Zum Inhalt springen

Volkskongress in China Das Reich der Mitte muss höhere Schulden machen

Legende: Video Chinas Elite trifft sich zum Parteikongress abspielen. Laufzeit 01:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 05.03.2017.
  • China muss in diesem Jahr mehr Schulden machen. Das Haushaltsdefizit steigt im Vergleich zum Vorjahr um 200 Milliarden auf 2,38 Billionen Yuan – also umgerechnet 324 Milliarden Euro.
  • Das geht aus dem Haushaltsentwurf hervor, der zum Auftakt der Plenarsitzung des Volkskongresses in Peking vorgelegt wurde.
  • Grund für die höheren Schulden sei das langsamere Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte von «rund 6,5 Prozent».

Vor den rund 2900 Delegierten sagte der chinesische Regierungschef Li Keqiang, das Defizit werde aber weiterhin lediglich drei Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen. Diese drei Prozent werden allgemein als kritische Schwelle angesehen. Keqiang äusserte sich aber besorgt über die hohe Verschuldung von Unternehmen, die «schrittweise auf ein akzeptables Niveau gebracht» werden solle.

Legende: Video «Viel zu sagen haben die Abgeordneten nicht» abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.03.2017.

In seinem Rechenschaftsbericht hatte Li Keqiang zuvor das Wachstumsziel für die zweitgrösste Volkswirtschaft in diesem Jahr auf rund 6,5 Prozent gesenkt. Im Vorjahr hatte die Zielvorgabe «6,5 bis 7 Prozent» betragen. Trotz schwächerer Konjunktur waren aber 6,7 Prozent Wachstum erreicht worden – das niedrigste Wirtschaftswachstum seit 26 Jahren.

Der Premier versprach zudem, die proaktive Haushaltspolitik fortsetzen zu wollen, um die Wirtschaft zu stützen. Die Ausgaben der Zentralregierung sollen laut Haushaltsentwurf um 6,5 Prozent steigen. Das sind ein halber Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Die Inflation soll bei rund drei Prozent gehalten werden.

In seiner Rede zur Eröffnung der diesjährigen Plenartagunges des Volkskongresses versprach der Premier zudem, das Investitionsumfeld zu verbessern und mehr Industriebereiche für ausländische Unternehmen öffnen zu wollen. Er bekräftigte damit frühere Zusagen, dass ausländische Firmen mit chinesischen gleich behandelt werden sollen, wenn es um Lizenzen, öffentliche Ausschreibungen und Standards gehe.

Kohle- und Stahlproduktion soll gedrosselt werden

Das Reich der Mitte will seine Überkapazitäten in der Stahl- und Kohleindustrie ausserdem abbauen. Vor dem Hintergrund der Spannungen mit Europa und den USA im Handel sicherte Regierungschef Li Keqiang zu, in diesem Jahr die Produktionskapazität um rund 50 Millionen Tonnen Stahl reduzieren zu wollen. Auch sollen Anlagen zur Förderung von mindestens 150 Millionen Tonnen Kohle geschlossen werden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Den chinesischen Zahlen kann kaum getraut werden wie O. Schmid erwähnt. Trotzdem: ein Wachstum von 6% bedeutet eine Verdoppelung des Sozialproduktes ca. alle 12 Jahren. Jedes exponentielle Wachstum ist zeitlich begrenzt möglich. Somit haben alle Wirtschaftssysteme, welche ein solches Wachstum benötigen, um zu funktionieren, ein Ablaufdatum.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oliver Schmid (Oliver Schmid)
    Sind diese Prognosen glaubhaft ? Unter Wirtschaftsfachleuten wird schon länger angezweifelt, ob China überhaupt noch 6% wächst. Da ja alles staatl. kontrolliert (manipuliert) ist, hält sich die Aussagekraft von solchen Zahlen sehr in Grenzen. Die Kommentatoren hier scheinen vergessen zu haben, wie China 2015 sogar die Börse manipulierte. Als die Kurs einbrachen wurde Journalisten die negativ über die Börse schrieben, verhaftet. Staatl. Firmen mussten Aktien kaufen, PKs hatten ein Verkaufsverbot.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Mit der Schuldentheorie wurde ein Teufelskreis in Gang gesetzt. Aus der Menschheitsgeschichte ist zu entnehmen, dass stetes Schulden machen über kurz oder lang stets der Anfang des Untergangs des Schuldenmachers war, ist und bleibt! Weil sich sogar Gläubiger verschulden (z.B. Staaten, Banken, Konsumenten, etc.), beschleunigt sich dieser Prozess. Nun glaubt aber die Elite der Hochschulen, Politik, Wirtschaftsverbände & Co., es braucht ein "ewiges Wachstum von min. 2%" als Kompensation. Irrtum!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Der Teufelskreis ergibt sich darin, dass mit jedem Kredit die Zinsen nicht mitgeschöpft werden, welche die Schuldner während der Laufzeit zahlen müssen. Wie soll es möglich sein, dass alle Schuldner nach X-Jahren insgesamt mehr zurückzahlen, als sie an Krediten erhielten? Woher soll dieses Geld stammen? Wächst die Wirtschaft exponentiell, lässt sich die Geld- und Kreditmenge stets exponentiell ausweiten, womit die "Zinsen" bezahlt werden können (ein Schneeballsystem).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen