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Kommen harte Zeiten für die Corona-Populisten?
Aus SRF 4 News aktuell vom 02.11.2020.
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Covid-Leugner unter Druck Politologe: Trump-Niederlage wäre Problem für Corona-Populisten

Sie kritisieren die Maskenpflicht und verharmlosen das Coronavirus: US-Präsident Donald Trump, der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro und viele deutsche Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) hören sich ähnlich an. Damit könnten sie bald scheitern, sagt der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke.

Albrecht von Lucke

Albrecht von Lucke

Politologe, Jurist und Publizist

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Der Politologe, Jurist und Publizist ist seit 2003 Redaktor der «Blätter für deutsche und internationale Politik», einer politisch-wissenschaftlichen Monatszeitschrift in Berlin, und ist darüber hinaus als freier Autor tätig.

SRF News: Was ist den Corona-Populisten gemeinsam?

Albrecht von Lucke: Alle diese sehr unterschiedlichen Bewegungen und Regierungen geben sich absolut anti-wissenschaftlich. Die Erkenntnisse der Wissenschaft, sei es bei der Klimapolitik oder auch jetzt bei Corona, werden von diesen Politikern aus opportunistischen Gründen schlichtweg geleugnet.

Wie zeigt sich das in der Politik?

Trump beispielsweise räumte ja im Gespräch mit dem bekannten Journalisten Bob Woodward ein, dass er durchaus sehr früh um die Gefahren von Corona wusste, dass er sich aber entschieden habe, die Gesellschaft nicht in Panik zu versetzen. Der gleiche Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen ist bei Bolsonaro zu beobachten, sei es bei Corona oder auch bei der Klimapolitik mit Blick auf weitere Abholzungen.

Auch die AfD-Politiker sind keineswegs so dumm, dass sie nicht erkennen würden, dass Corona massive Folgen hat. Aber weil die Partei in der Lage ist, an eine Bewegung anzudocken, die offensichtlich das Virus leugnet, setzt man einfach auf Leugnung, um sich auf diese Weise an die Spitze der Bewegung zu setzen.

Was ist die Motivation bei Trump und Bolsonaro?

Vor allem Trump hat das gewaltige Problem, dass das Virus in dem Augenblick zum Erscheinen kam, als sein Wahlkampf auf dem Höhepunkt stand. Bis zum Frühjahr konnte er aufgrund guter Wirtschaftsdaten und einer durchaus weiter existierenden Anerkennung in Amerika davon ausgehen, dass er gute Chancen gegen Biden hat.

Das Virus dann wurde zum «Game Changer». Trump hat die Rechnung gewissermassen ohne das Virus gemacht. Seine Strategie der alternativen Fakten wurde dann allerdings durch die Todeszahlen und die gravierende Arbeitslosigkeit durchkreuzt. Er musste zähneknirschend eingestehen, dass das Virus ein echtes Problem ist. Er hat im Coronavirus seinen Meister gefunden.

Trump hat im Coronavirus seinen Meister gefunden.
Autor: Albrecht von Lucke

Könnten die Corona-Populisten somit an der Realität scheitern?

Absolut. Das ist die ganz grosse Gefahr für die Corona-Populisten. Entsprechend wird die Präsidentenwahl ganz entscheidend sein. Dann wird man wissen, ob sich Trump in Sachen Corona letztlich geschlagen geben wird. Wenn Trump also eine vernichtende Niederlage erleiden sollte, wäre das natürlich ein gewaltiges Problem für Corona-Leugner-Populisten in Deutschland, in Europa und auch für eine Figur wie Bolsonaro, der in Trump einen expliziten Verbündeten und Mitstreiter hat.

Trump ist die grosse Inkarnations-Figur der Corona-Leugner-Proteste insgesamt.
Autor: Albrecht von Lucke

Denn Trump ist die grosse Inkarnations-Figur der Corona-Leugner-Proteste insgesamt. Bis hin zu den QAnon-Verschwörern und Reichsbürgern, die davon ausgehen, dass die Lichtgestalt Trump für das neue gloriose Reich steht, gegen den «Deep State» und die Establishment-Menschen, die nicht die Sprache des Volkes sprechen.

Das Gespräch führte Manuel Ramirez.

SRF 4 News, 02.11.2020, 10:20 Uhr;

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62 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Mühlethaler  (Rhenus)
    Wir dürfen jene nicht vergessen, die in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind: Viele davon sind Selbständig Erwerbende. Dass die nicht gut auf Corona-Schutzmassnahmen zu sprechen sind, ist verständlich und nachfühlbar. -
    Der Corona-Populismus, von dem hier die Rede ist, geht aber viel weiter und die Haltung dieser Leute hat sich verselbständigt. Die sind nicht mehr erreichbar durch die Eindrücke und Fakten aus den Spitälern und Intensivstationen.
  • Kommentar von Steve Meier  (smeier)
    Einreisebeschränkungen aus Epidemiegebieten ist eine anerkannte präventive Praxis, offensichtlich aber eher nur bei afrikanischen-oder anderen wirtschaftlich irrelevanten Ländern. Wenn DT dies bei China anwenden will, wird dies mit Rassismus verschrien. Und in Europa wird bevorzugt nichts getan aus Rücksicht auf die Gemütslage von Peking und ggf. auf wirtschaftliche Partikularinteressen. Und dann tun doch alle ganz überrascht, dass in Nort IT ein Hotspot ausbricht.
  • Kommentar von Patrick Lohri  (Patrick Lohri)
    "Anti-Wissenschaftlich" ist, wenn das BAG klangheimlich statistische Erhebungen zur Grippe einstellt! Wissenschaftlich ist, wenn sauber erhoben wird wie viele positiv getestete erkrankt sind, wie viele weisen welche Symptome auf, welche Vorerkrankungen spielen eine Rolle usw. und das im Vergleich zu einer Grippewelle. Was wir erleben ist wirrer Aktivismus! Gemäss von Lucke ist wohl der renommierte Immunologe Beda Stadler auch ein "Corona-Leugner"! Ist das wissenschaftlich?