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Boris Johnsons Kehrtwende Keine Pub-Besuche, aber Schulen bleiben offen

Nach tagelangem Zögern und internationaler Kritik verschärft die britische Regierung ihre Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus.

Statt auf Sanktionen und Verbote setzt die Regierung Grossbritanniens auf das Einsehen der Bevölkerung. Restaurants, Pubs oder Theater werden nicht aufgefordert, zu schliessen, aber die Bevölkerung wird aufgerufen, sie zu meiden.

Wer kann, soll zuhause arbeiten, unnötige Reisen sind zu vermeiden und bei Treffen soll Distanz eingehalten werden. Ältere Menschen sollen nur noch aus dem Haus, wenn nötig. Die Schulen bleiben aber bis auf weiteres offen.

Diese Massnahmen sind eine Kehrtwende.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und unzählige Experten hatten den bisherigen Kurs der Regierung scharf kritisiert. Bis Montagnachmittag hatte die Briten nämlich innerhalb Europas die am wenigsten drastischen Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus zu befolgen.

Und dies nicht etwa, weil die Insel von der Pandemie verschont blieb, sondern weil sich die britische Regierung am Motto aus dem Zweiten Weltkrieg zu orientieren schien: «Keep calm and carry on» [ruhig bleiben und weitermachen].

Idee: «Herden-Immunität» aufbauen

Ihre lasche Strategie verteidigte die britische Regierung unter anderem mit dem Aufbau der sogenannten «Herden-Immunität». Die Idee hinter dieser Strategie ist mitunter, dass eine «Herden-Immunität» gegen das Coronavirus aufgebaut werden soll. Junge, gesunde Menschen sollen sich infizieren, erkranken und wieder genesen – und auf diese Weise immun werden.

Das Ziel: Rund zwei Drittel der Bevölkerung werden immun und die aufgebaute Immunität der Allgemeinheit soll helfen, die Ausbreitung des Virus zu erschweren, wenn dieses im Herbst wieder auftreten sollte.

Diese Vorgehensweise ist umstritten. Nicht nur die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Grossbritannien gerügt, auch 245 Wissenschaftler haben am Wochenende einen offenen Brief geschrieben und die Regierung scharf kritisiert.

Überfordertes Gesundheitssystem

Unterdessen ist die Regierung zurückgerudert und behauptet, das Ziel sei nicht diese Herden-Immunität, sondern eine verantwortungsvolle Strategie im Umgang mit dem Coronavirus, damit das Gesundheitssystem nicht überfordert werde.

Das nationale Gesundheitssystem (NHS) ist genau das, was vielen Briten grosse Sorgen bereitet: Denn es ist auch ohne eine Pandemie fast jedes Jahr im Winter während der Grippezeit mit der grossen Zahl an Patienten überfordert. Das NHS gilt als chronisch unterfinanziert. Die Briten haben mittlerweile pro 1000 Einwohner weniger Ärzte und Ärztinnen sowie Pflegefachkräfte als viele andere Länder wie etwa Italien, Frankreich oder Deutschland.

Die heutige Kehrtwende der Regierung wird die grosse Coronavirus-Krise kaum abwenden können. Denn bereits jetzt warnen erste Spitäler, es fehle an Beatmungsgeräten und das medizinische Personal erreiche seine Leistungsgrenzen.

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Aus dem Archiv: Kein gemeinsames Vorgehen gegen Corona in Europa
Aus Tagesschau vom 15.03.2020.
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SRF 4 News 07:00 Uhr, 16.03.2020

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