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International Blatter ist noch nicht aus dem Schneider

Kenner der Fifa und Juristen halten es durchaus für möglich, dass es in den Korruptionsvorwürfen auch für Joseph Blatter eng werden könnte. Ehemalige Fifa-Gefolgsleute könnten als Kronzeugen in den USA Blatter belasten, meint etwa Strafrechtler Mark Pieth, ehemaliger Fifa-Korruptions-Bekämpfer.

Legende: Video Sepp Blatter droht neues Ungemach abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.05.2015.

Der wiedergewählte Fifa-Präsident Joseph Blatter zeigt sich zuversichtlich, dass er selbst keine Anklage aus den USA befürchten muss. In der Anklageschrift des US-Justizdepartements gegen die in Zürich verhafteten Fifa-Funktionäre steht der Begriff «Racketeering Conspiracy» – Verschwörung einer kriminellen Gruppierung – auffallend oft.

Nahaufnahme der Anklageschrift mit dem Begiff Begriff «Racketeering Conspiracy».
Legende: «Racketeering Conspiracy» – Verschwörung einer kriminellen Gruppierung: Die US-Anklage gegen Fifa-Funktionäre. SRF

Gemäss Mark Pieth, Strafrechts-Professor und ehemaligem Leiter der Fifa-Ethik-Kommission, könnte auch Blatter selbst ins Visier der US-Justiz geraten – obwohl Blatter selber nicht in dieser Anklageschrift genannt wird. «Es ist aber nicht völlig auszuschliessen, dass die Fifa als Institution ins Recht gefasst wird.

Es wird schon dadurch angedeutet, dass man unter dem Stichwort ‹kriminelle Organisation› auf Concacaf vielleicht sogar die Fifa losgehen könnte. Und dann ist es auch möglich, dass der Präsident ins Visier kommt.» Blatter müsse vorsichtig sein, wenn er in die USA reisen will, meint Pieth. Und das könnte schon in einer Woche der Fall sein, wenn die Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen in Nordamerika beginnt.

Was weiss Jack Warner?

Belastende Aussagen gegen Blatter könnte auch Chuck Blazer machen. «Santa Claus», wie er wegen seines Aussehens genannt wird, sass bis vor zwei Jahren im Fifa-Exekutivkomitee und kooperiert seit 4 Jahren mit der US-Justiz. Oder Jack Warner, der ehemaliger Fifa-Vizepräsident aus Trinidad und Tobago. Er ist einer der Hauptbeschuldigten in der Anklage der US-Justiz.

«Warner hat viele Gründe als persönliche Revanche Stellung zu beziehen gegen Blatter», meint Guido Tognoni, ehemaliger Fifa-Direktor. «Es ist durchaus möglich, dass er noch mit substantiellen Vorwürfen herauskommt.»

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34 Kommentare

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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    Racketeering, mit andren Worten Erpressung und Schutzgeldforderung, ist doch genau das was die USA mit der Schweiz seit 15 Jahren macht: Wenn ihr nicht zahlt werden wir Euch vor Gericht bringen, Wenn du mich nicht für die Fussball WM wählst klage ich Dich an oder mache dich medial fertig oder beides. Ganz im Stil der Mafia der 50er Jahre. Wenn ihr nicht zahlt zünden wir Euch die Bude an...
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Nimmt mich nur wunder, wann es den Amis in den Sinn kommt unser Bundeshaus auszumisten. Gut, bei uns heisst das ganze schlicht und einfach Lobbyismus.
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Ein kleiner "Trost" ist geblieben: Die Afrikaner, Asiaten, Lateinamerikaner und Russen konnten "ihren" Sepp demonstrativ feiern - nach dem Motto: jetzt haben wir es diesen Westeuropäern, Amis und Australiern, also reichen Ländern, wieder einmal gegeben -, aber sportlich sind die Westeuropäer schon längst enteilt. Da die nächste WM in Europa stattfindet, wird der nächste Weltmeister wieder aus (West-)Europa kommen. Sollen sie doch quatschen - der Pokal bleibt aber in der "bösen" EU.
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    1. Antwort von C. Szabo, Thal
      Statistisch gesehen haben Sie recht. Doch bei der WM 2010 in Brasilien gewann ausnahmsweise eiin europäisches Team. Das mag am besseren Zusammenspiel der Deutschen gelegen haben. Sportlich und technisch sind die Europäer nicht überlegen.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Technisch zwar nicht, aber was zählt, sind die Erfolge. Schon 2010 in SA war leicht zu erkennen, dass die Brasilianer und Argentinier, die beiden stärksten Südamerikaner, mit den Europäern nicht mehr ganz mithalten können - wer stand wohl im Final? -, und im letzten Jahr fand das seine Fortsetzung. ARG hat nur mit viel "Glöggli" (auch gegen die CH) den Final erreicht. Und warum spielen die besten Lateinamerikaner schon seit Jahrzehnten in Europa? Nicht nur wegen der Kohle.
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