Das Misstrauen zwischen Ost und West wächst

Jetzt wird es konkret: Anfang 2017 entsendet die Nato vier multinationale Bataillone in die baltischen Staaten und nach Polen. Moskau sieht darin eine Provokation und rüstet in seiner Exklave Kaliningrad auf. Die ost-westlichen Spannungen verstärken sich.

Zwei Kampfjets – ein britischer und ein polnischer – überfliegen ländliches Gebiet in Litauen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nach der Annexion der Krim durch die Russen verstärkte die Nato ihre Präsenz im Baltikum. Keystone Archiv

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Nato-Treffen in Brüssel

Nato-Treffen in Brüssel

Die Nato-Verteidigungsminister schliessen ihr Treffen in Brüssel heute ab. Neben der Konkretisierung der Truppenverstärkung im Baltikum und in Polen beschlossen sie am Mittwoch, die EU-Mittelmeermission «Sophia» vor Libyens Küste zu unterstützen. Thema sind heute die Pläne Frankreichs und Deutschlands, die Sicherheitspolitik der EU zu stärken.

Niemand will von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Dennoch deutet immer mehr darauf hin, dass man sich in diese Richtung bewegt: Der neue Ost-West-Konflikt ist zwar anders als jener im 20. Jahrhundert, aber nicht weniger gefährlich. Auf beiden Seiten wird aufgerüstet.

4000 Mann im Baltikum und in Polen

Die Nato-Verteidigungsminister beschlossen nun, ab Februar vier Bataillone nach Osteuropa zu schicken. Robust, multinational und gefechtsbereit seien sie, sagt Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Je ein Bataillon wird von den USA, von Grossbritannien, von Deutschland und von Kanada geführt. Zwar handelt es sich insgesamt bloss um 4000 Soldaten – Russland hat auf seiner Seite der Grenze ein Zigfaches davon stationiert.

Die Nato-Militärpräsenz soll als Stolperdraht mit primär symbolischer Wirkung dienen. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen drückt es so aus: «Es ist ein klares Zeichen dafür, dass ein Angriff auf ein Nato-Land einen Angriff auf alle 28 darstellen würde.»

Die Nato-Präsenz ist ein Signal der Nato-Solidarität an die verunsicherten osteuropäischen Mitglieder, die sich zunehmend vor Russland fürchten.

Luftaufnahme des Flugzeugträgers. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Flugzeugträger «Admiral Kusnezow» auf dem Weg ins östliche Mittelmeer. Reuters

Russische Raketen in Kaliningrad

Moskau reagiert empört auf die Truppenverschiebung Richtung Ost und antwortete bereits vorab darauf – ebenfalls mit Aufrüstung: Russland stationierte in seiner Exklave Kaliningrad, also direkt vor der polnischen und litauischen Haustür, Iskander-Raketen, die mit atomaren Sprengköpfen ausgestattet werden können. Zudem verstärkt es seine baltische Flotte.

Ins gleiche Kapitel gehört die demonstrative Verschiebung eines Flottenverbandes ins Mittelmeer, angeführt von Russlands einzigem, allerdings nicht sehr kampfkräftigen Flugzeugträger namens «Admiral Kusnezow». Die Nato äussert sich besorgt, weil mit den Kriegsschiffen die Angriffe auf das syrische Aleppo unterstützt werden sollen.

Die Nerven sind angespannt

2:22 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.10.2016

Russland wollte sein Geschwader auf dem Weg ins östliche Mittelmeer sogar demonstrativ in Spanien betanken und so dem Westen gleich auch eine lange Nase drehen. Nachdem die Nato jedoch in Madrid scharf intervenierte, wird das nun nicht passieren.

Doch die Nerven sind angespannt. Die Zeichen stehen auf Sturm.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Putins Selbstbewusstsein gegenüber dem Westen

    Aus Tagesschau vom 11.10.2016

    Die Absage von Putin verdeutlicht den Graben zwischen dem Westen und Russland. Erst letzte Woche hatte der Kreml-Chef angekündigt, neue Atom-Raketen an der Grenze zur EU zu stationieren. Eine markige Haltung Moskaus, die sich so schnell nicht ändern dürfte.

  • Eiszeit zwischen Russland und den USA

    Aus Tagesschau vom 4.10.2016

    Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist zurzeit frostig. Dies nachdem etliche Anläufe zwischen den beiden Aussenministern Kerry und Lawrow, im Zusammenhang mit dem Syrienkrieg eine Lösung zu finden, gescheitert sind. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Peter Düggeli in Washington Einschätzungen von SRF-Korrespondent David Nauer in Moskau