Trump kündigt TPP Bewährungsprobe für Europa

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Trump besiegelt Ausstieg aus TPP

1:35 min, aus 10vor10 vom 23.1.2017

Wie sehen die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa aus?

Die Bedeutung ging in den vergangenen Jahren zwar tendenziell zurück, die USA sind für die EU aber nach wie vor unterm Strich der wichtigste Handelspartner - vor China, der Schweiz und Russland. Rund 620 Milliarden Euro betrug das Gesamthandelsvolumen zwischen den beiden grossen Wirtschaftsblöcken im Jahr 2015 nach Angaben der EU-Kommission. Deutlich mehr Waren gingen allerdings von Europa über den Atlantik in die USA (Wert rund 371 Milliarden Euro). Die Importe beliefen sich auf knapp 250 Milliarden Euro.

Ist das ein Problem?

Teilweise. Die USA leben als Importweltmeister seit Jahren über ihren Verhältnissen. Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern ist der Konsum stark über Schulden finanziert. Das Handelsbilanzdefizit ist dem neuen US-Präsidenten Trump ein grosser Dorn im Auge.

Andererseits ist dies nur eine Seite der Medaille. Neben der Bedeutung als Exportmarkt ist Europa für die USA nämlich vor allem als Investitionsstandort wichtig. Nach Angaben der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskammer (American Chamber of Commerce in Germany) ist beispielsweise Deutschland das Hauptzielland amerikanischer Investitionen in Europa. Rund 2200 Firmen mit US-Kapital beschäftigen hier mehr als 600 000 Arbeitnehmer. Umgekehrt sichern demnach rund 3500 deutsche Tochtergesellschaften mehr als 620 000 Arbeitsplätze in den USA.

Könnte eine US-Abschottung auch Vorteile für Europa bringen?

Ja. «Brüssel muss die Prinzipien des Freihandels stärken und sich Protektionismus à la Trump entschieden entgegenstellen», sagt etwa der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Trump unterzeichnete nun bereits einen entsprechenden Erlass, das transpazifische Handelsabkommen TPP aufzukündigen. Es war von 12 Staaten einschliesslich der USA unterzeichnet worden, aber noch nicht in Kraft getreten. Der Blick der EU-Kommission richtet sich daher jetzt vor allem nach Asien.

Die Brüsseler Behörde geht davon aus, dass bis 2050 die Mittelklasse weltweit um Millionen Menschen wachsen wird - mit entsprechender Nachfrage nach hochwertigeren Produkten aus Europa. Länder wie etwa Vietnam, Malaysia oder Indonesien stehen hier vor allem im Fokus. Und auch dem bereits an TPP beteiligten Japan könnte eine noch wichtigere Rolle zukommen. Schon jetzt ist es nach China der wichtigste EU-Handelspartner in Asien. Ziehen sich die USA handelspolitisch aus dieser Region zurück, könnte Europa hier in eine Lücke stossen.