So war der britische Premier noch nie zu sehen. In einem roten Bikini posierend im Büro in der Downing Street. Verbreitet wurde das Bild vom US-Tech-Milliardär Elon Musk. Echt ist es nicht. Das mit dem KI-Assistenten Grok manipulierte Bild sei entwürdigend, sagt die britische Ministerin für IT und Technologie, Liz Kendall. «Menschen ohne deren Einverständnis im Internet zu entkleiden, ist ein Missbrauch, der gestoppt werden muss.»
Kendall kündigte an, dem Treiben ein Ende zu setzen. Wenn Firmen die Gier nach Gewinnen über den Schutz von Frauen und Kindern stellten, würden sie die volle Härte der britischen Gesetze zu spüren bekommen. Die Medienaufsichtsbehörde (Ofcom) prüft seit dieser Woche, wie die Nutzung von Grok in Grossbritannien unterbunden werden kann. Die Rede ist von Bussen bis zu einer möglichen Abschaltung der Plattform X.
Wir konnten beobachten, dass die Aufforderungen an Grok immer verstörender wurden.
Das sei dringend nötig, denn Grok habe sich längst verselbstständigt, erklärte der unabhängige IT-Experte John Urak gegenüber der BBC. Grok habe von den Bedürfnissen der Nutzer und Nutzerinnen gelernt. Zuerst hätten diese Grok aufgefordert, die Leute in Badehosen zu zeigen, dann in String-Bikinis und später nackt.
«Wir konnten beobachten, dass die Aufforderungen an Grok immer verstörender wurden. Die Benutzer wollten die Körper der Frauen verändern: grössere Brüste, dünne Beine. Grok wurde aufgefordert, Körperflüssigkeiten hinzuzufügen», so Urak. Die Plattform habe zwar gewisse Begriffe blockiert. Doch die Benutzer hätten schnell gelernt, diese Barrieren zu umgehen.
Auf die Empörung reagierte Elon Musk vergangene Woche zähneknirschend. Grok sei nur noch für Nutzer zugänglich, die eine Gebühr bezahlten, teilte seine Plattform mit. Der digitale Missbrauch wurde damit quasi zu einem Premium-Service für umgerechnet 10 Franken pro Monat.
Ein Geschäftsmodell, das Ministerin Kendall nicht akzeptieren will. Der Medienregulator Ofcom habe die Möglichkeit, solche Angebote zu blockieren. Musk, der die Plattform X besitzt und ebenso die Firma, welche Grok entwickelt hat, nennen das Vorgehen der britischen Regierung faschistoid. Grok sei nur ein weiterer Vorwand, die Meinungsfreiheit noch mehr einzuschränken.
Die Briten beabsichtigen ein Verbot von X, wie wir es in Russland kennen. Lediglich um ein paar sensible Leute vor einigen Bikini-Bildern zu schützen.
US-Staatssekretärin und Trump-Anhängerin Sarah Rogers vergleicht die aktuelle Debatte gar mit der Zensur in Russland: «Die Briten beabsichtigen ein Verbot von X, wie wir es in Russland kennen. Lediglich um ein paar sensible Leute vor einigen Bikini-Bildern zu schützen.»
Heikle Mission für Starmer in Sicht
Dass die Erzeugung von Nacktbildern auf Knopfdruck unterbunden werden muss, da sind sich in Grossbritannien für einmal fast alle politischen Parteien einig. Für die Labour-Regierung kommt die Forderung zur Unzeit. Premier Starmer steht innenpolitisch unter Druck, aussenpolitisch hat er sich als eine Art Trump-Flüsterer profiliert, der den impulsiven US-Präsidenten immer wieder zu zähmen weiss. Ein harter regulatorischer Eingriff bis hin zur Abschaltung von X wäre juristisch heikel, politisch einmalig – und ein direkter Angriff auf die US-Tech-Konzerne.
Einen Erfolg kann die britische Regierung nach ersten Drohgebärden jedoch verbuchen. Musk verspricht, die «Entkleidungsfunktion» einzuschränken. Die britische Zeitung «Daily Telegraph» hat es überprüft. Tatsächlich könnten aus Fotos von Frauen seit heute keine Bikini-Bilder mehr erzeugt werden, sondern nur noch aus Bildern von Männern.