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Südafrika verschiebt Impfstart mit Astra-Zeneca-Präparat
Aus SRF 4 News aktuell vom 08.02.2021.
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Corona-Impfstoffe Problem mit Astra-Zeneca verhindert Impfstart in Südafrika

Südafrika muss weiter auf erste Impfungen warten: Das bestellte Astra-Zeneca-Vakzin zeigte in einer Studie Schwächen.

  • Die Covid-Impfung von Astra-Zeneca bietet vor der südafrikanischen Virus-Variante nur begrenzten Schutz im Fall milder und mittelschwerer Verläufe.
  • Das zeigen vorläufige Ergebnisse einer Studie der Universitäten von Witwatersrand in Südafrika und Oxford.
  • Ob die Impfung gegen schwere Verläufe schützt, wurde noch nicht überprüft. Trotzdem setzt die südafrikanische Regierung den für Mitte Februar geplanten Impfstart mit dem Astra-Zeneca-Vakzin aus.

Die Studie umfasste allerdings nur 2000 primär junge Probanden und keine Risikogruppen. Es müsse deshalb noch mehr getan werden, um das Problem mit Astra-Zeneca zu verstehen, erklärte Gesundheitsminister Zweli Mkhize.

Gesundheitspersonal muss weiter warten

Die Verzögerung habe Enttäuschung, Überraschung und Beunruhigung ausgelöst, berichtet die in Südafrika tätige Journalistin Leonie March. Denn die Regierung habe vor allem auf Astra-Zeneca gesetzt. Eine Million Dosen seien vor einer Woche eingetroffen, um vorab das Gesundheitspersonal zu impfen. Weitere 500'000 Dosen würden noch im Februar erwartet.

Noch sei in Südafrika also niemand geimpft worden, sagt March. Die Regierung setze nun auf das Produkt von Johnson&Johnson, das schneller als erwartet – bereits in einer Woche – geliefert werden soll. «Ich rechne aber eher damit, dass sich der für Mitte Monat geplante Impfstart verzögern könnte», so die Journalistin.

«Ein echter Rückschlag»

Die Verzögerung bedeutet, dass sich Südafrikas Bevölkerung weiterhin nicht schützen kann. Die Südafrika-Variante macht inzwischen 90 Prozent aller Fälle aus und hat die ursprüngliche Variante verdrängt. Entsprechend wichtig ist es, dass die Impfstoffe gegen diese Variante wirken.

Laut March wurden zudem bereits Re-Infektionen festgestellt. Leute, die in der ersten Welle Covid hatten, können es also erneut bekommen. Je länger sich das Virus weiterverbreitet, desto mehr kann es auch mutieren, was wiederum Auswirkungen auf die Impfung hat: «Insofern ist das hier ein echter Rückschlag.»

Angst vor dritter Welle

Die Suche nach Alternativen ist im Gang. Neben Johnson&Johnson geht es auch um Impfdosen von Moderna, die am Anfang gar nicht an Lieferungen für afrikanische Länder interesssiert war. «Aber auch Astra-Zeneca ist noch nicht ganz aus dem Rennen», so March.

Die Entlastung des Gesundheitssystems und die Verhinderung von weiteren Wellen stehen an erster Stelle. «Der Höhepunkt der zweiten Welle ist gerade erst vorbei, und schon erwarten gewissen Wissenschaftler die nächste Welle in drei bis vier Wochen», erklärt March.

Kritik an der Impfstrategie

Der Regierung wird seit längerem vorgeworfen, sie habe sich zu spät um Impfstoffe bemüht, schlecht verhandelt und müsse sehr viel dafür bezahlen. So zahlt Südafrika mehr als etwa die Europäische Union. Kritik gibt es in Südafrika aber auch am Impf-Nationalismus in wohlhabenderen Ländern, die sich Impfstoffe auf Kosten ärmerer Länder gesichert hätten. Da Südafrika zudem nicht als ärmeres Land gilt, profitiert es nicht vom der WHO-Covax-Programm, sondern muss zahlen.

SRF 4 News, 08.02.2021, 10:45 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
    DIe Verhandlungen der einzelnen Staaten mit den Herstellern werfen viele Fragezeichen auf.
    Nicht nur die unterschiedlichen Preise, die sich zum Teil noch mit Mengenrabatt oder auch Mitfinanzierung an der Forschung, rechtfertigen lassen.
    Viel fraglicher ist die Anzahl Dosen und der Zeitraum versprochener Lieferungen. Es sieht so aus, dass hier jeder Hersteller wissentlich allen mehr Dosen versprach, als er in der Lage ist in dieser kurzen Zeit herzustellen, bloss um den Vertrag zu erhalten.
  • Kommentar von Martin H. Meier  (Mahame)
    Wenn ein Land zuviel bezahlt, dann sollten die Alarmglocken läuten. Bezahlter Preis pro Dosis: U$ 5.25. Corona geht vorbei, die Korruption bleibt.
  • Kommentar von Julian Meier  (JulMe)
    Warum wird nur AstraZeneca ins Visier genommen? Hatten nicht alle Impfstoffhersteller mit der anfänglichen Produktion Schwierigkeiten? Oder liegt es vielleicht daran, dass AstraZeneca der einzige Hersteller ist, welcher das Vakzin zum Selbstkostenpreis anbietet und das die anderen Hersteller in ein schlechtes Licht rücken würde?
    Nur weil Biontech/Pfizer seine Produktionsprobleme als Lieferschwierigkeiten vermarktet heisst nicht, dass es auch solche sind.
    1. Antwort von Alexander Markert  (garantiert-trollfrei)
      Vor allen Dingen, weil bei allen Covid Vakzinen die gleiche genetische Information verwendet wurde, nämlich jede des Andockeiweisses. Deshalb scheint es unwahrscheinlich, dass der Biontech/Pfizer auch bei der Z.A. Variante 95% effizient sein soll.
    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Hier geht es nicht um Produktionsverzögerungen, sondern um die auch vom Hersteller anerkannte Tatsache, dass das Vakzin von AstraZeneca nur zu 10%! vor leichter und mittelschwerer Erkrankung durch die südafrikanische Mutante schützt. Über den Schutz vor schwerer Erkrankung gibt es noch keine Daten, er dürfte aber kaum besser sein. Das ist ein bedeutender Rückschlag, nicht nur für Südafrika, welches dieses Vakzin nun natürlich nicht gebrauchen kann.
    3. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Das ist die Frage, Herr Markert. Moderna und Pfizer behaupten allerdings, dass sie die Impfung sehr schnell anpassen können. Das dürfte der Vorteil einer mRNA-Impfung sein, die den Körper befähigt, das Eiweiss selber herzustellen. Aber die südafrikanische Infrastruktur ist für solche Impfstoffe denkbar schlecht geeignet. Wieso Südafrika mehr für Impfungen bezahlen muss als die EU, ist auch völlig unverständlich!
    4. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      @JulMe
      AstraZeneca wird hier nicht ins Visier genommen.
      Warum AstraZeneca in Südafrika eine besondere Rolle spielt, steht im Text: "Denn die Regierung habe vor allem auf Astra-Zeneca gesetzt."

      Deswegen wurden die Studien betreffend der Mutation auch mit diesem Impfstoff durchgeführt.