Zum Inhalt springen

Header

Audio
USA: Impfskepsis bei Schwarzen
Aus Echo der Zeit vom 17.02.2021.
abspielen. Laufzeit 05:41 Minuten.
Inhalt

Covid-19-Impfung in den USA Schwarze werden deutlich seltener geimpft als Weisse

Schwarze werden in den USA deutlich seltener geimpft als Weisse, obwohl sie stärker von der Pandemie betroffen sind.

Gestelle auffüllen im Supermarkt, Spitäler reinigen oder Pakete ausliefern: Schwarze verrichten in den USA überproportional häufig Tätigkeiten, die nicht im Homeoffice erledigt werden können. Damit seien sie während der Pandemie viel grösseren Risiken ausgesetzt, sagt Dr. Hansel Tookes. Der Afroamerikaner ist Infektiologe im Jackson Memorial Hospital in Miami, Florida.

Das Risiko, dass ein schwarzer Covid-19-Patient an der Infektion sterbe, sei dreieinhalb Mal höher als bei einem weissen Patienten, sagt Tookes. Trotzdem werden Schwarze anteilsmässig viel seltener geimpft. In Miami befinden sich unter den Geimpften bloss acht Prozent Schwarze – ihr Bevölkerungsanteil ist aber mehr als doppelt so gross.

Termine via Twitter

Das liege zunächst daran, wie Impftermine vergeben werden, sagt Tookes. Dafür müsse man auf Twitter der Vorsitzenden des Bezirks folgen, um zu erfahren, auf welchen Websites Termine vergeben werden – für viele eine hohe Hürde.

Hansel Tookes
Legende: Hansel Tookes, MD, MPH, ist Infektiologe im Jackson Memorial Hospital in Miami, Florida. Jackson Health System, Miami, Florida (Youtube) , Link öffnet in einem neuen Fenster

Die meisten Schwarzen aus der Unterschicht verfügten nicht über einen Twitter-Account oder Internetanschluss, sagt Tookes. Hinzu komme aber auch ein tiefes Misstrauen in der afroamerikanischen Gemeinde gegenüber dem Gesundheitswesen.

Medizinische Experimente

Dieses Misstrauen habe tiefe historische Wurzeln, sagt Dan Royles, Link öffnet in einem neuen Fenster, Professor für afroamerikanische Geschichte an der Florida International University.

Schwarze Menschen seien immer wieder missbraucht worden für medizinische Forschungsprojekte. Zum Beispiel von J. Marion Sims, dem Vater der modernen Gynäkologie. Er entwickelte im 19. Jahrhundert Möglichkeiten zur Behandlung von Unterleibs-Fisteln. Sims experimentierte dabei an Sklavinnen – aber ohne deren Einwilligung und ohne Betäubung.

Auch später wurden Schwarze in staatlichen Forschungsprojekten missbraucht. Zum Beispiel im «Tuskegee Syphilis Project, Link öffnet in einem neuen Fenster». Bei diesem wurden nach 1930 rund 400 schwarze Landarbeiter mit Syphilis angesteckt, um zu beobachten, wie sich die Krankheit unbehandelt entwickelt.

Obwohl die Krankheit längst heilbar war, wurde das Projekt bis 1972 weitergeführt, bis ein Zeitungsbericht darüber eine Welle der Empörung auslöste.

Diskriminiert im Gesundheitswesen

Aber selbst heute noch würden Schwarze im US-Gesundheitswesen diskriminiert, sagt Historiker Dan Royles. Er verweist auf eine Studie von 2016, die Vorurteile von Medizinstudierenden offenlegt.

Daniel Royes in einem Interview via Zoom
Legende: Daniel Royles, Historiker an der Florida International University. John Hope Franklin Humanities Institute, Duke University, Durham, NC , Link öffnet in einem neuen Fenster

Eine Mehrheit der Befragten zeigte sich überzeugt, das schwarze Menschen weniger schmerzempfindlich sind. Deshalb werde ihnen – statistisch nachgewiesen – weniger Schmerzmittel verabreicht. Zudem würden Behandlungen oft später angeordnet – mit fatalen Folgen, sagt Royles.

Deshalb sei zum Beispiel das Risiko, beim Gebären zu sterben, für eine schwarze Mutter dreimal höher als für eine Weisse. Diese Fakten und die menschenverachtenden Versuche in der Vergangenheit seien in der schwarzen Gemeinde sehr wohlbekannt, sagt Dr. Hansel Tookes.

Skepsis gegenüber Covid-19-Impfung

Das führe dazu, dass viele Schwarze auch skeptisch seien gegenüber der Covid-19-Impfung. Nur gut 40 Prozent der Schwarzen seien bereit, sich impfen zu lassen, sagt Tookes. Bei den Weissen seien es 70 Prozent. Er versuche deshalb, als Vertrauensperson der schwarzen Gemeinde, diesem Misstrauen entgegenzuwirken – indem er sich etwa öffentlich im Fernsehen habe impfen lassen.

Zusammen mit anderen vertrauensbildenden Massnahmen sei es in den letzten Tagen denn auch gelungen, in Miami mehr Schwarze dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen.

Hansel Tookes lässt sich die zweite Dosis impfen

Echo der Zeit, 17.02.2021, 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Chiara Lauber  (Chiara)
    Die Kommentare sind grösstenteils dermassen grenzwertig rassistisch dass es mir fast die Sprache verschlagen hat. Fakt ist, dass sich nur impfen lassen kann wer über die nötige Infrastruktur verfügt um einen Termin machen zu können (Das betrifft in der Schweiz auch zig Menschen die zur Risikogruppe gehören kein Internet/handy etc. haben und bei denen die Hausärzte weder selbst impfen noch proaktiv ihre Patienten kontaktieren). in den US ist Armut oft dunkelhäutig.
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Man kann nur impfen, wer dies auch will.
  • Kommentar von Thomas Schuetz  (Sürmel)
    Schwarze werden deutlich weniger geimpft als Weisse. So im Titel des Beitrags. Aha. Und weiter unten kann man dann lesen, warum das so ist. Spannend. Fast die Hälfte der Schwarzen will sich gar nicht impfen lassen. Interessant. Fehlt noch nur noch etwas. Wer ist jetzt Schuld an diesem Zustand ? Die Demokraten oder die Republikaner ???
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Wer ist schuld an dem Zustand, dass sie viele in der Schweiz nicht impfen lassen, oder skeptisch gegenüber den Covid19-Impfungen sind ?
      Die Demokraten oder die Republikaner ???

      Und wie hilft uns das weiter, wenn wir den Schuldigen gefunden haben ?