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International Cox-Attentäter vor Gericht: «Tod den Verrätern»

Zwei Tage nach dem tödlichen Attentat auf die britische Labour-Politikerin Jo Cox ist der Tatverdächtige offiziell des Mordes beschuldigt worden. Der 52-jährige Mann erschien heute erstmals vor Gericht in London. Es war ein verstörender Auftritt.

Legende: Video Cox-Attentäter vor Gericht abspielen. Laufzeit 01:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.06.2016.

Nach der Ermordung der britischen Abgeordneten Jo Cox ist der Tatverdächtige erstmals vor Gericht in London erschienen. Als der 52-Jährige nach seinem Namen gefragt wurde, weigerte er sich, diese Angaben zu machen. Stattdessen sagte er laut der Nachrichtenagentur PA: «Tod den Verrätern, Freiheit für Grossbritannien».

Dies stärkt die Vermutung, dass der Mann aus politischen Motiven gehandelt hatte. Die getötete Labour-Abgeordnete hatte sich für Flüchtlinge und gegen einen Austritt Grossbritanniens aus der EU eingesetzt.

Kontakte zu Nazi-Organisation

Der mutmassliche Täter, der früher Kontakte zu einer US-Nazi-Organisation gehabt haben soll, wurde offiziell des Mordes beschuldigt. «Wir haben nun einen Mann des Mordes, der schweren Körperverletzung, des Besitzes einer Feuerwaffe mit der Absicht, eine Straftat zu begehen, und des Besitzes einer Angriffswaffe beschuldigt», hatte ein Polizeivertreter erklärt.

Jo Cox war am vergangenen Donnerstag in ihrem nordenglischen Heimatort Birstall auf offener Strasse getötet worden. Der Angreifer feuerte mehrere Male auf die 41-jährige Politikerin und stach mit einem Messer auf die am Boden liegende Frau ein. Die Mutter zweier kleiner Kinder starb wenig später. Der Verdächtige wurde kurz nach der Tat in der Nähe festgenommen.

Wohl ein Einzeltäter

Den bisherigen Ermittlungen zufolge sei ausser dem festgenommenen Tatverdächtigen keine andere Person daran beteiligt gewesen, erklärte die Polizei. Der Angriff auf Cox sei offenbar eine «isolierte, aber gezielte Attacke» gewesen.

Das Attentat schockierte die Briten, die am kommenden Donnerstag über den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union abstimmen. Wegen des Mordes wurde der Wahlkampf bis einschliesslich Samstag ausgesetzt.

Cox hatte sich mit Nachdruck gegen einen Austritt aus der EU ausgesprochen. Die Polizei prüft, ob dies ein Tatmotiv war, und ob der mutmassliche Täter Kontakte zur rechtsextremen Szene hatte.

London gedenkt der Getöteten

Hunderte Menschen versammelten sich am Freitagabend nahe dem Parlament in London zu einer Gedenkfeier und hielten gemeinsam eine Schweigeminute ab. Viele legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Cox lebte mit ihrem Ehemann und ihren zwei kleinen Kindern auf einem Hausboot auf der Themse nahe der Tower Bridge. Auch dort legten Trauernde Blumen für die ermordete Politikerin nieder.

Menschen vor einem Plakat versammelt mit der Aufschrift: «We'll carry Jo's banner of love»
Legende: Der Schock in London sitzt noch immer tief. An mehreren Orten wird der Verstorbenen gedacht. Keystone

Der frühere Labour-Vorsitzende Ed Miliband sagte, Cox habe «nur geliebt, niemals gehasst». Sie habe «den Stimmlosen eine Stimme gegeben, besonders jenen in Kriegen und Konflikten», und sei «für Einheit statt Spaltung» eingetreten, sagte Miliband. Zuvor hatten bereits Premierminister David Cameron und der Labour-Chef Jeremy Corbyn gemeinsam Cox gewürdigt und in Birstall Blumen für sie niedergelegt.

Spenden für Hilfsorganisationen

Auf einem Spendenkonto, das Angehörige und Freunde von Cox eingerichtet haben, gingen bereits mehr als 200'000 Pfund (umgerechnet rund 275'000 Franken) ein. Das Geld wird verschiedenen Hilfsorganisationen in Grossbritannien und Syrien zugutekommen.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Man muss sich das einmal durch den Kopf gehen lassen. Ein verwirrter Mensch mit denkbaren Verbindungen zu Radikalen, verhilft nun den BREXiT-Gegnern zu Triumpf und Sieg. - Schwachsinnige Taten bestimmen die Politik. Kein gutes Omen, kein Grund beruhigt zu sein, kein Grund um zuversichtlich zu sein. Idioten, Moerder und Schwachsinnige und Mitlaeufer bestimmen den Verlauf der Geschichte. Das war doch schon mal so ähnlich.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Jetzt wird wieder das Volk manipuliert! Einen Kontakt zu "Rechtsextremen" wird dem Mann angelastet, aber dass er oder die Politikerin "Moslem" sind oder wirkliche "Engländer" sagt die "Lügenpolitik" nicht. Nun wird auch in England eine rechte Partei als rechtsextrem benannt, obwohl in dieser Partei genau wie in der AfD oder SVP oder FPÖ usw. hauptsächlich ganz normale Bürger sind. Diese Entwicklung, dass die "Linken" alles zurechtbiegen können, macht mir Angst.Sind wir so weit wie bei den Nazis?
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    1. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert die Meinungsbildung, auch wenn das Zeitalter des Internets das Monopol der Medien glücklicherweise bricht. Der völlig hochstilisierte Mord durch einen psychisch kranken Täter, wird jetzt schamlos ausgenutzt um Wahlkampfpolitik zu machen. Ich frage mich ob Fr Cox das gewollt hätte. Sie sei für 'Einheit statt Spaltung', das mag ihre Ansicht gewesen sein, das hat aber nichts mit der Abstimmung oder dem Mordfall zu tun, ich hoffe die Briten durchschauen das.
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    2. Antwort von James Klausner (Harder11)
      @MRoe: Man wüsste schon gern, was bei Ihnen vorgeht, wenn Sie solche Kommentare verfassen. Die Informationen über Frau Cox sind doch allgemein zugänglich, ebenso ist der ganze Vorfall von duzenden von Augenzeugen beschrieben und dokumentiert. Welche rechte Partei wird im Zusammenhang mit diesem Fall als extrem benannt? Sind die Nazis bei Ihnen Linke? Ich kann Ihren Gedankengängen und Ihrer Terminologie nicht folgen.
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    3. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "... auch wenn das Zeitalter des Internets das Monopol der Medien glücklicherweise bricht." Also wenn man sieht, was da mitunter alles für plumpe Seiten mit Verschwörungstheorien im Netz rumgeistern, weiss ich nicht, ob man da von "glücklicherweise" reden kann. Da wollen manche eine Konkurrenz sein zu den etablierten Medien und Journalisten, aber das Resultat ist eher schäbig.
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    4. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      Frau Schüpbach, es geht ja nich darum alles und jedem zu vertrauen der etwas ins Netz stellt, sondern den gesunden Menschenverstand walten zu lassen und alternative Perspektiven zu Weltereignissen zu erhalten. Etwas das sie sonst bei herkömmlichen Medien nicht finden.
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    5. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      In dem Fall geht es aber um handfeste Fakten, die (wie Klausner schrieb) dokumentiert sind. Was der Mann sagte. Und die Belege zu seinen Bestellungen bei der US-Nazi-Organisation. Was hingegen die Trauer um die gestorbene Parlamentarierin angeht, damit gehen sicher nicht alle gleich um. Und wenn man zu den Aussenstehenden gehört wie wir hier, muss man das ja auch nicht unbedingt bewerten.
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    6. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      J.K. und U.S. Endlich mal wieder Leute, welche Geschehnisse und deren Kommentare auf den Punkt bringen können, ohne hinter allem Verschwörung sehen, ein Haar in der Suppe finden oder wirres Zeug zusammenreimen. Danke.
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