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Legende: Audio Das Geschäft mit den «technischen Praktikanten» abspielen. Laufzeit 03:00 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.08.2019.
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Billige Arbeitskräfte in Japan Einen Job gesucht, den Tod gefunden

Eine Berufsausbildung in Japan ist für junge Menschen aus asiatischen Schwellenländern attraktiv. Doch der Preis ist hoch.

Arbeitsunfälle, Krankheit, Überarbeitung und auch Suizide – Thich Tam Tri gehen die Todesfälle nahe. Die buddhistische Nonne stammt ursprünglich aus Vietnam, jetzt betreut sie Landsleute in Japan. «Morgen habe ich eine Trauerfeier in Nagoya und nächste Woche eine in Yamaguchi. Beide Verstorbenen waren in ihren Zwanzigern.»

Nonne vor dem Schrein
Legende: Thich Tam Tri stammt ursprünglich aus Vietnam, jetzt betreut sie Landsleute in Japan. Martin Aldrovandi/SRF

Als «technische Praktikanten» werden die Auszubildenden aus dem Ausland in Japan bezeichnet. «Die japanischen Unternehmen stellen sie an, weil sie wenig kosten, und registrieren sie dann als Praktikanten», erklärt Rie Yoshimzu – sie hilft mit bei der Organisation der Trauerfeier. Yoshimzu setzt sich für die Rechte von Vietnamesinnen in Japan ein.

Buddhistische Gedenktafeln
Legende: Für einige endet der Japanaufenthalt mit dem Tod. Die japanische Regierung zählte über 170 Todesfälle in nur fünf Jahren. Martin Aldrovandi/SRF

Klar, dies sind Extremfälle – und klar, sie machen nur einen kleinen Teil der 300’000 meist jungen Menschen aus, die in Japan allein im letzten Jahr als «technische Praktikanten» gemeldet waren.

Mehrere tausend Franken zahlen, um zu arbeiten

Wie hart solche Arbeitshilfen anpacken müssen, weiss Le Thi Thao. Sie ist 26 Jahre alt und arbeitet seit drei Jahren als Küchenhilfe in einer Kantine. Damit sie nach Japan kommen konnte, musste sie einer Agentur mehrere tausend Franken bezahlen. Sie selbst erhielt von ihrem japanischen Arbeitgeber aber nur 600 Franken im Monat.

«Die Arbeit ist hart, es ist anstrengend hier. Aber inzwischen komme ich ganz gut zu Recht.» Nur: Le Thi Thao muss Japan wieder verlassen. Sie sei ihrem Arbeitgeber zu teuer geworden, sagt sie. Der suche jetzt günstigere Praktikanten.

Nonne vor dem Altar
Legende: Die Geburtsjahre der Verstorbenen fallen sofort auf: 1989, 1992 und gar 1996. Martin Aldrovandi/SRF

Japans Regierung ist sich des Problems bewusst und hat versprochen, die Unternehmen stärker zu überwachen. Denn: Japan ist auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, die eigene Gesellschaft altert. So hat sich das Land in diesem Jahr auch für gewöhnliche Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Ausland weiter geöffnet.

Nonne Thich Tam Tri zündet Räucherstäbchen an. Auf dem kleinen Altar im Tempel stehen Dutzende Gedenktafeln verstorbener Vietnamesen. Die Geburtsjahre fallen sofort auf: 1989, 1992 und gar 1996. Zwischen den Tafeln liegen Opfergaben für die jungen Vietnamesinnen: Äpfel, Joghurt-Drinks und Schoko-Kekse.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Sancho Brochella  (warum?)
    Praktikas sollten auch in der Schweiz, so leid es mir um die Bürokratie tut, nur staatlich streng kontrolliert und mit klaren Auflagen angeboten werden. Ansonsten sind die Menschen anzustellen. Bedingungen sollten u.a. eine Beschränkung auf 6 Monate sein, Praktikas dürfen kein Geschäftsmodell darstellen und anstelle regulärer Arbeitsstellen angeboten werden. Das ist heute in zig Unternehmen und Organisationen der Fall. Kindertagesstätten funktionieren fast alle nur mit 'Praktikumsstellen'.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger  (Ädu)
    Unglaublich und so was nennt sich grosse Industrienation. Darf man nicht länger hinnehmen. Deshalb gehört In jedes (Freihandels)Abkommen zwischen der CH und diesem Kaiserreich, dass die Rechte von Praktikant*innen und insbesondere die Arbeitnehmerrechte an sich klar und fortschrittlich geregelt sind. Ansonsten ist auf den Abschluss zu verzichten und namentlich auf den Autoimport sind dann massive Zollzuschläge zu erheben, um diesen Ausbeutern aufzuzeigen wo Bartli den Most zu holen hat.
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    1. Antwort von Enrico Dandolo  (Doge)
      Uii, Toyota und co machen sich schon jetzt in die Hosen, wenn sie das hören!
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    2. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Kann Ihre Entrüstung gut nachvollziehen, Ädu! Ist schon länger her, dass ich in Japan war und mein Vorurteil revidieren musste. Ein Nationalismus in befremdlichem Ausmass, grad mal vierzig Jahre nach den Auswüchsen, die zum Eintritt in den 2. Weltkrieg führten.
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  • Kommentar von Susanne Saam  (Biennoise)
    Der real existierende Kapitalismus ist ein ausbeuterisches System. Es gäbe durchaus Möglichkeiten, unser Zusammenleben anders zu organisieren.
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    1. Antwort von Enrico Dandolo  (Doge)
      Und Sie denken im Ernst, dass im Sozialistischen China oder im Kommunistischen Nordkorea die Zustände besser sind, Frau Saam?
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    2. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      @Enrico Dandolo: Ich glaube nicht, dass Frau Saam die von Ihnen genannten Formen gemeint hat, wenn sie von der Option 'unser Zusammenleben anders (als im derzeitigen Kapitalismus) zu organisieren' spricht. Ich jedenfalls verstehe darunter, dass es die Möglichkeit gäbe, Arbeit & Zusammenleben immer auf das Wohl aller Menschen (und der Umwelt) auszurichten. So dass kein Wohlstand oder Reichtum für wenige auf dem Buckel von vielen und deren Gesundheit & Lebensqualität erwirtschaftet wird. Denkbar.
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    3. Antwort von Susanne Saam  (Biennoise)
      @Enrico Dandolo: nein, das denke ich nicht. Aber ich habe genug Fantasie und Vorstellungskraft, um in anderen Kategorien als den beiden Systemen Kapitalismus und sog. Kommunismus (der eigentlich ein Staatskapitalismus ist), zu denken.
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    4. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Frau Susanne Saam, Sie sollten mal mit meiner Frau sprechen, die in einer chinesischen Sonderzone gearbeitet hat, als sie mich noch nicht kannte. Sie würden Ihr Bild gründlich revidieren müssen.
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    5. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Herr Dandola, China ist nicht sozialistisch sonder kommunistisch.Frau
      Saam hat vollkommen Recht, es gibt andere Formen des Zusammenlebens. Da schliesse ich mich dem Kommentar von Herrn
      Brochella an. Sanfte sozialistische Einflüsse wäre der Weg dafür.
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