Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Corona-Krise in Russland Moskau fehlen zehntausende Betten

Video
Russland droht der medizinische Notstand
Aus Tagesschau vom 18.04.2020.
abspielen

Die grösste Spezialklinik für Patienten mit Covid-19 wurde Ende März eröffnet. «Möge Gott uns helfen, dass nicht alle Hilfe benötigt wird, die wir hier zur Verfügung stellen. Aber wenn es so sein sollte, dann ist dieses Spital bereit!», lobte Moskaus Bürgermeister, Sergej Sobjanin, bei seinem Besuch vor Ort die Kapazitäten dieser Klinik.

Ganze 1300 Betten könne diese Klinik bieten – im Notfall könne man sogar bis auf 1450 ausbauen. Doch laut den aktuellsten Zahlen sind bereits jetzt 1427 Patienten in dieser Klinik mit einer Lungenentzündung hospitalisiert worden. Dies bedeutet, dass innerhalb kürzester Zeit alle Betten in der grössten Klinik Russlands belegt sein dürften. Doch der Höhepunkt der Krise wird frühestens Ende April erwartet. Unter diesen Umständen erstaunt es wenig, dass seit Mitte dieser Woche vor der Klinik zusätzlich provisorische Unterkünfte für Covid-19 Patienten gebaut werden.

Ein Lastwagen der Moskauerabwasserbehörden links im Bild kommt einem Krankenwagen entgegen.
Legende: Zahl der Infizierten steigt schneller als die Zahl neuer Betten SRF

Unwiderruflicher Zerfall

Nötig wurden diese Ausbaumassnahmen dermassen schnell wegen des Missmanagements der vergangenen Jahre, so die Sicht unabhängiger Ärzteorganisationen. «Die Epidemie macht Probleme im russischen Gesundheitssystem sichtbar, welche sich während Jahren angestaut haben.», erzählt Arzt Semjon Galperin gegenüber SRF.

Seit 2012 wurde das Gesundheitswesen im Land praktisch zerstört.
Autor: Semjon GalperinLiga der Ärzte

Im Zuge von Reformen zur Optimierung des Gesundheitswesens wurden in Moskau 28 medizinische Einrichtungen geschlossen, darunter auch 15 Spitäler. Insgesamt verlor die Stadt mehr als 60 Prozent aller verfügbaren Spitalbetten. In der aktuellen Krise versucht man nun händeringend eine möglichst grosse Zahl an Betten so schnell als möglich verfügbar zu machen. Gleichzeitig findet man selbst mitten im Zentrum von Moskau ehemalige Spitäler, die seit der Schliessung vor wenigen Jahren vollständig dem Zerfall überlassen werden.

Unbekannte Dunkelziffer

Selbst wenn es gelingen sollte, die rund 50'000 Betten, die voraussichtlich Ende des Monats in der russischen Hauptstadt fehlen werden, noch herzurichten, so ist es damit aus Sicht der kritischen Ärzteorganisationen damit längst noch nicht getan. «Woher wollen wir die Leute nehmen, welche die Beatmungsgeräte bedienen können? Wir wissen, dass wir gerade bei den Anästhesisten ein grosses Defizit haben. Es gibt sie schlicht nicht.» Das tatsächliche Defizit an Spezialisten wie Anästhesisten ist ebenso unbekannt wie die Zahl der tatsächlich funktionierenden Beatmungsgeräte. Klar scheint jedoch, dass die härtesten Zeiten in der russischen Hauptstadt erst noch bevorstehen.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

33 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Robert Wagner  (Schardi)
    Warum versucht Europa ständig andere Länder in den Dreck zu ziehen?
    Die Russen sind woll vorbereitet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Das muss doch die russische Bevölkerung verstehen: Riesige Investitionen seit Jahrzehnten in die Raumfahrttechnologie, Atombomben,- und Kriegsmaterial-Produktion, Kriegsführung, AKWs und auch Katastrophen damit, etc, etc....Wie sollte sich da die russische Regierung, um das Gesundheits-Wesen kümmern....um das Wohl der Bevölkerung allgemein...?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Alfred Schläpfer  (191.5yenokavan)
      Frau Casagrande, was machen denn die USA so anders als Russland? Beide Länder haben eine total korrupte Regierung und das Volk versucht zum Teil mit unglaublicher Empathie und Nächstenliebe Gegensteuer zu geben. Hören wir doch bitte auf mit dem sinnentleerten Ping Pong der Besserwisserei.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Persönlich kenne keine Regierung, welche nicht Wirtschafshörig ist. "Eine Hand wäscht die andere".
      Z. B. läuft gegen U. von der Leyen, betr. ihres Amtes als Verteidigungsministerin immer noch ein Verfahren wegen Vetternwirtschaft. Nett umschriebene Korruption.
      Aber vielleicht hätte RU halt besser alles Hilfs-Material, welches sie nach Italien, China, aber auch in die USA lieferten selber behalten sollen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      @Casagrande, verstehe sie nicht. Nur schon die Militärausgaben: NATO von 254 Milliarden (2015) auf 309 Milliarden (2019) steigend, Russland von 77 Milliarden (2015) auf 61 Milliarden (2019) sinkend! Quelle: Statista.com.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alfred Schläpfer  (191.5yenokavan)
    David Neuhaus, in welchem Kreis von russischen Regierungsfans bewegen Sie sich, dass Sie so eine klare Ahnung haben, was in Russland abgeht? Ein Teil meiner Familie lebt in Russland, ich habe einen grossen Freundeskreis in diesem grossartigen Land und geniesse es jedesmal, wenn ich wieder bei ihnen sein darf. Und in täglichen Skype und WhatsApp Gesprächen wird der von Frau Tschirky beschriebene Alltag leider bestätigt. Wie belegen Sie Ihre Behauptungen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @A.S: Ich sehe in Neuhaus' Kommentar keine Schilderung der russischen Verhältnisse, wie Sie es unterstellen. Er beschreibt seine Eindrücke über Tschirkys Berichterstattung. Frau Tschirky zieht überwiegend oppositionelle Quellen heran, hinterfragt diese nicht. Die Regierungsquellen werden dafür umso stärker hinterfragt. Kann man so machen. Ob es dann aber ausgewogener Journalismus ist? Wird bei Berichten über D auch die Sicht der Opposition derart gewichtet und die Regierungssicht relativiert?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      Ich gehe mal davon aus, dass es eben dieser Kreis ist, auf welchen Sie zugreifen koennen, welcher DN moeglicherweise fehlt. Frau Tschirkys Berichte entsprechen im Gros den Fakten, doch meiner Meinung nach sind diese zuviel auf Moskau und Region fokusiert, was teilweise auch verstaendlich ist, mit nur einem Auslandkorrespondent Seiten SRF fuer dieses grosse Land. Aus den USA berichten jedoch 3 Korrespondenten (inkl. Boerse).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @Sebastian Mallmann: Wie kann man oppositionelle Quellen heranziehen und hinterfragen in einem Land in welchem keine Opposition existiert? Die Opposition wird ja in RU stets im Keime erstickt. Und was geben den Regierungsquellen in RU bekannt und wie zuverlaessig sind dann diese Aussagen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Norbert Zehner  (ZeN)
      mallmann: Bester Kommentar, bei D berichtet man ja auch vornehmlich Sichtweise der Opposition…
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Alfred Schläpfer  (191.5yenokavan)
      Sebastian Mallmann, erfreulich, wie Sie sich für David Neuhaus einsetzen. Da er sich aber schon mehrfach als Experte in Sachen Russland geäussert hat, wäre mir seine Stellungnahme wichtig. Ich sehe die Ära Putin nicht nur schwarz/weiss. Auch für mich war er lange ein Hoffnungsträger. Warum Russland trotz all den Bodenschätzen heute nicht mehr besser für das Volk sorgen kann, ist bedauerlich. Änderung ja, aber bitte möglichst gewaltfrei.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @Auer: Tschirky / Nauer nehmen in der Mehrheit ihrer Artikel Bezug auf regierungskritische Stimmen (oft aus Russland selbst), die habe ich mit Opposition gemeint. Würden Sie denn sagen, dass es diese Stimmen nicht gibt? Umgemünzt auf die Deutschland-Berichterstattung wäre das so, als ob bspw. SRF vorwiegend über Regierungskritik berichten würde: Kritik an der Schwarzen Null und EU-Austeritätspolitik; an den US-Basen, die von D aus Kriege führen; an Hartz IV und Prekarisierung des Mittelstands.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    7. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      Sehr geehrter Herr Schläpfer, wie sie meinen persönlichen Eindruck als Behauptung interpretieren können ist mir schleierhaft. Ich spreche grundsätlich nur für mich selbst. Dies für andere zu tun und Behauptungen ohne jedwelche Quellenangabe aufzustellen überlasse ich gerne anderen. Insbesonders wenn sie so offen widersinnig sind wie z.Bsp. "in einem Land in welchem keine Opposition existiert" Ich sehe mich auch nicht als Experten sondern habe lediglich Mühe mit alternativloser Kritik.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    8. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @Sebastian Mallmann: Vielleicht waere es angebracht, wenn Sie sich einmal fuer eine Zeit mit dem Leben in der Realitaet in RU entscheiden koennten und dies nicht nur in Moskau und Region. Fr. Tschirk und Hr. Nauer hinterfragen nicht nur regierungskritisch, sondern haben eben die Show des Kremls laengst erkannt. Versprechen, welche nicht eingehalten werden usw. Erinnere, 2008 Medwedew-Putin (Gehalt der Russen bis wird 2500$), oder Rentenerhoegung 2018 solange Putin Praesident ist "geht nicht "!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    9. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @D. Neuhaus: Dann nennen Sie doch bitte die in Russland und von der Regierung akzeptierte und stets zugelassenen Oppositions-Partei(en).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    10. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      @Auer, zu ihrer Frage: Kommunistische Partei, Partei Gerechtes Russland und die sozialliberalen Jabloko-Partei! Quelle: NZZ 19.09.2019. Wäre schön auch von ihnen einmal belegte Fakten zu lesen statt nur Behauptungen und von anderen Nachweise zu fordern.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen