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Eine Fraue mit Mundschutz in Shanghai.
Legende: Smog gehört in Chinas Grossstädten – wie hier in Shanghai – zum Alltag. Reuters
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International «Das Umweltbewusstsein in China ist stark gestiegen»

Klimasünder China hat kurz vor dem G20-Gipfel in Hangzhou das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Dies kommt wenig überraschend, sagt SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi in der chinesischen Metropole. China spüre den Druck der Bevölkerung, verfolge aber auch wirtschaftliche Interessen.

SRF News: Warum hat China gerade jetzt das Klimaabkommen ratifiziert?

Martin Aldrovandi: Das Umweltbewusstsein ist in China in den letzten Jahren stark gestiegen. Nachdem man in den Jahrzehnten zuvor alles auf das Wirtschaftswachstum gesetzt hatte, merken die Menschen langsam, welchen Preis sie dafür bezahlen. Viele leiden unter der schlechten Luft oder verschmutzten Gewässern und Böden.

Die chinesische Regierung will mit dem Klimaabkommen ein Zeichen gegen innen setzen. Sie will der Bevölkerung zeigen, dass sie etwas unternimmt. Es gibt aber auch ein langfristiges ökonomisches Interesse. Die alte Stahl- und Kohleindustrie verschmutzt die Umwelt und kostet China dazu noch viel Geld, weil sie nicht mehr rentiert. Nur schon aus diesem Grund hat man langfristig ein Interesse, auf neue Technologien und Industrien zu setzen.

Wie merkt man die Umweltverschmutzung im chinesischen Alltag?

Gerade heute ist die Luft in Hangzhou natürlich sehr gut. Es gibt kaum Verkehr und die Fabriken rund um die Stadt wurden wegen des G20-Gipfels für ein paar Tage geschlossen. Aber das ist nicht der Alltag. Gerade Hangzhou gehört zu den Städten Chinas mit den schlimmsten Verkehrstaus. Die Luftwerte sind sehr oft überhaupt nicht gut. Die Feinstaubwerte überschreiten die WHO-Grenzwerte vor allem im Winter um ein Vielfaches. Kinder von meinen Bekannten durften letzten Winter tagelang nicht nach draussen, um zu spielen. Die Umweltverschmutzung in China ist also nicht einfach ein abstraktes Konzept. Die Menschen spüren sie fast täglich und machen sich Sorgen um ihre Gesundheit.

Audio
SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi über Umweltschutz in China
aus Echo der Zeit vom 03.09.2016.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 58 Sekunden.

Gibt es denn in China Umweltschutzbewegungen, welche die Umweltverschmutzung bekämpfen?

Es gibt chinesische NGO, aber auch Greenpeace ist in China tätig. Diese Organisationen können die Regierung zum Teil kritisieren, sind aber letzten Endes auf die Behörden und deren Goodwill angewiesen.

Es gibt aber auch positive Beispiele: Kürzlich gingen in der Provinz Jiangsu nördlich von Shanghai tausende Menschen auf die Strasse und demonstrierten erfolgreich gegen eine Wiederaufbereitungsanlage von Atommüll. Die Polizei liess die Demonstranten gewähren. Das Problem ist jedoch, dass man nie im Voraus weiss, wie die Behörden reagieren werden. Viele Aktivisten und NGO’s bewegen sich in einem Graubereich und können nicht wie in der Schweiz eine Kundgebung ankündigen und ihre Anliegen anbringen.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

Martin Aldrovandi

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Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Dölf Meier  (Meier Dölf)
    Und nun könnten die Herren Girod. Pardini und Nussbaumer mit Assistenz vom Frau Rytz nach China reisen um das Reich der Mitte zu retten.
  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Das ist doch überhaupt nicht wahr. Um beim G-20-Gipfel eine fast leere und saubere Stadt zu haben und kein SMOG die Luft trübt, hat die Regierung viele hundertausende von Feriengutscheinen an die Bevölkerung verteilt, damit sie in dieser Zeit aus der Stadt gehen. Und dann solche Meldungen, dass China umweltfreundlich sei. Das ist mehr als "Betrug" an der ganzen Welt. Genau bei solchen Spielchen machen Obama, Merkel und der Papst und BankiMoon noch so gerne mit. Ist die Welt am verblöden?
    1. Antwort von Christian Szabo  (C. Szabo)
      Sie haben Recht. Bei solchen Treffen wird die Bevölkerung gerne ausgegrenzt. Die Methoden sind zwar verschieden, doch das Ergebnis ist fast überall ähnlich. Der grösste Aufwand wird betrieben, wenn US-Präsidenten anwesend sind. Erinnere nur an das G7-Treffen in DE. Aber entscheidend sind nicht die Treffen, sondern das, was nachher daraus hervorgeht. Und der "schöne Schein" gehört seit Epochen zu Elite-Veranstaltungen. Weltweit und in allen Systemen.
  • Kommentar von Fritz Kartoffel  (Mosses01)
    Umweltbwusstsein in China - da lachen die Hühner noch während den nächsten 100 Jahren.