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Bruch mit der Vergangenheit Front National soll neu Rassemblement National heissen

Legende: Video Front National erfindet sich neu abspielen. Laufzeit 1:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.03.2018.
  • Der Front National (FN) bricht endgültig mit ihrem umstrittenen Gründer Jean-Marie Le Pen.
  • Am Parteitag in Lille stimmen die Mitglieder einer Änderung der Parteistatuten zu. Damit wird der Posten Jean-Marie Le Pens als Ehrenvorsitzender abgeschafft.
  • Zudem schlug Marine Le Pen vor, die Partei neu Rassemblement National zu nennen.
  • Zuvor warb Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, für eine weltweite rechte Bewegung.

Die Partei von Marine Le Pen soll neu Rassemblement National (Nationaler Zusammenschluss oder Nationale Sammlung) heissen. Das gab Le Pen unter dem Beifall Hunderter Parteimitglieder bekannt.

«Wir erleben einen historischen Moment», sagte sie. Der neue Name solle ein «Aufruf sein, sich uns anzuschliessen». Die FN-Mitglieder sollen in den nächsten Wochen per Briefwahl darüber abstimmen, ob die Partei tatsächlich Rassemblement National heissen soll.

Bereits gebilligt haben die FN-Mitglieder nach Angaben der Parteispitze die neuen Statuten. Darin kommt das Amt des Ehrenvorsitzenden nicht mehr vor. Damit zieht der Front National einen Schlussstrich im jahrelangen Streit um den Kurs der Partei.

Le Pen und sein Gaskammer-Zitat

Le Pens Tochter, die Parteivorsitzende Marine Le Pen, hatte ihren Vater bereits 2015 aus dem Front National ausschliessen lassen. Grund war mitunter seine Äusserung, die Gaskammern der Nazis seien ein «Detail» der Geschichte. Dafür wurde Jean-Marie Le Pen mehrfach verurteilt. Seitdem hatte er aber noch den Ehrenvorsitz inne.

Um den Ausschluss und den Ehrenvorsitz lieferten sich der heute 89-jährige Jean-Marie Le Pen und seine Tochter danach einen jahrelangen Streit vor Gericht. Marine Le Pen hatte den Parteivorsitz 2011 von ihrem Vater übernommen. Ihr Vater stand der Partei fast 40 Jahre lang vor.

Zuwanderung drastisch reduzieren

Seitdem fährt sie einen Kurs der «Entteufelung», um die Partei für breitere Wählerschichten zu öffnen. Dazu gehört auch der Plan, die Partei umzubenennen. Die Neuausrichtung ist Gegenstand des Parteitags im nordfranzösischen Lille, der am Sonntag zu Ende geht.

Vor dem Treffen in Lille hatten nach Parteiangaben rund 30'000 Anhänger einen Fragebogen ausgefüllt, um sich zum künftigen Kurs der Front National zu äussern. Die Ergebnisse wurden am Samstag vorgestellt: 98 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, die Zuwanderung nach Frankreich drastisch zu reduzieren. Rund 90 Prozent wollen – wie Le Pen – ein Referendum über einen möglichen Austritt Frankreichs aus der EU abhalten.

Le Pen als Chefin bestätigt

Die Vorsitzende Marine Le Pen ist in ihrem Amt bestätigt worden. Hundert Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen der wahlberechtigten Parteimitglieder entfielen auf sie. Für die 49-Jährige wird es ihre dritte Amtszeit. Le Pen war die einzige Kandidatin für den Posten.

Bannon sagt Wahlsiege des Front National voraus

Zuvor stattete Steve Bannon dem Front National am Parteitag einen Besuch ab. «Die Geschichte ist auf unserer Seite», rief Bannon dabei während seiner Rede in die Menge. Die Wahlerfolge von Rechtspopulisten in Italien, Polen und Ungarn würden dies beweisen, betonte Trumps früherer Chefstratege.

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155 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Namensänderung - alter Wein in neuen Schläuchen. Das ist ein Beweis mehr dafür, dass heute das Marketing entscheidend ist und nicht der Inhalt. Grosse, bunte Mogelpackungen mit gesüsstem Inhalt lassen sich besser verkaufen als kleine Packungen mit naturbelassenen Produkten, beschriftet mit fahleren Naturfarben. - Dieses Muster findet sich in jedem Abstimmungskampf in der CH und jedem Wahlkampf weltweit wieder. Es ist höchste Zeit, dies zu erkennen.
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    1. Antwort von B. Lobermann (Weihnachtsfreude)
      "Namensänderung - alter Wein in neuen Schläuchen." Bevor sich die Partei überhaupt beweisen konnte ob und wenn ja wie es sich anders entwickelt schon ein Urteil fällen? Aber dann gleichzeitig gegen Vorurteile und Vorverurteilungen sein nicht wahr. Die Partei hat sich bereits in der EU-Politik geändert. Und ja gewisse "alte" Schläuche muss die Partei auch nicht ändern. Es ist nicht die Pflicht jeder Partei Linke Politik zu betreiben.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Wieviel hat sich mit der Namensänderung von "Raider" zu "Twix" am Produkt geändert? Und was habe ich von linker oder rechter Politik bzw. Verpflichtung zu linker Politik geschrieben? - Der Mechanismus bleibt allseits derselbe - auch der, Aussagen so zu lesen und zu interpretieren, wie es einem so gerade passt. - Mir scheint, Sie wollen nicht akzeptieren, dass ich nicht die Themen negiere, sondern mich gegen die Art der Kommunikation und den Verkauf der Scheinlösungen stemme.
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    3. Antwort von B. Lobermann (Weihnachtsfreude)
      Es tut mir leid @Dudle. Ich kann Ihre Kritik an den Linken Parteien nicht teilen. Klar sind da im Parteiprogramm "alte Schläuche" ein Programm von früher. Doch soziale Gerechtigcheit, EU-Beitritt, mehr Steuern sind gute Punkte dieser Parteien. Aber Ja alle Parteien haben auch alte Schläuche im Pogramm. Was aber vollkommen legitim ist.
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  • Kommentar von Erich Nussbaum (Erich Nussbaum)
    Frankreich hat genug von der Ausbeutung? Ich dachte schon, die kriegen den Hals niemals voll!
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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Ich denke die Medien sollten auch prüfen, ob "rechtsextrem" in Zukunft noch angebracht ist?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Warum? Weder am Personal noch an den zentralen Inhalten hat doch etwas geändert? Lediglich der Name hat gewechselt.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Sie gehen also schon den Schritt weiter und bezeichnen dies als "normal"? ist diese Einstellung schon so weit in die Mitte gerückt? jetzt wird's wirklich gefährlich!
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    3. Antwort von B. Lobermann (Weihnachtsfreude)
      " Weder am Personal noch an den zentralen Inhalten hat doch etwas geändert?" Natürlich hat sich einiges geändert. Ich empfehle den Bericht nochmal zu sehen. Zb. die EU-Politik. Klar bleibt es aber bei den Kernthemen. Aber das ist auch legitim. Es müssen ja nicht alle Parteien zu Linken Parteien werden. Wie sich die Partei in der Folge gibt muss man abwarten. Kann man doch nicht jetzt schon abschliessend beurteilen.
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