Sessions vor dem Senat «Das Hearing war kein Befreiungsschlag»

Jeff Sessions hat bestritten, dass er während des Wahlkampfs mit den Russen kooperiert hat. Geklärt sei die Angelegenheit trotz allem noch lange nicht, sagt SRF-Korrespondent Beat Soltermann.

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Beat Soltermann

Beat Soltermann

Seit 2011 berichtet Beat Soltermann für SRF aus Washington D.C. Zuvor arbeitete er in der SRF-Wirtschaftsredaktion und empfing die Gäste der «Samstagsrundschau».

SRF News: Zweieinhalb Stunden lang dauerte die Anhörung vor dem Geheimdienst-Ausschuss des Senats. Was wissen wir jetzt eigentlich mehr?

Beat Soltermann: Wir haben erfahren, dass die Aussagen von FBI-Chef Comey zutreffender waren, als seine Gegner zugeben wollen. Sessions war tatsächlich an einem Anlass, an dem der russische US-Botschafter ebenfalls zugegen war. Wir wissen, dass Comey tatsächlich Sessions um Hilfe gebeten hatte, weil Trump ihn mehrfach direkt wegen der Russland-Untersuchung kontaktiert hatte, was nicht üblich ist. Und wir wissen, dass die abrupte Entlassung von Comey irgendetwas nicht sauber war. Sessions hielt im Hearing daran fest, dass es wegen Clintons E-Mail-Geschichte war, Trump sagt inzwischen ja, wegen der Russland-Geschichte.

Einige Fragen konnte er nicht beantworten, andere wichtige Fragen wollte er aber auch nicht beantworten. Braucht er wirklich die Erlaubnis von Trump?

«  Wir wissen jetzt, dass die Aussagen von FBI-Chef Comey zutreffender waren, als seine Gegner zugeben wollen.  »

Er hat vor allem dann, wenn es um Gespräche und Besprechungen mit Präsident Trump ging, gesagt, es sei vertraulich, so wie zwischen einem Anwalt und dem Klienten. Ohne Erlaubnis von Trump sage er zu dieser Sache nichts. Es ist fraglich, ob das stimmt. Vor allem weil Trump zum Teil selber Aussagen zu bestimmten Themen gemacht hat. Sessions erweckte deshalb streckenweise den Eindruck, es geht hier nicht um die Sache, sondern um eine Strategie, mit der er die heiklen Fragen nicht beantworten muss.

Mit Jeff Sessions ist das bis jetzt ranghöchste Mitglied aus Trumps Regierung Red und Antwort gestanden. Hat das Donald Trump nun mehr genützt oder geschadet?

Je näher die Untersuchung zu Trump kommt, desto unangenehmer für den Präsidenten. Sessions hat vehement bestritten, dass er mit den Russen im Wahlkampf irgendwie kooperiert haben soll. Das Hearing war dennoch kein Befreiungsschlag. Zu viele offene Fragen gibt es noch immer. Trump soll schon mal mit dem Gedanken gespielt haben, Sessions zu entlassen Sessions seinerseits soll laut Medien auch den Rücktritt angeboten haben. Da ist vor und hinter den Kulissen einiges los. Und Justizminister Sessions wird unter Druck bleiben.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Jeff Sessions zur Russland-Affäre

    Aus Tagesschau vom 14.6.2017

    Der US-Justizminister hat vor dem Senats-Ausschuss beteuert, er habe nicht mit Vertretern Russlands geredet über Einmischungen in den amerikanischen Wahlkampf.