«Brexit»-Verfechter: EU tritt in Hitlers Fussstapfen

Mit harten Bandagen streitet Londons Ex-Bürgermeister für einen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union. Boris Johnson vergleicht die Einflussnahme der EU mit Hitlers kontinentalen Machtansprüchen. Brüssel wolle einen Superstaat schaffen.

Johnson bei einer Rede Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Als Gallionsfigur der «Vote Leave»-Bewegung kämpft Johnson für den «Brexit». Keystone

Londons Ex-Bürgermeister gilt als glühender Verfechter eines Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union. In einem Interview mit dem «Sunday Telegraph» wendet er sich auch vehement gegen Machtansprüche Brüssels.

«  Napoleon und Hitler haben das versucht, und es hat tragisch geendet »

Boris Johnson
Ex-Bürgermeister Londons und Brexit-Befürworter

Die vergangenen zwei Jahrtausende europäischer Geschichte, so sagt er, seien von wiederholten Versuchen gekennzeichnet gewesen, den Kontinent nach dem Vorbild des Römischen Reichs unter einer einzigen Regierung zu einen: «Napoleon, Hitler, verschiedene Leute haben das versucht, und es hat tragisch geendet.»

Johnson ist der Wortführer der Brexit-Befürworter. Er unterstützt die Kampagne «Vote Leave» (Wählt Ausstieg) und ist einer der prominentesten Gegenspieler von Premierminister David Cameron in der Debatte um den EU-Austritt auf der Insel.

«Projekt des europäischen Liberalismus»

Cameron wirbt für einen Verbleib in der EU. Er argumentiert, die EU-Mitgliedschaft verschaffe Grossbritannien mehr Sicherheit, Einfluss und Wohlstand. Anderthalb Monate vor dem britischen Referendum über den Brexit am 23. Juni sehen Umfragen beide Lager Kopf an Kopf.

Erst vor wenigen Tagen hatte Johnson einen Brexit als das «grossartige Projekt des europäischen Liberalismus» bezeichnet, während die EU zu einem «obskurantistischen 50er-Jahre-Projekt» verkommen sei, das sein Haltbarkeitsdatum längst überschritten habe.

Berlin hat Griechenland «zerstört»

Im Interview mit dem Londoner Blatt stellte Johnson jetzt erneut die europäische Idee in Frage. Es gebe keine «grundlegende Loyalität mit der Idee Europas», dies sei das «ewige Problem» der Europäischen Union. «Es gibt nicht die eine Autorität, die jeder achtet oder versteht. Das ist der Grund für diese massive demokratische Leerstelle», erläutert Johnson.

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Millionen Jobs gefährdet

Der britische Gewerkschaftsbund TUC (Trades Union Congress) hat für den «Brexit»-Fall vor massiven Jobverlusten gewarnt. «Vier Millionen Jobs sind in Gefahr», sagte Owen Tudor von der Abteilung für europäische Angelegenheiten. Gefährdet seien insbesondere Stellen in der Exportwirtschaft, zum Beispiel in der Auto- und Chemiebranche.

Die EU habe zudem katastrophale Fehler begangen. Das habe Spannungen zwischen den Mitgliedsstaaten verstärkt. Deutschland sei dadurch mächtiger geworden, habe die italienische Wirtschaft «übernommen» und Griechenland «zerstört».

Johnson sagte, er wolle, dass die Briten wieder die «Helden Europas» seien. Er lehnte sich damit an die Rhetorik des Premierministers Winston Churchill während des Zweiten Weltkrieges an.

Der britische Premier Cameron warnte unterdessen erneut mit Nachdruck vor den wirtschaftlichen Folgen eines Austritts aus der EU gewarnt. Grossbritannien würde einen «unmittelbaren und nachhaltigen Rückschlag» erleiden, sagte Cameron bei einer Wahlkampfveranstaltung in seinem Heimatwahlkreis in Whitney nahe Oxford.

«Wenn wir am 23. Juni für den ‹Brexit› stimmen, stimmen wir für eine mögliche Rezession, und das ist, was unsere Wirtschaft am wenigsten brauchen kann», betonte er mit Blick auf das anstehende Referendum.

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