«Costa Concordia»: Schettino ist moralisch bereits verurteilt

Gespannt wartet Italien auf das Urteil gegen Francesco Schettino. Der erstinstanzliche Prozess gegen den Kapitän des vor gut drei Jahren gekenterten Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» geht in seine entscheidende Phase.

Francesco Schettino mit Laptop vor Gericht Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Unglückskapitän Schettino während einer Prozesspause im italienischen Grosseto. Keystone

Francesco Schettino ist in Italien zu einer Unperson geworden. Er hat Schande über sein Land gebracht. Im Ausland bestätigt er die Vorurteile, die manche gegenüber Italienern hegen. Insofern hat es der Ex-Kapitän aus Neapel schwer: Bevor noch das Urteil vorliegt, ist er schon moralisch abgeurteilt.

Schettino wollte grüssen

An jenem fatalen 13. Januar 2012 wollte Schettino einem befreundeten Kapitän auf der Insel Giglio die Reverenz erweisen. Er steuerte das 300 Meter lange Schiff ganz nahe an die Küste. Zu nahe. Das Schiff lief auf. Die prahlerische Grussgeste des Kapitäns, eben die riskante Annäherung an die Küste, wo er dann die Schiffssirenen hätte aufdrehen wollen, war offenbar eine tolerierte Usanz, auch anderswo in Italien. Aus dem Gruss wurde vor drei Jahren eine Katastrophe.

«Schettino ist zu einer Unperson geworden»

2:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.02.2015

Eine Dummheit habe zu dem Unglück geführt, gestand Schettino einmal während seiner Vernehmung ein. Doch nachdem das Schiff auf dem Felsen aufgelaufen war und durch ein Leck riesige Wassermassen in die Costa einflossen, schlug er viel zu spät Alarm; und während die Schiffsgäste nicht wussten, wie sie die Boote erreichen konnten, und einige über Bord sprangen, um die nahe Küste schwimmend zu errreichen, brachte sich Schettino zunächst selbst in Sicherheit: Er setzte sich rasch auf einem Rettungsboot Richtung Giglio ab. Hunderte Passagiere und Besatzungsmitgelder waren derweil – im Chaos allein gelassen – noch an Bord. Wutentbrannt befahl der Leiter der Küstenwache Schettino, an Bord zurückzugehen, um die Evakuierung zu koordinieren. Doch dieser gehorchte nicht. Als Kapitän Feigling ist Schettino seither verschrien.

Zickzack-Verteidigung

In den Einvernahmen verteidigte sich Schettino im Zickzackkurs. Zunächst sprach er von einer technischen Panne des Schiffes, dann sagte er, er habe das Schiff nicht verlassen, sondern sei durch den Aufprall ins Meer geworfen worden. Und im Prozess verfolgten er und sein Verteidiger die Linie, dass Schettino grösseres Unglück vermieden habe. Wenn er einen Kilometer vor der Küste Alarm ausgelöst hätte, fragte sein Verteidiger l’Avvoccato Pepe, wie er das denn nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte tun sollen – dann wäre das Schiff ausser Kontrolle geraten, meinte er. Nicht alle Rettungsboote hätten die Küste erreichen können. Und 4000 Personen wären umgekommen.

Der Verteidiger versuchte auch, die Schuld an der Katastrophe der Schiffscrew in die Schuhe zu schieben. Sie sei schlecht ausgebildet gewesen. Im Übrigen sei Schettino eine «persona per bene», eine anständige Person. Die Anklage ihrerseits qualifizierte Schettino als «unvorsichtigen Idioten» ab und verlangte mehr als 26 Jahre Gefängnis.

Das erstinstanzliche Urteil wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben.