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Bilanz zum Papst Pontifex minimus, Pontifex maximus – fünf Jahre ist er nun im Amt

Papst Franziskus gilt als Reformer. Aber was hat er wirklich bewegt?

Das hat Franziskus erreicht

Freude wecken für den Glauben: Barmherzigkeit und Freude – das will dieser Papst verkünden und nennt sein erstes Apostolisches Schreiben «Evangelii gaudium» (Die Freude des Evangeliums). Seine Mission erreicht viele innerhalb, aber auch ausserhalb der Katholischen Kirche. Mit seiner Bescheidenheit erobert Franziskus die Herzen schnell und wird zur Identifikationsfigur auf allen Kontinenten. Er will eine Kirche für die Armen und Bedürftigen, die auch den Menschen am Rande der Gesellschaft wieder einen Platz gibt.

Probleme beim Namen nennen: Klare Wort für eine bessere Welt – auch im Klima- und Umweltschutz – mit seiner zweiten Enzyklika «Laudato si» (Gelobt seist Du – Über die Sorge für das gemeinsame Haus) geht Franziskus auch mit Wirtschaft und Politik hart ins Gericht. Als «politischer» Papst fordert er weltweit Verantwortungsbewusstsein bei Mächtigen und Entscheidungsträgern. Er setzt sich für Flüchtlinge und Migranten ein und kritisiert offen den US-Präsidenten für seine Mauer an der Grenze zu Mexiko.

Reformen im Kirchenstaat: Bescheiden wohnt Franziskus in einem Zimmer im Gästehaus und nicht im Apostolischen Palast, öffnet Paläste und Residenzen für das Publikum. Damit will der Papst Zeichen setzen. Gleichzeitig arbeitet er mit einem eigens ausgewählten Kardinalsrat an der Reform der Verwaltung und Leitung des Kirchenstaates. Die skandalgeschüttelte Vatikanbank wird durchleuchtet und unter Aufsicht von Finanzkontrolleuren gestellt. Wer sich persönlich bereichert, soll in Franziskus‘ Kirche keinen Platz mehr haben.

Daran ist Franziskus gescheitert

Widerstand in der Kurie: Franziskus fordert Kollegialität und persönlichen Einsatz innerhalb der Kirche. Nach der Generalversammlung aller Bischöfe im Vatikan wünscht sich der Papst in seinem Schreiben «Amoris Laetitia» (Die Freude der Liebe) mehr Barmherzigkeit in der kirchlichen Morallehre. Gleichzeitig regt sich erstmals aber auch innerkirchlich Kritik. In der Römischen Kurie heisst es, Franziskus sorge mit seinen Äusserungen zu Liebe, Ehe und Familie für Verwirrung und Orientierungslosigkeit.

Kampf dem sexuellen Missbrauch: Franziskus will den unzähligen Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauch und Vertuschung in der katholischen Kirche die Stirn bieten. Er richtet im Vatikan eine Untersuchungskommission ein und lädt auch ehemalige Opfer ein. Als aber auch der vom Papst neu eingesetzte Finanzchef im Vatikan wegen Missbrauchsvorwürfen in seiner Heimat Australien angeklagt wird, werden die schweren Verstrickungen bis in die höchsten Kirchenkreise offenbar. Wegen mangelnder Aufarbeitung distanzieren sich Missbrauchsopfer vom Papst.

Kritik an sich selbst: Um Franziskus wird es in der Kirche zunehmend einsam. Denjenigen, den sie 2013 gewählt haben, erkennen viele Kardinäle fünf Jahre später nicht wieder. Auch wenn er nach aussen als «Reformpapst» gefeiert wird, klagen immer mehr in der Kirche über die Kritikunfähigkeit von Franziskus. Der Regierungsstil des Papstes werde zunehmend autoritär und einschüchternd – heisst es auch von Bischöfen. Kritiker werden weggelobt und versetzt. Die von Franziskus eingeforderte «Transparenz » und «Kollegialität» werde immer weniger gelebt, heisst es auch von jenen, die Franziskus noch aus seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires kennen.

Legende: Video Fünf Jahre Papst Franziskus abspielen. Laufzeit 03:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.03.2018.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Die Welt musste erst einmal begreifen, dass der Papst innerhalb der katholischen Kirche nicht allmächtig ist und deshalb längst nicht alle seine Herzensangelegenheiten durchsetzen kann. Dass er einige seiner schärfsten Widersacher knallhart aus dem Amt befördert hat, sollte man ihm nicht ankreiden, handelt es sich doch um erzkonservative Leute, welche geistig immer noch im Mittelalter stecken. Umgekehrt ist es rätselhaft, weshalb es nicht auch einen wie den Churer Bischof getroffen hat.
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  • Kommentar von Friedrich Stowasser (H.B.)
    Die Imagepolitur hat bislang gut funktioniert, leider wurden die tatsächlichen Probleme der Kirche weder adressiert noch ansatzweise gelöst. Den Papst trifft vermutlich keine Schuld, sein Amt ist, ähnlich wie die von son manchen anderen Staatsoberhäupter, lediglich repräsentativ und de facto handlungsunfähig. Schade!
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Ohne Erwartung keine Entäuschung! (Eine kleine Binsenwahrheit von ausserhalb der Religionen)
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