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Grossbritannien durch Corona-Mutation isoliert
Aus Tagesschau vom 21.12.2020.
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Corona-Sorgen und Brexit-Chaos Grossbritannien – die Insel der Unglückseligen

Ein mutiertes Virus und der Sturz ins Ungewisse beim Brexit: Zum Jahresende herrscht Tristesse im Königreich.

Grossbritannien durchlebt dramatische Tage. Zur besten Sendezeit muss der Premierminister im Fernsehen verkünden, dass es vielerorts ein einsames Weihnachtsfest geben wird. Eine neue, offenbar weit ansteckendere Mutation des Coronavirus lässt die «Christmas-Bubble» platzen.

Zehn Mitglieder aus drei Haushalten hätten sich eigentlich über die Festtage treffen dürfen. Daraus wird nichts. «Schweren Herzens muss ich Ihnen sagen, dass wir mit Weihnachten nicht so weitermachen können wie geplant», verkündete Johnson am Samstag. Die geplanten Lockerungen für London und Teil Südenglands werden aufgehoben.

Kein Grund zur Panik?

Damit nicht genug: Im europäischen Ausland werden Britinnen und Briten zu unerwünschten Personen. Mehrere Länder, darunter auch die Schweiz, stoppen den Flugverkehr aus dem Königreich. Und: Britische Touristen, die etwa in ihrem Lieblingsdomizil Verbier (VS) die Pisten hinuntersausen, sollen rückwirkend in Quarantäne.

Zur Hölle mit der EU!
Autor: Nigel FarageBritischer Rechtspopulist

Weltweit haben Staaten ihre Verbindungen ins Königreich gekappt. Die Grenzen sind geschlossen, der Güterverkehr unterbrochen, der Eurotunnel zu. Gleiches gilt für die Fährhäfen. Es geht ans Eingemachte. Drei Tage vor Heiligabend wächst nun gar die Angst vor einer Versorgungskrise im Land.

«Kein Grund zur Panik», versichert die britische Regierung. Die Warenlager seien voll. «Die Grossverteiler hingegen relativieren, dass dies nur für einige Tage zutreffe, weil frische Nahrungsmittel knapp werden könnten», berichtet SRF-Korrespondent Patrik Wülser. Denn Salat, Blumenkohl oder Broccoli gedeihen im britischen Winter nicht besonders gut und werden vornehmlich aus der EU importiert.

Weihnachtsbaum in den Strassen Londons.
Legende: Grossbritannien, abgekapselt vom Rest der Welt: Kommentatoren im Königreich sprechen bereits von einer vorweihnachtlichen Generalprobe für einen ungeregelten Brexit. Reuters

Sinn und Unsinn der Blockade werden auch auf dem europäischen Festland kontrovers diskutiert. Zumal das mutierte Virus bereits auf dem Kontinent nachgewiesen wurde. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals gibt es Unverständnis. Die britische «Times» schreibt etwa «Europa schliesst die Türen». «Man fühlt sich ein bisschen im Stich gelassen», konstatiert Korrespondent Wülser.

Der Rechtspopulist Nigel Farage zielt derweil unter die Gürtellinie: «Zur Hölle mit der EU!», liess er über Twitter verlauten. Für den Brexit-Vorkämpfer ist die Grenzschliessung nur ein weiterer Schachzug, um London bei den Verhandlungen mit Brüssel in die Knie zu zwingen.

«Farage übersieht dabei, dass derzeit nicht nur die EU den Verkehr mit Grossbritannien einstellt, sondern mittlerweile über 40 Länder», sagt Wülser. Unter ihnen ist auch die Schweiz. «Die nicht eben dafür bekannt ist, Entscheide aus Brüssel ungefragt nachzuvollziehen.»

Harter Brexit droht weiter

Die Blockade kommt zur Unzeit. London und Brüssel versuchen unter Hochdruck, die letzten Modalitäten des Brexit zu klären. «In zehn Tagen läuft die Übergangsfrist des Brexit ab. Die Möglichkeit, dass diese Scheidung ohne Freihandelsvertrag und damit chaotisch enden könnte, ist intakt», so Wülser.

Flughafen Gatwick
Legende: Die Flughäfen sind praktisch ausgestorben, wie hier Gatwick im Süden Londons. Viele europäische Staaten, aber auch Kanada, Argentinien oder Indien haben die Flugverbindungen nach Grossbritannien gestrichen. Reuters

Derweil schiessen krude Theorien ins Kraut. Demnach soll die Corona-Mutation eine blosse Erfindung des Premierministers sein. Die abenteuerliche These: Johnson versuche, ein Brexit-Chaos mit einem noch grösseren Chaos zu kaschieren.

Der Pandemie werde dereinst noch für viele Dinge die Schuld gegeben, schliesst der Korrespondent. «Aber dass ein britischer Premierminister mithilfe von renommierten Wissenschaftlern eine solche Geschichte inszeniert, erachte ich als abwegig.»

Echo der Zeit, 21.12.2020, 18:00 Uhr;

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Bei Corona-Tests auf zwei Flughäfen in D wurden Infizierte gefunden, nun wird geklärt, ob es sich um das mutierte Virus handelt. Die Lufthansa fliegt weiter Passagiere nach Grossbritannien, kehrt aber ohne Reisende zurück. Auf dem Rückweg nur die Crew an Bord. Die Maschinen fliegen abgesehen von der Crew leer wieder nach Deutschland. Gestrichen seien Verbindungen, bei denen die Besatzung in Grossbritannien übernachten müssten. Im Laufe des Tages seien sieben Flüge nach Grossbritannien geplant.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Virologen vermuten, dass B1.1.7. - erstmals in Grossbritannien im September nachgewiesen - vielleicht schon längst unter uns ist, auf dem Kontinent. Was passiert dann mit Ärztinnen und Ärzten, mit Pflegekräften, die aus dem Vereinigten Königreich kommen, oder die dort gebraucht werden? Was passiert mit dem Schengenraum, wenn gefährliche Mutationen des Virus sich weiter verbreiten? Machen wir dann wieder dicht? Glauben wir immer noch, dass Corona vor Schlagbäumen halt macht, oder vor Flughäfen?
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    1. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Seit Frühsommer hört man in Medien immer wieder von Mutationen diese COVID-Virus. Es waren wohl alle bisherigen "harmlos", nur genau diejenige, die man nun genau in GB festgestellt habe, sei nun so gefährlich. Dies gibt man vor zu wissen, innert kürzester Zeit, während man Ansteckungsketten und -wege des "normalen" COVID-Virus bis heute nicht kennt, und damit Lockdowns begründet. Wohl eher medial gepushte Geschichte, GB mit Brexit kommt in Medien seit längerem nicht gut weg.
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    2. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Zeiner: Es sei bemerkt, dass es Johnson selber war, der die Gefahr des Mutanten als Erster benannte und nicht die EU und auch nicht die Medien. Man kann für den Brexit sein und gegen die EU, bitte bleiben sie aber bei dem wie es in Wahrheit und in der Realität abgelaufen ist und beschuldigen sie nicht die EU die übrigens keinen Erlass gegen GB formuliert hat und auch nicht die Medien die nur Johnsons Botschaft transportiert haben.Wie gesagt: Johnson trat als erster vor die Medien. Freiwillig.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Gütertransport über den Ärmelkanal ist gestoppt, weil Frankreich wegen der neuen Corona-Variante seine Grenzen dicht gemacht hat. Eine Idee: Massentests für Lkw-Fahrer, um den Frachtverkehr wieder in Gang zu bringen. Auf der Hauptautobahn Richtung Hafen von Dover stauen sich über 650 Fahrzeuge oder noch mehr. Die LKW Fahrer sind die leidtragenden der Grenzschliessungen mit tagelangem Warten. Zu hoffen bleibt, dass die LKW Fahrer Weihnachten zu Hause feiern können.
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