Zum Inhalt springen

Header

Video
Berlin macht den Frauentag zum Feiertag
Aus Tagesschau vom 08.03.2019.
abspielen
Inhalt

Berlin geht neue Wege Wirtschaft ärgert sich über Feiertag am Frauentag

Die deutsche Hauptstadt erklärt den Welt-Frauentag zum gesetzlichen Feiertag – einzigartig in Europa. Nicht alle freuen sich.

Bei Menzel in Berlin-Moabit ist die Werkhalle voll. Dutzende Elektromotoren warten darauf, lackiert und verschickt zu werden. Das Geschäft brummt. Der neue Feiertag kommt für Geschäftsführer Mathis Menzel, 39, höchst ungelegen. «Ich leg auch gerne die Füsse hoch. Aber wir planen hier Monate im Voraus, und dieser kurzfristig eingeführter Feiertag kostet uns mehrere zehntausend Euro.»

Letztes Frühjahr kam der Frauentag als Feiertag aufs politische Tapet, im Januar 2019 hat ihn das Landesparlament in Berlin definitiv beschlossen. Völlig unnötig, findet Menzel. Gerade Berlin sei in Sachen Gleichberechtigung sehr fortschrittlich. «In Vorpommern wäre dieses Signal vielleicht sinnvoller».

In Menzels Hallen arbeiten ein paar Dutzend Männer und eine einzige Frau. An den Wänden: Kalender mit barbusigen Frauen, wie man sie aus fast jeder Werkstatt kennt. «Ich würde gerne mehr Frauen einstellen», betont Menzel. Der Fachkräftemangel sei in seiner Branche ein echtes Problem.

Frauentag ist Kampftag

Auch darum geht es Iris Spranger. Die SPD-Abgeordnete gilt als Mutter des neuen Feiertages. «Es braucht dieses Symbol für mehr Gleichberechtigung», sagt Spranger. Und stürzt sich ins Getümmel am Alexanderplatz. Dort findet heute die grosse Demonstration statt. «Frauenkampftag» heisst das Motto. Kampf für Lohngleichheit, Parität in der Politik, bessere Aufstiegschancen im Job.

Ist ein Feiertag das richtige Mittel, um diese Ziele zu erreichen? «Wenn die Bundeshauptstadt diesen Feiertag einführt, dann erreichen wir Aufmerksamkeit Das hat eine grosse Symbolkraft im ganzen Land und sogar darüber hinaus», ist Spranger überzeugt. Ausserdem habe Berlin am wenigsten Feiertage in ganz Deutschland gehabt. Nun sei man wenigstens nicht mehr alleiniges Schlusslicht.

«Wir haben doch längst Gleichberechtigung»

Warum gerade der Frauentag als Feiertag hinhalten muss, sieht Mathis Menzel nicht ein. Noch lieber hätte er einem Attentat auf Hitler gedacht. «Wir haben doch längst Gleichberechtigung», ist der Unternehmer überzeugt. Er habe in seiner Firma Damentoiletten einbauen lassen, die habe es früher nicht gegeben.

Emanzipierte Männer würden den Frauentag als Feiertag unterstützen, entgegnet Iris Spranger. Und so sind unter den rund zehntausend Demo-Besuchern heute am Alexanderplatz auffallend viele Männer. Genau wie die Frauen müssen sie dafür nicht einmal mehr frei nehmen.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Susi Zuberbühler  (Zubisusi)
    Schade, dass sich die Gleichstellungsfrage immer weiter von ihrem eigentlichen Kern, nämlich gleiche Rechte und Pflichten unabhängig des Geschlechts, entfernt. Es scheint für viele nur noch darum zu gehen, möglichst viele Privilegien für sich selbst herauszuschinden...
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Super Kommentar! Es geht auch nur um Privilegien; bei typischen Männerberufen die körperlich anstrengend, schmutzig und auch gefährlich sind gibt es keine Forderungen für eine Frauequote. Und mit dem Gender-Zeugs gehts nochmals in eine Falsche Richtung. In "Inside Paradeplatz" erschien gerade folgender Bericht: "Swiss Re verbietet Worte „Heirat“, „Mann“, „Frau“. Empfehlenswerter Artikel vom Lukas Hässig. Da werden Sprach-Verbote / Gebote auferlegt, unglaublich.
  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    So wie das Thema "Frauen und alles was halt so dazugehört" in den Medien breitgetreten wird, kommt es mir vor als hätten wir täglich Frauentag.
    1. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Nur noch ein, zwei Tage, und dann ist wieder Männerjahr, bis zum nächsten Frauentag.
  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    Was mich stört ist nicht das es ein solcher Tag gibt, sondern die Häufigkeit solcher "Speziellen Tage". Kein Tag an dem wir an jemanden Denken müssen oder dürfen. Da frage ich mich schon, geht da nicht das einzelne begehren, so Sinnvoll es sein mag, nicht unter?
    1. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      Es kann nicht genug Freitage geben. Nur sollten die theokratisch Motivierten durch saeckulare ersetzt werden....