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Legende: Audio Wer ist Pete Buttigieg? abspielen. Laufzeit 07:45 Minuten.
07:45 min, aus Echo der Zeit vom 15.04.2019.
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Buttigieg will ins Weisse Haus Der schwule Christ, der in Afghanistan diente

Der Bürgermeister von South Bend will Präsident werden. Das Städtchen im Rostgürtel der USA ist im Buttigieg-Fieber.

Auf einer künstlichen Rasenfläche im Stadtzentrum machen sich Kinder zum Sackhüpfen bereit. «Egghunt» nennt sich der traditionelle Osterspass. Matt ist mit Frau und Kindern aus der ländlichen Umgebung angereist. Doch er weiss genau, wer der Bürgermeister ist: «Pete macht einen wunderbaren Job. Er hört auf die Leute. Das ist selten für Politiker.»

Egghung in Southbend
Legende: Daumen hoch für Pete: Die traditionelle Eierjagd steht dieses Jahr ganz im Zeichen der Präsidentschaftskandidatur des Bürgermeister von South Bend. Isabelle Jacobi/SRF

Matt nennt ein Beispiel: «Schlaglöcher sind hier verbreitet. Aber Pete weiss, wie wichtig gute Strassen sind und so stellt er sicher, dass die Schlaglöcher nach dem Winter geflickt werden.» Das Lob erstaunt, denn Matt ist Republikaner und hat Donald Trump gewählt. Wem er in einem Jahr die Stimme geben wird, weiss er noch nicht.

Strassenzug in South Bend
Legende: South Bend ist eine typische Stadt im Rostgürtel der USA. Bis in die späten sechziger Jahre brachte der Studebaker-Konzern der Stadt Reichtum, doch als das Industrie-Unternehmen unterging, begann die Armut und der Verfall. Isabelle Jacobi/SRF

Heute geht es der Kleinstadt besser, neue Unternehmen haben sich angesiedelt, die Bevölkerung wächst wieder, auch dank bekannten Universitäten. Für Sherry, Geschäftsführerin der lokalen Gastro-Kette Chocolate Café, ist klar: Das ist das Buttigiegs Verdienst: «Ich bin hier aufgewachsen und sah die Stadt, als sie noch etwas war. Jetzt gibt es wieder Wachstum», sagt sie und wackelt mit den Osterhasen-Ohren, die sie auf dem Kopf trägt.

Natürlich ist das Präsidentenamt einzigartig, aber Bürgermeister zu sein ist eine gute Vorbereitung.
Autor: Pete ButtigiegDemokratischer Präsidentschaftskandidat

In South Bend ist das Buttigieg-Fieber ausgebrochen. «Hier isst der Bürgermeister», steht im Fenster einer Sandwich-Bar. Im Restaurant Peggs serviert das ganze Team in Buttigieg-T-Shirts. Der Bürgermeister himself ist zu Gast. Warum glaubt er, dass er fürs Präsidentenamt qualifiziert ist?

Der Präsidentschaftskandidat im Restaurant
Legende: Bürgermeister Buttigieg steht Red und Antwort: Bald muss er sich in weniger vertrautem Ambiente den Fragen seiner potenziellen Wählerschaft stellen – und denen der Journalisten und Konkurrenten. SRF/Isabelle Jacobi

«Natürlich ist das Präsidentenamt einzigartig, aber Bürgermeister zu sein ist eine gute Vorbereitung. Es ist ein Regierungsamt, man ist für alles verantwortlich, von der öffentlichen Sicherheit über Infrastruktur bis zur Moral der Gemeinschaft.» Man müsse gute Programme anbieten, eine Verwaltung kompetent leiten und Werte stiften.

Sieht er South Bend als Sinnbild für die USA? «Ja, wir haben Rückschläge erlebt und einen Aufstieg, der ganz anders ist, als was der gegenwärtige Präsident im Sinn hat: Die Zeit anzuhalten und zu einer Vergangenheit zurückzukehren.» Er hoffe, die Leute könnten von South Bend lernen, sagt der 37-jährige.

Pete Buttigieg
Legende: Interessante Mischung: Buttigieg ist homosexuell, Afghanistanveteran, Intellektueller, spricht sieben Sprachen, unter anderem Norwegisch, ist gläubiger Christ und kommt aus dem Mittleren Westen, der zur Kampfzone in den Präsidentschaftswahlen werden wird. Reuters/Archiv

Die Politikwissenschaftlerin Elizabeth Bennion unterrichtet an der Indiana Universität in South Bend. Sie meint, Buttigieg habe das Potential, zum Kandidaten des Wandels werden. Denn viele Wähler seien dem Establishment gegenüber nach wie vor kritisch eingestellt.

Legende: Video Pete Buttigieg will ins Weisse Haus (unkomm.) abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 15.04.2019.

Die Tatsache, dass sie von Buttigieg noch nie gehört haben, könnte zu seinem Vorteil werden, sagt Bennion. Die Schwierigkeit werde sein, dass Buttigieg es durch die Vorwahlen der Demokraten schaffe – doch da könnte ihm gerade seine Homosexualität nützen.

Transgender-Frau im Vicky's in South Bend
Legende: Die Identitätspolitik ist prägnant in der demokratischen Partei. Buttigieg sei zwar weiss, aber er würde auch eine Minderheit vertreten, sagt Politwissenschaftlerin Bennion. Im Bild: Transgender-Frau Jennifer, die im Vicky's arbeitet. Isabelle Jacobi/SRF

In South Bend gibt es einen LBGT-Club, Vickie's heisst die Karaoke-Bar. Jennifer ist eine Transgender-Frau, sie arbeitet seit sechzehn Jahren im Club: Es sei nicht schwierig, in South Bend schwul oder Transgender zu sein. Die Leute seien gelassen und nett, sie habe nie Probleme gehabt.

Viele Besucher wollen sich aber nicht öffentlich äussern. Einer sagt, er fürchte sich wegen seiner Arbeitsstelle. Matt aber stellt sich hin: «Es ist schön, dass ein Schwuler kandidiert, aber noch schöner ist, dass er nicht über seine Homosexualität definiert wird.» Man spreche über sein Kommunikationstalent ,seine Führungsqualitäten, über South Bend, und wie er den USA helfen könne.

Schild an Sandwichbar: Buttigieg isst hier
Legende: In seiner Heimatstadt ist der Hype um Buttigieg gross, andernorts ist er unbekannt: Er muss nun eine Kampagne in Dutzenden von Staaten gleichzeitig aufbauen. Der Weg von South Bend bis ins Weisse Haus ist weit. Isabelle Jacobi

Am Sonntag erklärte Buttigieg offiziell seine Präsdientschaftskandidatur – vor tausenden Fans. Wie weit ihn die Begeisterung im Wahlkampf tragen wird, wird man sehen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Baenzi)
    Er hat keine Chance weil es in den USA zum Glück immer noch sehr viele bekennende Christliche Wähler gibt und DT viel Erfolgreiches erreicht hat.
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  • Kommentar von Hans Klein (HansKlein)
    Ein schwuler Christ? Waren nicht "Männer, die bei Männern liegen", dem HERRN "ein Gräuel" und sollten zu Tode gesteinigt werden? Als Atheist ist mir das jedoch herzlich egal. Nicht egal ist mir dagegen, dass jemand, dem kein Afghane je etwas angetan hat oder antun wollte, in ein so fernes Land wie Afghanistan geht um dort zu töten oder getötet zu werden. Beides lässt m.E. nicht auf einen gesunden Menschenverstand schliessen. Amtstauglich? Und WEM bzw. wessen Interessen "diente" der Mann dort?
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  • Kommentar von Beni Berner (Beni)
    langsam aber sicher geht mir die schlagwortgeile berichterstattung von srf auf den geist. alle reden von den taten und dem profil von buttigieg. nur srf muss schon wieder als headline "der schwule . . . " auffahren. bald mutiert die redaktion von billig zu primitiv. übrigens, auch mit meinem jahresbeitrag :-(
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