch grössere Aufmerksamkeit hat nun aber eine Aussage des stellvertretenden schwedischen Polizeichefs gesorgt. In einem Interview mit dem schwedischen Radio erklärte er, dass hinter der eskalierenden Gewalt in den Vorstädten 40 verschiedene Clans stünden, die in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Nahen Osten nach Schweden eingewandert seien: «Diese 40 Clans bekämpfen sich gegenseitig und erziehen ihre Kinder zu Kriminellen», hielt Löfving fest.

Laut dem Vize-Polizeichef hätten diese Familiensippen die führende Rolle in Schwedens Unterwelt von Motorradbanden wie den «Hells Angels» oder «Bandidos» übernommen. Neben der Kontrolle verbotener Aktivitäten wie etwa dem Drogenhandel hätten es die Clans aber auch geschafft, die in Schweden sehr grosszügigen Sozialleistungen für sich zu missbrauchen.

Viele junge Menschen wachsen in den Vorstädten ohne jede Perspektive einer Integration in der schwedische Mehrheitsgesellschaft auf.
Autor: Nuri KinoMenschenrechtsaktivist in Schweden

In der schwedischen Öffentlichkeit wurden die klaren Worte des hohen Polizisten begrüsst, etwa vom Menschenrechtsaktivisten Nuri Kino, der selbst als achtjähriger Flüchtling aus Syrien nach Schweden kam: «Unsere Vorstädte sind zu fruchtbaren Böden für kriminelle Clans geworden. Viele junge Menschen wachsen hier ohne jede Perspektive einer Integration in der schwedische Mehrheitsgesellschaft auf», erklärte Kino in einer Diskussionssendung des schwedischen Fernsehens letzte Woche.

Stefan Löfven
Legende: Der Sozialdemokrat Stefan Löfven ist seit 2014 Ministerpräsident von Schweden. Seine Regierung hat in den vergangenen Jahren eine restriktive Migrationspolitik verfolgt. Keystone/Archiv

Zur Eröffnung des neuen Parlamentsjahres sprach dann auch der sozialdemokratische schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven Klartext: «Eine Migration ohne Integration in Schweden schafft die Probleme, die wir jetzt so deutlich sehen», betonte der Regierungschef im Stockholmer Reichstag. Seine Regierung hat in den letzten Jahren eine betont restriktive Einwanderungspolitik verfolgt.

Mit strikter Einwanderungspolitik ist es nicht getan

Und das hat Folgen: Stellten im Jahre 2015 noch über 160'000 Menschen ein Ayslgesuch in Schweden, waren es im vergangenen Jahr gerade noch 20'000.

Dabei weiss auch Regierungschef Löfven: mit weniger Einwanderung und mehr Polizei alleine werden sich die bereits vorhandenen Probleme in den stark segregierten Vorstädten kaum lösen lassen. Quartiere, die nämlich nur zu schnell wieder in Vergessenheit geraten, wenn nicht gerade unschuldige Kinder niedergeschossen werden – oder Wegsperren errichtet werden.

Rendez-vous vom 17.9.2020

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87 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Aus den vielen Kommentaten,wird schön sichtbar, das wir Schweizer die Ausländer die wir reinholen selektionieren. So wie sie uns dienen. Ist das nicht Rassismus? An alle Linkenanfeinder: Wir Linke wollen einen humanen Umgang mit Menschen. Ich will auch nicht 30Millionen zusätzliche Menschen. Wir aber liefern Waffen an Kriegsgebiete, unterstützen den Kriegstreiber USA, importieren Billigstprodukte aus der ganzen Welt, wir haben also auch eine Verantwortung gegenüber den Ausgebeuteten.
  • Kommentar von Manuel Elmer  (Melmer)
    Schon vor 10-15 J. gab es Videos über Stadtteile, zu denen Ambulanz etc. der Zutritt verwehrt wurde und wo die Polizei immer mit min. 2 Autos einrückte, weil 1 dabei immer zerstört wurde... Schon damals hat man sich überlegt, die Armee hinzu zu ziehen, weil die Polizei überfordert war! Leider scheint sich nichts gebessert zu haben, sondern noch verschärft. Frage mich, wie SE das Chaos beseitigen will. Schade auch, dass durch SE's fahrlässiges Verhalten zunehmend auch Nachbarländer mitleiden...
  • Kommentar von Manuel Elmer  (Melmer)
    Mir tun (nebst direkten Opfern) v.a. die Schweden leid, welche die Massenmigration nie gut geheissen haben. Zu den Anderen (Politiker wie Normalbürger) möchte ich fast sagen: selbst Schuld... Denn wer einfach jeden rein lässt ohne Plan und Erklärung, was sich in diesem Land gehört; was erlaubt und was verboten ist- in der Annahme, sie würden sich automatisch "integrieren" und selbst dann noch alles verharmlost und munter weiter Leute importiert, nachdem man die Kontrolle längst verloren hat...