Zum Inhalt springen

Header

Video
Das Brexit-Handelsabkommen steht
Aus Tagesschau am Vorabend vom 24.12.2020.
abspielen
Inhalt

Brexit-Handelsabkommen Schöne Bescherung, dieses Brexit-Abkommen

Der Brexit ist kein Geschenk. Das Vereinigte Königreich und die Europäische Union haben sich auf hunderten von Seiten Vertragstext auf ein Brexit-Abkommen einigen können.

«Brexit-Abkommen» ist die falsche Bezeichnung. Was vorliegt, ist ein ziemlich umfassendes Partnerschaftsabkommen zwischen ehemaligen Freunden, die nun getrennte Wege gehen wollen.

Es ist mehr als ein simples Freihandelsabkommen. Das ist eine gute Nachricht.

Nun beginnt das Rechnen

Zum Beispiel die Abrechnung, wer sich unter dem Strich eher durchsetzen konnte. Wer gewonnen hat oder wer wo nachgeben musste, um das Chaos auf beiden Seiten des Ärmelkanals zu verhindern.

Die Rechnung ist eigentlich schnell gemacht. Der Austritt des Vereinigten Königreichs ist in jedem Fall für niemanden ein Gewinn.

Waren können ohne Zoll und ohne mengenmässige Beschränkungen hin und her transportiert werden. Aber über jede Schraube muss Buch geführt werden. Es steht allen Beteiligten viel Papierkram bevor. Die Kosten tragen die Unternehmen und ihre Kundinnen. Worin liegt der Gewinn im Vergleich zu heute?

Studierende aus dem Vereinigten Königreich können nicht mehr in der EU am Austauschprogramm Erasmus teilnehmen und umgekehrt. Worin liegt der Gewinn zu heute?

Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

Wirklich mehr Souveränität?

Auch die härtesten Brexit-Hardliner argumentierten immer nur mit einem nachweislichen Gewinn: dem Gewinn an Souveränität.

Bestimmt, das Vereinigte Königreich kann nun politisch eigenständig entscheiden. Das Partnerschaftsabkommen schreibt Grossbritannien aber zum Beispiel vor, dass es sich in vielen Bereichen an die Regeln der EU halten muss, wenn das Königreich den Zugang zum europäischen Binnenmarkt bewahren will.

Bestimmt, in einigen Jahren können die britischen Fischerboote selber bestimmen, wie viel sie in ihren Gewässern fischen wollen. Aber sie müssen die Regeln der EU einhalten, um diesen Fisch in der EU verkaufen zu können.

Die EU und Grossbritannien einigten sich zudem auch auf gleiche Umwelt-, Sozial- und Subventionsstandards. Worin liegt der Gewinn zu heute?

Der Gewinn an Souveränität ist relativ.

Der Preis ist hoch

Das neue Partnerschaftsabkommen ist ein kurzfristiger politischer Gewinn für die amtierende britische Regierung und ein grosser ideologischer Verlust für die Europäische Union. Die EU machte daraus nie ein Geheimnis.

Der Preis hierfür ist hoch. Die Rechnung geht nur kurzfristig auf. Für beide Seiten. Auf lange Sicht wird die Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU wieder enger werden müssen. Zu gross sind die gemeinsamen Interessen.

Schöne Bescherung, dieser Brexit.

Charles Liebherr

Charles Liebherr

EU-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Charles Liebherr ist EU-Korrespondent von Radio SRF. Liebherr studierte in Basel und Lausanne Geschichte, Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Politologie. Davor war er beim Schweizer Radio unter anderem als Wirtschaftsredaktor tätig, später als Frankreich-Korrespondent.

Tagesschau, 24.12.2020, 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

61 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von mario hellberg  (fusci)
    Ja wenn die EU ihre Klauen einmal ins Fleisch eines Landes gekrallt hat lässt sie ihre gierige Beute so schnell nicht wieder los. Ich war mal für ein geeintes Europa, aber was die EU Länder für ein Machtmonster geschaffen haben ist unheimlich... das kommt nun beim Brexit erst so richtig ans Tageslicht! Eklig!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Robert Altwegg  (trebor)
      Herr Hellberg: Machtmonster gibt es auf anderen Kontinenten, aber sicher nicht in Europa. Es ist jedem europäischen, demokratischen Staat freigestellt, ob man freiwillig in der EU mitmachen will. Und die verbliebenen 27 Länder zeigen keinerlei Anzeichen, es Johnson und Grossbritannien gleich zu tun. Es ist sehr wichtig für den Kontinent Europa, dass es die EU gibt. Frieden und Freiheit sind ein kostbares Gut. Darüber nachzudenken lohnt sich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Raphael Steiger  (Trollstunga)
      Herr Altwegg: Wieviele der "andern Länder" sind lediglich Profituere und scheren sich um die Einheitsideologie (H, PL)? Wieviele können gar keine anderen Optionen wählen und verkommen zu EU Ghettos (RO, BU)? - Um das mächtige Deutschland zu bremsen, hätte ein starker Kern von etwa 10 Staaten gereicht. Aber da will jemand Macht, Grösse, Vereinnahmung. Entgegen allem begründeten Widerstand. Nun schert eines dieser wichtigen Kernländer aus. Weniger wäre mehr gewesen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Robert Altwegg  (trebor)
    Boris Johnson tut so, als wäre der Deal ein grosser Erfolg für Grossbritannien. Er musste aber von seiner „Alles oder Nichts“-Strategie abweichen und gegenüber der Europäischen Union substanzielle Zugeständnisse machen. Es wird in Zukunft sehr aufschlussreich sein, zu sehen, welche negativen Folgen der Brexit, vor allem für die Briten haben wird. Es bleibt die Hoffnung, dass am Schluss nicht der kleine britische Bürger, die Rechnung des Populisten Johnson bezahlen muss.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Eines ist sicher, die reichen Säcke tuns nicht (die haben ihre Investmentfonds bereits jetzt schon in die EU transferiert, oder irgendwie die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes erreicht)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tom Maier  (MaTo)
    die EU kann einseitig Strafzölle verhängen wenn GB Dumping betreibt oder sich nicht an die Regeln des EU-Marktes hält - und dies ohne Gericht oder Streitschlichtungsverfahren, .. einfach so. Ich denke wir sollten den Brexit nicht als Vorbild für unsere Verhandlungen nehmen sondern als abschreckendes Beispiel wie man sich verzockt wenn man auf Macho macht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Die Schweiz ist übrigens auch nicht Teil der EU-Zollunion, dazu gibt es einen interessanten Beitrag in der Handelszeitung.ch: "Zollunion: Ein EU-Beitritt wäre letztlich viel ehrlicher» Wie man liest, ist ein Beitritt zur Zollunion politisch nicht gewünscht und machbar.
      2018 waren die Einnahmen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) CHF 22,9 Milliarden. Den grössten Teil davon macht mit 10,9 Milliarden die Einfuhr-MwSt. aus. Die Einnahmen der EZV sind rund 1/3 der gesamten Bundeseinnahmen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @Margot Helmers: Dafür fällt die Mehrwertsteuer für Exporte an (es sei denn der Empfänger hat eine USt-ID und rechnet selbst ab, wie es jetzt auch schon der Fall ist).

      Also weniger MWST im Import, dafür mehr im Export. …könnte sich im Fall Schweiz die Waage halten…
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Herr Wyss, so einfach ist das nicht. Lesen Sie den genannten Artikel in der Handelszeitung. Die Freihandelsabkommen wären auch beroffen und die Schweiz hat neben der EU 31 Verträge.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen