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Premier Mahdi versucht, die Demonstranten zu beruhigen
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.10.2019.
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Blutige Unruhen im Irak Premier Mahdi will die Lage mit Geld beruhigen

Die irakische Regierung verspricht Mittellosen ein Einkommen. Sie hofft, so die kochende Volksseele besänftigen zu können.

Nach tagelangen wütenden Protesten gegen Korruption und Misswirtschaft im Irak hat die Regierung die Forderungen der Demonstranten als «berechtigt» anerkannt. Die Regierung sei um eine Lösung bemüht, doch gebe es «keine Zauberformel», um alle Probleme zu lösen, sagte Regierungschef Adel Abdel Mahdi im Staatsfernsehen.

Geld für mittellose Familien

Zugleich kündigte er an, dass benachteiligten Familien geholfen werden solle. «Wir werden jeder irakischen Familie, die kein monatliches Gehalt hat, Gehälter geben, um Gerechtigkeit zu erreichen», sagte er. Er forderte die Demonstranten gleichzeitig auf, friedliche Proteste nicht ins Chaos abgleiten zu lassen.

Seit Beginn der Proteste am Dienstag ist die Polizei mehrfach mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Dabei kamen 46 Menschen ums Leben, fast 1500 wurden verletzt, wie die Hohe Menschenrechtskommission mitteilte.

Allein 18 Menschen seien in Nassirija im Süden des Landes ums Leben gekommen, verlautete am Freitag aus Polizei- und Klinikkreisen. 16 Menschen seien in der Hauptstadt Bagdad getötet worden.

Zornige junge Männer

Angeführt werden die Demonstrationen vor allem von jungen Männern. Sie blockierten in der Hauptstadt Bagdad Strassen und zündeten Autoreifen an. In mehreren Provinzen stürmten sie Gebäude und legten Feuer. Sicherheitskräfte versuchten mit Tränengas und Schüssen in die Luft, die Proteste aufzulösen. Teilweise kam es zu Zusammenstössen.

Demonstranten.
Legende: Iraks junge Männer sind wütend. Reuters

Ministerpräsident Mahdi verhängte am Mittwochabend eine Ausgangssperre in mehreren Städten des Landes, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Die Lage in der Hauptstadt war am Donnerstag weitgehend ruhig, Proteste wurden aus anderen Städten gemeldet.

Zu wenig Strom im Erdölland Irak

Die Proteste richten sich gegen die weit verbreitete Korruption, die schlechte Wirtschaftslage und den politischen Stillstand. Viele Menschen im Irak klagen über die vernachlässigte Infrastruktur sowie über die Arbeitslosigkeit.

So gehört Irak zu den ölreichsten Ländern der Welt, leidet aber unter anderem unter einem akuten Energiemangel. Vor allem in den heissen Sommermonaten mit Temperaturen bis zu 50 Grad fällt regelmässig der Strom aus.

Das Land kommt seit Jahren nicht zur Ruhe. 2014 überrannte die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) grosse Teile des Landes und errichtete dort eine brutale Herrschaft. Mittlerweile sind die Extremisten militärisch besiegt, Zellen bleiben aber aktiv. Nach dem langen Kampf gegen den IS sind vor allem im Norden und Westen des Iraks viele Städte zerstört. Der Aufbau geht nur langsam voran.

Kritiker werfen den führenden Politikern seit Jahren vor, sie nutzten ihre Positionen vor allem dazu, sich ihre eigenen Taschen und die ihrer Klientel zu füllen. Im Anti-Korruption-Index der Organisation Transparency International steht der Irak auf Platz 168 von 180 Ländern.

Video
Tote bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Polizei im Irak.
Aus Tagesschau vom 03.10.2019.
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4 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Seit ca. 5 Jahren ist der Irak wirklich in Richtung Demokratie unterwegs. Leider ist Reichtum ohne grosse Anstrengung (hier Oelgeschäft) Gift für eine humane Entwicklung des Zweibeiners. Weitere Führungsfehler der bereits wieder korrupten Regierung und Irak fällt wieder ins alte Fahrwasser!! Leider.
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    1. Antwort von Markus Gasser  (Markus Gasser)
      @B. Häberli: Das zeigt, dass man Demokratie nicht einfach verordnen oder gar herbei bomben kann. Man kann die über Jahrhunderte gepflegt Hörigkeit aus den Hirnen nicht einfach wegwischen. Auch (West-) Europa hat lange gebraucht bis es sich vom Diktat der kirchlichen und weltlichen Alleinherrscher emanzipieren konnte (Luther, Aufklärung). Ohne Wachsamkeit kann man immer wieder in die alte Hörigkeit zurück fallen.
      Dies ein Weckruf auf den 20. Oktober 2019.
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  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Oel vergiftet nicht nur die Zukunft unserer Erde sondern verhindert auch eine
    demokratische Entwicklung der Länder im nahen Osten. Denn ohne Oel verlieren die Despoten auch ihre Macht und sind zur Bildung des Volkes gezwungen, damit eine intelligente Industrie in Gange kommt. Gebildete Menschen hinterfragen auch das System und führen zur Emanzipation von Mann und Frau (!). Deshalb weltweit weg vom Oel (Gas und Kohle). Man wähle nüchterne Fachpersonen, die den Ernst der Zeit begriffen haben.
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    1. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      Ist das jetzt eine Wahlempfehlung für die Schweiz via die irakische Unfähigkeit, sich über alle Konfessionen und Clans hinweg zu einem funktionierenden Staatswesen zu wandeln? „Man“ ist wer? „Nüchterne Fachpersonen, die den Ernst der Zeit begriffen haben“ - wer ist das im Irak? Könnten Sie Ihr eigenes Rätsel lösen, Herr Gasser? Geht es um die Lage im Irak oder die Wahlen in der Schweiz?
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