Zum Inhalt springen

International Blick zurück auf 20 Jahre «Al Jazeera»

Vor 20 Jahren ging «Al Jazeera» auf Sendung. Der Nachrichtenkanal habe die arabische Medienwelt verändert, sagt Tamer Aboalenin. Er war während vieler Jahre «Al Jazeera»-Korrespondent in der Schweiz und blickt heute auf die Anfänge des arabischen Fernsehsenders zurück.

Büroszene, zwei Männer in weissem, saudischen Gewand, eine Frau vor einem Computer.
Legende: Das Studio in Doha, der Hauptstadt von Katar. Am 8. November 1996 ging «Al Jazeera» erstmals «on air». Keystone/Archiv

«Al Jazeera» ist aus einer gescheiterten Kooperation der BBC mit den Saudis entstanden. Der Emir von Katar heuerte die dort entlassenen Reporter an und gründete einen neuen Sender, der journalistisch unabhängig sein wollte.

Das war neu, sagt der ehemalige «Al Jazeera»-Journalist Tamer Aboalenin im Tagesgespräch von SRF: «Man griff Themen wie Demokratie und Menschenrechte auf.»

Der Emir von Katar habe eine BBC auf arabische Art machen wollen. Dafür wurden Meldungen von Nachrichtenagenturen wie Reuters und AP unverändert übernommen und mit arabischen Ansichten ergänzt.

Pro und contra erhalten Sendezeit

Dazu bildete «Al Jazeera» erstmals beide Parteien eines Konflikts ab. «Die zwei Meinungen, die der einen und die der anderen», erklärt Aboalenin. «Über die arabische Medienlandschaft kann man deshalb sagen: Es gibt die Zeit vor und die Woche nach den Sendestart von ‹Al Jazeera›.» Heute ist «Al Jazeera» der einflussreichste Sender in der arabischen Welt. Für Aboalenin ist das kein Zufall.

«Während des Arabischen Frühlings war ‹Al Jazeera› der einzige Sender, der dem Pro und dem Contra beider Lager das Wort gegeben hat.» Der Vorwurf, «Al Jazeera» habe sich im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 auf die Seite der Islamisten geschlagen, treffe nicht zu, ist der ehemalige Journalist überzeugt.

Eine Moderatorin und ein Moderator vor einem Bildschirm mit «Al Jazeera»-Logo.
Legende: Im November 2006 ging «Al Jazeera International» auf Englisch auf Sendung. Keystone/Archiv

Überall Angst vor Repression

«Es gab keinen Schulterschluss mit bestimmten Bewegungen wie etwa der Muslimbruderschaft oder wem auch immer», sagt Aboalenin, der heute für eine kuwaitische Nachrichtenagentur aus Genf berichtet. «Es war ein Schulterschluss, mit der Wahrheit, die dort passiert.» Es gebe Aufständische und es gebe Aggressoren. «‹Al Jazeera› gibt auch den Aggressoren die Möglichkeit zu sagen, weshalb sie aggressiv sind.»

Die Regierungen hätten bis heute immer noch Angst vor der Medienfreiheit. Davor, die Wahrheit zu hören, so Aboalenin weiter. Und darum seien auch «Al Jazeera»-Journalisten der Repression ausgesetzt. Genau wie westliche Journalisten auch.

Das ganze Tagesgespräch mit Tamer Aboalenin hören Sie hier.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Es wäre nett wenn man hier auch mal was kritisches zu Al Jazeera schreiben dürfte; es geht um den Al Jazeera`s Moderator Faisal Al-Qassim und seine Sendung "The Opposite Direction", einen kurzer Auschnitt mit englischer Übersetzung ist auf Integrity UK unter: Prominent Al-Jazeera anchor promotes sectarian discourse by advocating for the expulsion of Shias from Syrian towns., zu sehen. Viele Moderatoren haben den Sender wegen eben dieser Ausrichtung verlassen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Den Schlussteil werde ich mir einrahmen. Insbesondere die letzten zwei Sätze.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sebastian Frey (Sebastian Frey)
    Für die Beurteilung und Geschichte von "Al Jazeera" gibt meines Erachtens der Ex-AlJazeera Mitarbeiter Aktham Suliman wesentlich besseren Einblick. Sachlich und überprüfbar zeigt er auf; wie bis und mit Irakkrieg dieser Sender ehrlichen, fundierten Journalismus betrieb. Was sich danach klar gewandelt hat! - (Der Sender gehört dem Emir von Katar, der in so ziemlich jedem Konflikt der Region die Finger mit drin hat, ein kleines 2mio Einwohner Land, Basis von GBR/US Streitkräften.)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Tamer Aboalenin (Tamer)
      @ Frey, wäre Ihnen Dankbar, wenn Sie mir erwähnen können, wo Aljazeera in ihren Berichterstattung während des Irakkriegs unsachlich oder nicht ehrlich berichtet hat.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Sebastian Frey (Sebastian Frey)
      @Tamer Aboalenin Zu Ihrer Frage: Ich schrieb: "...bis UND mit Irakkrieg..." - ((In Afghanistan wie auch Irak haben Journalisten von Aljazeera wohl subjektiv wie objektiv fundiert, offenen Journalismus geboten. Eine Zeit wo CNN, BBC, ...etc nur "embedded-Journalismus" betrieben. Die oftmals klar, sachlich nachweisbaren Zweifel an der Qualität von Aljazeera stammen von der Zeit danach. Inkl Kampagne-Journalismus, leider!))
      Ablehnen den Kommentar ablehnen