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Belarus stoppt Ryanair-Flug Lukaschenko lässt Flugzeug landen und Oppositionellen verhaften

  • Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat angeordnet, einen Ryanair-Flug von Griechenland nach Litauen in der Hauptstadt Minsk zur Landung zu zwingen.
  • Nach der Landung ist ein oppositioneller Blogger, der im Flugzeug gesessen hat, verhaftet worden.
  • Der Blogger und Journalist Roman Protassewitsch stand auf einer Fahndungsliste.
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Aus dem Archiv: So hart geht Lukaschenko gegen Gegner vor
Aus Tagesschau vom 24.08.2020.
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Oppositionelle sprachen von einem beispiellosen Eingriff in den internationalen Luftraum. Das Menschenrechtszentrum Wesna bestätigte die Verhaftung des Journalisten Roman Protassewitsch.

Auch der oppositionelle Nachrichtenkanal Nexta bestätigte die Festnahme seines Mitbegründers und früheren Redaktors Protassewitsch. Lukaschenko habe unter Verstoss gegen alle Gesetze ein Flugzeug «gekapert», kritisierte der Kanal.

Die Behörden haben den Kanal Nexta als extremistisch eingestuft. Der Nachrichtenkanal auf dem Messaging-Dienst Telegram gehört zu den wichtigsten Informationsquellen der Opposition in Belarus. Der Blogger Protassewitsch gehört zu den vielen international zur Fahndung ausgeschriebenen Oppositionellen, denen Lukaschenko selbst den Kampf angesagt hat.

Angebliche Bombe an Bord

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta hatte Präsident Lukaschenko nach einem Alarm wegen einem Sprengsatz an Bord der Maschine persönlich das Kommando gegeben, das Flugzeug in Minsk zur Landung zu zwingen. Dazu sei auch ein Kampfjet vom Typ MiG-29 aufgestiegen, wie der Flughafen Minsk bestätigte.

Flughafensprecher teilten in Staatsmedien mit, dass die Piloten an Bord der Passagiermaschine um eine Landeerlaubnis gebeten hätten. Später habe sich die Information über die mutmassliche Bombe als Fehlalarm herausgestellt.

Anweisung an Ryanair

Die 123 Passagiere des Ryanair-Flugs nach Vilnius mussten nach der erzwungenen Landung im Transitbereich warten. Mit mehr als acht Stunden Verspätung konnte das Flugzeug schliesslich weiter nach Litauen fliegen. Die Fluggesellschaft Ryanair hat bestätigt, dass der betroffene Flug FR4978 um 20.25 Uhr MESZ sicher in Vilnius gelandet sei.

Die Besatzung des Fluges sei von belarussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord in Kenntnis gesetzt und dann angewiesen worden, zum nächstgelegenen Flughafen in Minsk zu fliegen, bestätigte Ryanair. Nach der Landung in Minsk hätten die Behörden Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt, dabei sei nichts Ungewöhnliches gefunden worden.

Litauen protestiert

Der litauische Staatspräsident Gitanas Nauseda protestierte gegen
die erzwungene Zwischenlandung des regulären Linienfluges nach Vilnius in Litauen und die Festnahme von Protassewitsch. Nauseda forderte die EU und die Nato zu einer umgehenden Reaktion auf.

Die litauische Beraterin des Präsidenten, Asta Skaisgiryte sagte, die Operation zur erzwungenen Landung des Flugzeugs mit rund 170 Passagieren aus 12 Staaten sei geplant gewesen. Die weissrussischen Geheimdienste hätten über eine Passagierliste verfügt. Protassewitsch lebe seit November in Vilnius.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja erklärte, Belarus habe für die Festnahme die Sicherheit der Passagiere und der Zivilluftfahrt aufs Spiel gesetzt. Sie verlangte eine Untersuchung durch die internationale Luftverkehrs-Vereinigung (IATA), dem Dachverband der Fluggesellschaften.

Franak Viačorka ist Berater von Swetlana Tichanowskaja

SRF 4 News, 23.05.2021,16:00 Uhr;

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82 Kommentare

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  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Tag.

    das erschreckende an dieser Geschichte ist auch, dass Daten an den belarussischen Geheimdienst gelangt sind.
    Ich sehe derzeit im internationalen Luftverkehr keine Möglichkeit, wie man solchen fiktiven Vorhaben Einhalt gebieten kann.
    Es muss sichergestellt werden, dass Passagierlisten nicht unverschlüsselt auf elektronischem Wege in falsche Hände gelangen können. Am besten die manuelle Liste, da kann kein Geheimdienst mitlesen.
    Freundliche Grüsse,ee
    1. Antwort von Bernhard Haeuser  (Bernie H)
      Manuelle Listen? Keine Airline würde mit manuellen Listen mehr funktionieren. Buchen und Sitzbelegung erfolgen heute digital und dezentral. Wie wollte man mit manuellen Listen dies bewerkstelligen?
  • Kommentar von Walter Foletti  (Giuseppe Mazola)
    Ja, da werden neue Wege aufgezeigt, wie man sich unbeliebte Oppositionelle bemächtigen kann.
    Nun, auf so eine kriminelle Idee muss man erst mal kommen!
    Wie auch immer, das ist Staatsterrorismus pur und muss umgehend verurteilt und geahndet werden, denn dies könnte in Zukunft Schule machen.
    Leider gibt es genügend ähnlich geführte Staaten (auch Mächtige), in denen Oppositionelle „mundtot“ gemacht werden. All diese Länder werden sich hüten, gegen Belarus was zu unternehmen!
    1. Antwort von Peter Billeter  (Illusiontrust)
      Eventuell hat man sich dieses Vorgehen von der USA abgeschaut bzw. von CIA und NSA gelernt? Im Jahr 2013 flog nämlich der bolivianische Präsident Evo Morales von Moskau zurück nach Bolivien und die österreischische Luftwaffe musste sein Flugzeug auf Druck der USA/NSA/CIA in Wien zur Landung zwingen um sein Flugzeug nach einem Hochverräter der westlichen Werte zu durchsuchen. Dieser gsuchte Hochverräter unserer freiheitlichen Werte lebt seit dem im politischen Asyl in der Nähe von Moskau.
    2. Antwort von Bernhard Haeuser  (Bernie H)
      Auch die Schweiz möchte da ja mitmachen, darum haben wir ja bald eine Handhaben gegen solche Bedroher.
  • Kommentar von Peter Billeter  (Illusiontrust)
    Wie wäre es wenn SRF in diesem Zusammenhang an die von Österreich auf Anweisung der USA erzwungene Landung in Wien und Dursuchung des Regierungsflugzeugs des bolivianischen Präsidenten Evo Morales im Jahr 2013 hinweist. Der Präsident war auf dem Rückweg von Moskau nach Bolivien. Die CIA vermutete Edward Snoden im Flieger, der von der freiheitlich demokratischen Welt bis heute als Hochverräter gesucht wird. Da gab es kein Aufschrei in der "freien" Welt oder deren Medien. Doppelstandard?
    1. Antwort von Werner Wüthrich  (ruishi)
      Danke für den Hinweis. Hoffentlich lesen ihn viele Kommentatoren.
      Wieder einmal zeigt sich: wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe.