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Fall Kim Jong Nam «Bisher waren keine Anschläge mit Nervengift VX bekannt»

Was ist das für ein Stoff, der den Halbbruder von Nordkoreas Diktator getötet haben soll? Antworten aus dem Labor Spiez.

Legende: Audio Labor Spiez: Grossteil der VX-Bestände ist vernichtet abspielen. Laufzeit 04:25 Minuten.
04:25 min, aus SRF 4 News aktuell vom 24.02.2017.

Das Nervengift VX soll den Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un getötet haben. Dies fanden die Ermittler beim Opfer Kim Jong Nam heraus. VX ist das potenteste bekannte Nervengift, wie der Leiter des Fachbereichs Chemie beim Labor Spiez, Stefan Mogl, erklärt.

VX ist laut Mogl eine Flüssigkeit ähnlich dem Kampfstoff Sarin, der im Syrien-Konflikt Bekanntheit erlange. Im Unterschied zu Sarin ist aber VX viel weniger flüchtig, verdampft also langsamer.

Als farb- und geruchloses, leicht öliges Kontaktgift wirkt VX über Atmung, Haut und Augenpartie. Es greift die Nervenzellen an und lähmt die Atemmuskulatur. Nervengifte führen meist zum Tod durch Herzstillstand oder Ersticken.

Ist VX tauglich für einen Anschlag?

Mogl geht davon aus, dass ein Anschlag mit VX nicht einfach zu bewerkstelligen ist – vor allem wegen der Gefahr, sich mit kleinsten Mengen selbst zu vergiften. Aber auch die Herstellung des Stoffs mittels chemischer Synthese sei anspruchsvoll. Der Transport von VX dagegen stelle in einer für Gifte gebräuchlichen Zwei- bis Dreifachverpackung keine besonderen Probleme.

Aussagen über die Herkunft des Gifts im aktuellen Fall wären reine Spekulation.
Autor: Stefan MoglLabor Spiez, Leiter Fachbereich Chemie

«Mit sind aber weder Anschläge mit VX noch mit einem anderen Nervenkampfstoff bekannt», sagt der Experte. VX sei zwar seit den 1950-er Jahren bekannt, aber nie militärisch eingesetzt worden. Grössere Bestände hätten die USA und Russland angelegt. Diese seien gemäss Chemiewaffen-Übereinkommen grösstenteils vernichtet worden. Die Aktion sei nächstens abgeschlossen: «Es wäre reine Spekulation zu sagen, woher das Gift im Fall von Kim Jong Nam gekommen ist.»

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Mischa Markert (THECOMMENTATOR)
    Ja, so sehe ich das auch. Es ist schon erstaunlich, wie man uns (nicht in diesem Artikel) für dumm verkaufen will. Gemäss BBC hat man der Hauptattentäterin gesagt, bei der Substanz handele es sich um Babyöl. Hätte die Person das geglaubt und die Substanz mit blossen Händen appliziert, hätte sie ja auch sofort tot sein müssen. Also lief die ganze Sache doch wohl eher anders ab?!
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Mittlerweilen halte ich die ganze Story für gänzlich unglaubwürdig. Es gibt genügend flüssige Giftstoffe, welche mittels einer Spritze hätten verabreicht werden können in der Po-Region, was auch durch keine Überwachungskamera zweifelsfrei hätte nachgewiesen werden können, ganz zu schweigen von der Gefahr, der sich die Attentäter durch den Tüechli-Überfall selbst aussetzten, was obiges Interview ja bestätigt. Zudem wissen auch die Attentäter, dass es in Flughäfen Kameras gibt.
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    1. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Einstiche sind genauso nachweisbar bei einer Obduktion. Zudem fragen nordkoreanisch Agentinnen nicht nach dem Eigenschutz, sie tun was verlangt wird. Das einzige, was ich nicht verstehe ist, dass in einem früheren Artikel geschrieben worden ist, dass VX relativ einfach in einer Planzenschutzmittelanlage hergestellt werden kann, und nun wird von anspruchsvollem Syntheseverfahren gesprochen.
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  • Kommentar von Bruno Vogt (bru.vogt)
    "vor allem wegen der Gefahr, sich mit kleinsten Mengen selbst zu vergiften." Das leuchtet mir bei dieser ganzen, sehr zweifelhaften Geschichte, auch nicht ein. Ausserdem scheint der Hautkontakt tödlicher zu sein als die Inhalation selbst (in Sachen Menge). Also warum den Aufwand betreiben und das Tuch vor den Mund des Opfers zu halten? Wenn es sich dabei wirklich um VX handeln sollte. Bin selber auch kein Experte aber dies klingt zumindest merkwürdig.
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