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Rechtspopulismus in Frankreich «Das Labor des Front National»

In Fréjus regiert der Front National. Der kleine Ort zeigt, wie das Regime von Marine Le Pen aussehen könnte.

Legende: Audio In der Hochburg des Front National - zu Besuch in Fréjus. abspielen. Laufzeit 14:00 Minuten.
14 min, aus Info 3 vom 22.04.2017.

Seit drei Jahren ist in Fréjus, im Südosten Frankreichs, der Front National an der Macht. Stadtpräsident ist der 29-jährige David Racheline. Er ist zugleich auch Kampagnenleiter von Madame Le Pen. Fréjus ist quasi das Labor des Front National. Hier will die Partei beweisen, dass sie regieren und zugleich protestieren kann.

Kampf für die Umwelt

Nicht alle stehen hinter der Politik von Racheline. Das «Komitee zum Schutz der Strände Fréjus» wehrte sich gegen die Urbanisierungs-Pläne des Front National. Das naheliegende Naturschutzgebiet sollte überbaut werden und auf dem heutigen Marktplatz ein Luxushotel entstehen. Beides konnte mit Hilfe des «Quartiervereins» abgewendet werden.

Der Kampf gegen den Bürgermeister hat aber Konsequenzen. Nach 90-jähriger Tradition sollen sie nun aus ihrem Vereinslokal ausziehen. Bis anhin kämpft der Verein aber dagegen erfolgreich an.

Stimmen dank Pétanque

Andere sind hochzufrieden mit dem jungen Bürgermeister. Die älteren Herren im Park zum Beispiel. Damit diese gemütlich Pétanque spielen können, hat der Bürgermeister für sie Unterstand aufgestellt. Darin können sie ihre Stühle und Kugeln versorgen. Zudem habe er die Steuern nicht erhöht. «Die Steuern bleiben stabil und dies ist gut so!» sagen sie.

Erfolgreiche Symbolpolitik

David Racheline wurde vor drei Jahren mit 45 Prozent gewählt. Als erste Amtshandlung liess er symbolisch die Europaflagge am Rathaus abnehmen. Zudem will er die Moschee im Ort abreissen. Dies ist ihm bis anhin nicht geglückt, Symbolpolitik lässt sich mit der Thematik aber trotzdem betreiben.

Auch in der Finanzpolitik greift Racheline rigoros durch. Die Ausgaben wurden um 20 Prozent gekürzt. Sein Vize Gilles Longo ist stolz auf die Leistung: «In seiner Zeit hat er von den 240 Millionen Euro Schulden bereits 18 Millionen abgetragen». Das meiste davon durch den Verkauf von gemeindeeigenen Grundstücken an private Investoren.

Jede kleine Anekdote von Fréjus ist gleich in den nationalen Medien
Autor: Gilles LongoFront National

Zudem gefällt Longo, dass ganz Frankreich auf die kleine Stadt schaut. «Jede kleine Anekdote ist gleich in den nationalen Medien, dass finde ich amüsant.»

«Rassistische Töne»

Andere haben weniger Freude am Bürgermeister. Die Sozialistin Elsa Di Méo hadert mit dem rüden Umgangston. «Seit der Wahl von Racheline ist die Stadt sehr ideologisch geworden, rassistische Töne gehen den Bewohner viel leichter über die Lippen.»

Rassistische Töne gehen den Leuten nun leichter über die Lippen
Autor: Elsa Di MéoSozialistin

Auch die Oppositionsführerin Françoise Cauwel glaubt, dass sich der Bürgermeister nicht für das Gedeihen der Stadt interessiere, sondern nur für den Wahlsieg von Marine Le Pen. Sie wünscht sich deshalb, dass es eine Überraschung gibt und Marine le Pen nicht in den zweiten Wahlgang kommt.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Kein Extremismus, tut der Menschheit gut! Allein, die einsichtuge, umsichtige verantwortungsvlle Zusammenarbeit aller Parteien, ist dem Volkswohl freundlich gesinnt!! Das gilt für die ganze Welt!
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Einmal an SRF: Der FN ist nicht RECHTS-, sondern LINKSNATIONAL. Sein politisches Programm ist wirtschaftlich eine Katastrophe, "sozial" bis bis zum Abwinken, eben völlig links. An Elsa Di Meo: Es gibt nichts ideologischeres, oder besser, populistischeres, als linke Politik!
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    1. Antwort von HP Korn (HaPeChe)
      Eine nationalististisch und sozialistisch ausgerichtete Partei also? Hatten wir ja schon mal ...
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    2. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Ja, HP Korn, jetzt endlich ist der Groschen gefallen! Ja, auch die waren nicht "rechts"! Jetzt aber sind bald einmal 100 Jahre vergangen und diese unsere Welt steht vor neuen Problemen, unter anderem einer islamischem Völkerwanderung in unsere fetten Sozialwerke, das hat nichts mit der Situation zu Adolfs Zeiten zu tun. Diese Vergleiche hinken fürchterlich, öden enorm, und weisen den Anwender als geschichtliche Null aus.
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    3. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Herr Sand, wenn der FN links ist, dann ist aber auch die SVP links der SP, oder?
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    4. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Herr Mann, da muss ich Herrn Sand ausnahmsweise zustimmen. Rassistisch zu sein, heisst nicht automatsch das man Rechts ist. Auch bei Linken gibt es genug Rassisten. In Frankreich hast Du gar keine Change gewählt zu werden ohne ein Minimum an linken Positionen, das natürlich immer mit unseren Augen gesehen.
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    5. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Herr Sand, lesen Sie die internationalen Pressekommentare, alle bezeichnen den FN als rechtspopulistisch. Nur weil Le Pen auch einige soziale Aspekte in ihr Parteiprogramm aufgenommen hat, um besser wählbar zu sein, wird eine rechte Partei nicht links, nur etwas sozialer. Aber wie Herr Röthenmund sagt, rassistisch kann auch links sein, sozial auch rechts.
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  • Kommentar von Simon Reber (kokolorix)
    Das verscherbeln des Tafelsilbers als grossartige finanzpolitische Leistung darzustellen passt hervorragend. Vermutlich wurden die Grundstücke unter Wert an gute Kumpels verschachert. Der Rest liest sich wie Trumps Bilanz. Viel Symbolisches mit Tamtam, viel Grosskotziges das scheitert und nichts Substantielles
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