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Kampf dem Virus im Gazastreifen: Wer ist zuständig?
Aus SRF 4 News aktuell vom 25.03.2020.
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Corona in Gaza 60 Beatmungsgeräte für 2 Millionen

Im Gaza-Streifen leben zwei Millionen Menschen auf engstem Raum. Nun wurden die ersten zwei Coronafälle bestätigt.

Walid Mahmoud atmet hörbar durch: «Wir haben hier im Gaza-Streifen genau 60 Beatmungsgeräte. Für zwei Millionen Menschen! Das ist ein Alptraum…» Die beiden ersten in Gaza bestätigten Corona-Fälle haben sich zwar gemäss der israelischen Zeitung «Haaretz» in Pakistan angesteckt und sind in Quarantäne, seitdem sie in den Gaza-Streifen zurückgekehrt sind.

Eine Person im Schutzanzug versprüht Desinfektionsmittel in einer Strasse.
Legende: Im Gazastreifen bemüht man sich um eine Desinfektion der Umgebung, damit sich das Coronavirus nicht ausbreiten kann. Keystone / Archiv

Aber die Angst ist gross, dass sie auf dem Weg in den Streifen jemanden angesteckt haben. «Wir haben Angst, dass wir die Kontrolle verlieren», zitiert «Haaretz» einen Einwohner des Streifens.

Israelische Blockade

«Wir wissen momentan nicht, was für uns schlimmer ist: Der Stress, den die Angst vor dem Corona-Virus auslöst, oder die israelische Blockade, welche verantwortlich ist dafür, dass es uns an medizinischem Gerät fehlt.» Walid Mahmoud ist ein Bürger-Journalist aus dem Süden des Streifens, aus Khan Younis. Das liegt gleich neben dem Grenzübergang zu Ägypten, al-Rafah, über den die beiden positiv getesteten Personen eingereist waren.

Die in Gaza herrschende islamistische Hamas hat angekündigt, die zwei modernsten Hotels des Streifens akquiriert zu haben, um sie in Quarantäne-Stationen umzuwandeln. Für den Fall einer Epidemie wollen die Behörden alle 700 im ganzen Streifen verfügbaren Hotelzimmer in Isolier-Stationen umwandeln.

Schon jetzt werden alle in den Gaza-Streifen zurückkehrenden Personen in Quarantäne versetzt. Das sind, Stand heute, rund 1400 Menschen, die in Spitälern, Hotels, oder auch Schulhäusern untergebracht sind. Aus Rafah, im Süden des Streifens, berichten Rückkehrer, sie seien in Bussen in eine Schule gebracht worden, in welcher sie nun zusammen mit anderen in einem Zimmer ausharren müssten. Sieben Personen pro Raum, so eine Rückkehrerin, und dies unter prekären hygienischen Bedingungen.

UNO warnt vor Kollaps

Der Gaza-Streifen steht auch ohne Corona vor dem Kollaps. Die UNO warnte bereits vor fünf Jahren, dass der Streifen ab diesem Jahr nicht mehr wirklich bewohnbar sein würde: 13 Jahre wirtschaftlicher Blockade und drei Kriege mit Israel haben den Landstrich verheert. Überbevölkert, zugemüllt, ohne genügend Trinkwasser oder Strom – von medizinischer Versorgung gar nicht zu reden.

Die 60 Beatmungsgeräte verteilen sich auf 70 Intensivstations-Betten. Das Koordinationsbüro der UNO für die besetzten palästinensischen Gebiete rechnet vor, dass in Gaza gerade mal 1000 Rachen-Abstriche und 500 Corona-Tests zur Verfügung stehen. Zudem fehlt es an Masken, Schutzkleidung oder auch Desinfektionsmittel für das medizinische Personal. Die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass das Gesundheitssystem im Gaza-Streifen einen Ausbruch des Virus’ nicht bewältigen könne, ist angesichts der überlasteten und unterversorgten Spitäler mehr als eine der üblichen Warnungen.

Hamas versucht zu übertünchen

Die Behörden und die von der islamistischen Hamas kontrollierten Sicherheitskräfte versuchen zwar den Anschein zu erwecken, die Situation unter Kontrolle zu haben. Doch jedem in Gaza ist klar, dass dies nicht der Fall ist.

Auch wenn grössere Zusammenkünfte inzwischen genauso verboten sind wie Hochzeiten, und sogar das Freitagsgebet bis auf Weiteres ausgesetzt wurde, ist die Angst gross: «Wir hören zwar permanent Botschaften, die uns beruhigen sollen. Aber wer weiss, was passiert, wenn sich die Krankheit wie eine Explosion ausbreitet? Wenn selbst die reichsten Länder der Welt das Virus nicht in den Griff bekommen, dann jagt uns das mehr als nur Angst ein.»

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Bereits vor einem Jahr kam es im Gazastreifen zu einer Eskalation
Aus Tagesschau vom 25.03.2019.
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SRF 4 News, 25.03.2020, 07:50 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 versetzt unsere Welt in einen Ausnahmezustand. Weltweit suchen Wissenschaftler nach den besonderen Eigenschaften des neuartigen Feindes. In Wuhan gibt es, wie in vielen anderen Orten Asiens, Wildtiermärkte, auf denen Tiere lebendig verkauft werden. Raubbau in der Natur und Tierquälerei. Durch den engen Kontakt können Viren von Tieren auf den Menschen überspringen. Hoffe sehr, dass im Gazastreifen Hilfe aus dem Ausland ankommt. Rettung vor dem vor dem Kollaps.
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    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Tönt vielleicht etwas gar einfach aber in den Ghaza Streifen kommt fast alles aus dem Ausland, aber aus dem Ghaza Streifen kommen fast nur Raketen.
      Med. schwierigere Fälle wurden bisher in Israel behandelt. Mir ist schleierhaft was die Verwaltung des Ghaza bisher zustandegebracht hat mit den abermilliarden int. Hilfsgelder.
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    2. Antwort von Edi Steinlin  (Chäsli)
      Nun Patrick Müller, solange die Hamas dort das Szepter führen wird sich nichts ändern. Man sollte die Gelder stoppenund Aufklärung betreiben.
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  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Jetzt würde sich gerade da anbieten, dass ein oder mehrere Kreuzfahrts-Schiffe umgerüstet würde und dort an der Küste vor Anker geht oder besser wenn's geht in einem Hafen gehen kann. Damit könnte man die Kapazitäten zumindest mal Infrastrukturell rasch hochfahren und auf einen hohen Stand bringen. Nur so eine Idee, die man eigentlich haben darf. Frägt sich nun nur, wer das, an geeigneter Stelle sich befindend, in Gang setzen könnte. Wäre doch was, oder...?
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Es ist überhaupt nicht zynisch gemeint und was da im Gazastreifen vor sich geht und eine Weltgemeinschaft, die da schön brav zuschaut und den Diener macht, ist kriminell. Dennoch kommt es auch hier soweit, dass da jemand, gerade, wenn er (sehr ) alt ist, soweit, dass er beatmet werden muss, ist die Prognose denkbar schlecht. Ob im Gazastreifen oder auch hier geht es darum, Alles Mögliche zu tun, dass es gar nicht erst soweit kommt.
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