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Quad-Länder bieten Chinas Machthabern die Stirn
Aus Rendez-vous vom 12.10.2020.
abspielen. Laufzeit 04:08 Minuten.
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Chinesisches Vormachtsstreben Japan, Indien, Australien, USA: Anti-China-Koalition wird stärker

Chinas aggressive Vormachtsziele bremsen: Die «Quad»-Gruppe aus Japan, Indien, Australien und den USA spricht Klartext.

Lange Zeit wurde Chinas Aufstieg in der Region rund um den Pazifischen und den Indischen Ozean gelassen verfolgt. China erschien als wohlwollende Macht. Es trat diplomatisch zurückhaltend auf. Doch das änderte sich mit der Machtübernahme von Xi Jinping. Seither wird Pekings Machtstreben als aggressiv wahrgenommen.

Es brauchte Zeit, bis sich Gegenkräfte regten. Eine solche Kraft ist der «Quadrilateral Dialogue» (Quad), ein informeller Schulterschluss, bestehend aus den demokratischen Ländern Japan, Australien, Indien und den USA. Bisher war es ein reiner Papiertiger.

Das ändert sich nun: Nach einem ersten Treffen auf Aussenministerebene voriges Jahr in New York, fand soeben in Tokio ein zweites statt, und zwar physisch – trotz Corona. Für Indiens Aussenminister Subrahmanyam Jaishankar unterstreicht das die Bedeutung, die man Quad auf einmal beimisst.

«Quad»-Treffen der Aussenminister in Tokio am 6. Oktober 2020: Subrahmanyam Jaishankar (Indien),  Toshimitsu Motegi (Japan), Marise Payne (Australien) und US-Staatssekretär Mike Pompeo.
Legende: «Quad»-Treffen der Aussenminister in Tokio am 6. Oktober 2020: Subrahmanyam Jaishankar (Indien), Toshimitsu Motegi (Japan), Marise Payne (Australien) und US-Staatssekretär Mike Pompeo. Keystone/Archiv

Indien, Australien und Japan äussern sich zwar öffentlich nur verhalten über die Ziele von Quad. Man wolle in einer Weltgegend leben, wo das Recht regiere und nicht die reine Macht, sagt die australische Aussenministerin Marise Payne.

Wir glauben an eine Region, die nicht von reiner Macht regiert wird und wo Streitigkeiten mit internationalem Recht gelöst werden .
Autor: Marise PayneAussenministerin, Australien

Klar ist damit, gegen wen sich Quad richtet: Gegen China, das etwa im südchinesischen Meer oder im Fall Taiwan Völkerrecht missachtet und das gegenüber seinen Nachbarstaaten immer forscher auftritt.

Eine Ostasien-Nato?

US-Aussenminister Mike Pompeo sagte auf dem Quad-Treffen unverblümt, es sei wichtiger als je zuvor, dass die vier Quad-Länder den Machthabern in China die Stirn böten.

Eine Zusammenarbeit ist wichtiger denn je, um unsere Völker und Partner gegen China vor Ausbeutung, Korruption und Zwang zu schützen.
Autor: Mike PompeoUS-Staatssekretär

Malamar-Manöver geplant

Von einer Ostasien-Nato ist Quad meilenweit entfernt. Es wird wohl auch nie eine werden. Doch der Schulterschluss wird enger: Informell hat man bereits in militärischen Manövern zusammengearbeitet. Formell dürfte das Ende Jahr nun in den indischen Malamar-Manövern passieren.

Der frühere US-General und spätere Sicherheitsberater im Weissen Haus, Herbert Raymond McMaster, spricht von viel Schwung. Quad werde von einer Idee zu einer konkreten Form der Zusammenarbeit.

Indien selbstbewusster

Besonders für Indien ist die Kooperation ein grosser Schritt. Es hat sich bisher konsequent als allianzfrei positioniert. Doch seit man in Delhi China zunehmend als bedrohlichen Rivalen sieht, komme man davon ab, sagt Südasienexperte Rahul Roy-Chaudhury vom Londoner Strategieinstitut IISS. Indien beteilige sich nun selbstbewusster daran, für regionale Stabilität zu sorgen.

Eingeladen zur Quad-Gruppe sind auch weitere Staaten. Doch viele zögern, sich zu engagieren. Zu stark ist ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von China, zu gross die Angst, sich zu exponieren.

Heikles Unterfangen gegen mächtiges China

Ein Stück weit gilt das selbst für Australien, Japan und Indien, für die Peking als Partner ebenfalls unverzichtbar ist. Auf eine Machtprobe mit China könne es auch Indien nicht ankommen lassen, sagt daher Rahul Roy-Chaudhury: «China ist wirtschaftlich und militärisch stärker – und verfügt schlicht über viel, viel mehr Mittel als Indien.»

China ist wirtschaftlich und militärisch stärker – und verfügt schlicht über sehr viel mehr Mittel als Indien.
Autor: Rahul Roy-ChaudhuryStrategieinstitut IISS, London, Südasienexperte

Deshalb dürfte die Quad-Gruppe Chinas Aufstieg zur dominierenden Macht in Asien und zur weltweiten Supermacht nicht stoppen, sondern lediglich etwas bremsen. Und sie dürfte der Führung in Peking vor Augen führen, dass es einen Preis hat – nämlich mehr Widerstand, wenn China seine Vormachtziele rücksichtslos verfolgt.

Rendez-vous, 12.10.2020, 12:30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrich Schlegel  (genau)
    Eine feine "Friedenskoalition" hat sich da zusammengefunden. Die USA, die hunderte von Militärbasen in der ganzen Welt besitzen (wozu?) und in der Region Atombomben abwarfen (Japan) und chemische Waffen einsetzten (Vietnam) und immer noch der grösste Rüstungsproduzent sind, Australien mit seiner Kohle und den Konzentrationslagern für Flüchtlinge auf den Inseln, Indien mit seinem rassistischen Präsidenten, der gerne Kriege anzettelt, Japan, das seine Armee nun wieder im Ausland einsetzen will.
    1. Antwort von Julian Bär  (baj)
      Da haben Sie wohl recht. Aber, die sind mir alle zusammen immer noch lieber als die Chinesen.
  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Eine gute und nötige Entwicklung. Wenn aber Joe Biden neuer US Präsident werden sollte, ist all die Arbeit vergebens. Die Biden Familie ist wirtschaftlich eng mit China verbunden und wird dem Regime in Peking nichts entgegen halten.
  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    China und Tuerkei sind mE im Moment die groessten Gegner fuer den Weltfrieden... stehen aber nicht allein da.. sind wie gesagt im Moment die Groessten...und Gefaehrlichsten