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Die Berliner Charité bereitet sich auf Anstieg schwer kranker Covid-19-Patienten vor
Aus Tagesschau vom 09.10.2020.
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Coronavirus Deutschland: Corona wird zur Glaubensfrage

Berlin, Frankfurt, Köln – das sind die Städte, die momentan zu reden geben. Hier leben Menschen dicht aufeinander, wird gefeiert und gelebt. Und hier steigt die Zahl der Neuinfektionen am deutlichsten. Die Situation gerate «ausser Kontrolle», warnte Bayerns Ministerpräsident mit einem Seitenhieb gegen die Hauptstadt.

Vorwurf der «Panikmache»

Gleichzeitig fragen sich immer mehr Menschen, was die ganze Aufregung soll. Ein Fernseh-Beitrag des ARD-Magazins «extra», der sich kritisch mit der Fokussierung auf Neuinfektionen auseinandersetzte und die tiefe Sterblichkeit der letzten Monate ins Zentrum setzte, wurde im Netz gefeiert. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen habe endlich die eigene «Panikmache» erkannt und sich auf den «rechten Weg» begeben. Denn, so die Überzeugung vieler: Corona sei nicht schlimmer als eine Grippe.

Steht Deutschland an der Schwelle zu einer unkontrollierbaren, exponentiellen Ausbreitung der Krankheit, die zwangsläufig schwere Verläufe und Todesfälle nach sich ziehen wird, ähnlich wie es im europäischen Umland bereits zu beobachten ist? Oder dienen staatliche Massnahmen, Warnungen von Medizin und Politik doch eher dem eigenen Machterhalt und dem Ziel, die Bevölkerung «klein» zu halten?

Die Zahl der Zweifler wächst

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen steht hinter den Corona-Einschränkungen und -Regeln der Regierung. Aber die Zahl der Zweifler wächst. Und diese beiden Gruppen innerhalb der Bevölkerung stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber. Die Fakten geraten dabei in den Hintergrund – Sars-Cov-2 wird zur Glaubensfrage.

Wer sich eine Übersicht verschaffen will, etwa beim Robert-Koch-Institut, das die Infektionslage in Deutschland am besten überblickt, hat es nicht leicht. Die Webseite des RKI bietet zwar eine Flut von Informationen, welche davon aussagekräftig und relevant sind, bleibt indes für den Laien unklar. Dabei wäre transparente und plausible Information entscheidend, um ein angemessenes Risikobewusstsein zu entwickeln, und Voraussetzung für Verständnis und Kooperation der Bevölkerung.

«Das wird uns retten», ist Professor Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Universitätsklinik Charité, überzeugt. Verständnis und Kooperation ergeben sich aber nicht von allein.

Paradoxe Lage

Sars-Cov-2 ist – so der breite, internationale wissenschaftliche Konsens – gefährlicher als eine «normale» Grippe, da schwere Verläufe erstens häufiger sind und die Sterblichkeit zweitens höher liegt. Das Problem: Dieses Phänomen lässt sich in Deutschland kaum beobachten. Ein früher Shutdown und konsequente Massnahmen verhinderten hier eine Übersterblichkeit, das heisst: Es starben trotz Corona kaum mehr Menschen als in einem durchschnittlichen Jahr.

Jetzt steigen die Infektionen wieder deutlich, auch im Verhältnis zu den Testungen, die Intensiv-Fälle nehmen wieder zu, Pflegepersonal ist knapp, und die Langzeitfolgen der Krankheit bleiben unberechenbar. Das sind die Fakten.

Es ist Aufgabe der Politik, diese Fakten so zu vermitteln, dass sie weder Panik auslösen noch Leichtsinn. Nicht die Fakten als solche sollten Gegenstand der Debatte sein, sondern mögliche Konsequenzen daraus und die ethischen und gesellschaftlichen Abwägungen, die nun zu treffen sind. Diese Debatte hält eine gesunde Demokratie locker aus.

Bettina Ramseier

Bettina Ramseier

Deutschland-Korrespondentin, SRF

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Bettina Ramseier ist SRF-Korrespondentin in Berlin. Sie ist seit 15 Jahren TV-Journalistin: Zuerst bei TeleZüri, danach als Wirtschaftsredaktorin bei SRF für «ECO», die «Tagesschau» und «10vor10».

SRF 4 News, 08.10.2020, 10:30 Uhr

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110 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Weber  (cw)
    "Ein früher Shutdown und konsequente Massnahmen verhinderten hier eine Übersterblichkeit" - Ist eine Behauptung. Die schon vorher abfallenden Kurven der "Fälle", Spitaleinweisungen und Todesfälle belegen das gar nicht.
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  • Kommentar von Franz Giger  (fjg)
    Wenn klare und nachvollziehbare Fakten fehlen für die Anordnung von Massnahmen wird es zwangsläufig zur Glaubensfrage. Um den Glauben grossflächig zu etablieren und zu zementieren wird dann zum Mittel "Gesinnungsdiktatur" (ich habe kein treffenderes Wort parat) gegriffen. Die Abtrünnigen verstören die Gläubigen dann derart, dass sie Andersdenkende (mit Betonung auf Denkende) vehement als Ketzer verunglimpfen und brandmarken.
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  • Kommentar von Sancho Brochella  (warum?)
    Ob Masken gut nützen, weiss ich nicht. Aber ich bin bei einer OP froh, wenn die OP-Crew trotzdem Masken trägt. Wenn man sich internationale Zahlen ansieht, so bin ich froh, haben wir bis jetzt Glück. Teils sicher dank der Disziplin bei verhältnismäßig geringen Massnahmen seit und sogar während des Lockdowns. Diese kann ich als Kompromiss mittragen, wenn es dabei bleibt und allen hilft sich wohl zu fühlen. Für u.a. Kunstschaffende muss aber schnell Geld her. Für Flugbranche hingegen Umschulungen.
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    1. Antwort von Franz Giger  (fjg)
      Ob Masken etwas nützen wissen sie also nicht Herr Brochella. Unsere Verantwortlichen eben auch nicht. Dies ist das Problem, denn unter solchen Voraussetzungen Anordnungen zu treffen ist schlicht nicht hinnehmbar.
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