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International Der «Dschungel» wird geräumt – bis jetzt keine Zwischenfälle

In Calais hat die Auflösung des Flüchtlingslagers begonnen. Die rund 6500 Flüchtlinge, die via Ärmelkanal nach Grossbritannien gelangen wollten, sollen nun auf ganz Frankreich verteilt werden. Bis jetzt ist die Räumung friedlich verlaufen.

Legende: Video Erste Welle von Migranten verlässt Calais abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.10.2016.

Die Auflösung des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais hat begonnen. Vor einem Registrierzentrum in der Nähe des «Dschungels» warteten am Montagmorgen mehrere hundert Migranten.

Laut einem Sprecher der Präfektur Pas-de-Calais sollen die Flüchtlinge dort ab acht Uhr befragt werden, bevor sie auf ganz Frankreich verteilt werden. Ein Asylverfahren findet dort nicht statt. Den Menschen sollen zwei Regionen vorgegeben werden, zwischen denen sie wählen können. Ausgenommen sind Paris und Korsika.

Unterteilung in Gruppen

Vor ihrer Umplatzierung sollen die Flüchtlinge unterteilt werden in Familien, Erwachsene, unbegleitete Minderjährige und verletzliche Individuen, darunter ältere Menschen und allein angekommene Frauen. Über das Schicksal von 1300 unbegleiteten Kindern wird laut dem französischen Innenministerium immer noch verhandelt.

Abgeschlossen werde die Räumung heute nicht, erklärt Frankreich-Korrespondent Charles Liebherr. Ziel der Behörden sei es, dass die Verteilung der Flüchtlinge ruhig verlaufe. Und nach seinen Beobachtungen sei dies auch der Wunsch der meisten Migranten.

Grund für den Zeitpunkt der Räumung sei nicht nur die Grösse des Lagers, sondern auch der kommende Winter: «Dieser droht das ganze Gelände zu einer grossen Schlamm-Wüste zu machen, wo die hygienischen Bedingungen es nicht mehr erlauben, Menschen dort in einigermassen würdigen Verhältnissen unterzubringen.»

Paris setzt auf Freiwilligkeit

Man setze darauf, dass sich die Menschen freiwillig melden, sagte Pierre-Henri Brandet, Sprecher des Pariser Innenministeriums. «Keiner wird gezwungen, sich in einen Bus zu setzen.» Seit langem arbeiteten die Behörden allerdings mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Menschen davon zu überzeugen, das Lager zu verlassen.

Legende: Video Michael Gerbers Eindruck von der Räumung abspielen. Laufzeit 02:05 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.10.2016.

Manche Bewohner wollen allerdings in Calais bleiben. Sie fürchten, dass sie dann keine Chance mehr auf die Weiterreise nach Grossbritannien haben. Einige Migranten haben bereits vor der Räumung das Lager verlassen und eine andere Unterkunft im Norden Frankreichs gesucht, so Flüchtlingsorganisationen. Sie wollen weiterhin versuchen, mit Bussen, Lastwagen oder Schleppern über den Ärmelkanal zu kommen.

In der Nacht hatte es erneut gewaltsame Zusammenstösse zwischen Flüchtlingen und der Polizei gegeben. Polizisten feuerten an einer Umgehungsstrasse des Hafens und im Lager Trängengasgranaten ab. Dort standen sie Dutzenden Steine werfenden Flüchtlingen gegenüber.

Schliessung des Lagers soll etwa eine Woche dauern

Im Camp hatten zuletzt etwa 6500 Menschen in Zelten und Hütten gelebt. Sie wollten von dort illegal nach Grossbritannien gelangen. Die Schliessung des Lagers soll etwa eine Woche dauern. Fast 200 minderjährige Flüchtlinge waren noch vor dessen Räumung nach Grossbritannien gebracht worden.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Koller (Mica)
    Es ist schon bedenklich, dass ein Land wie Frankreich es nicht schafft die Flüchtlinge ordentlich unter zu bringen und zu versorgen. Das sind keine 10'000 Menschen. Da muss man sich fragen, was wohl im Falle einer Naturkatastrophe passiert, wenn tausende Menschen plötzlich nichts mehr haben. Wird die Regierung dann auch so unfähig sein und die Menschen sich selbst überlassen?
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    1. Antwort von W. Ineichen (win)
      Es sind keine Flüchtlinge, sondern illegale Einwanderer. Illegale Einwanderung ist ein strafrechtlicher Tatbestand. Muss ein Land auf Vorrat kostenlose Unterkünfte für solche Straftäter schaffen? Versuchen Sie mal illegal in eines der Herkunftsländer dieser Migranten einzureisen. Sie würden verhaftet und im Gefängnis landen.
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    2. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Ich stelle an meine Gesellschaft höhere Ansprüche zumal wir die Armut in diesen Ländern gefördert und für uns genutzt haben. Nun wundern wir uns plötzlich, dass diese Menschen auch ein besseres Leben haben wollen. Auch unerwünschte Menschen müssen ordentlich behandelt werden.
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    3. Antwort von Yannick Martin (Kampfsalami)
      @W.Ineichen Ich denke es ist sinnlos mit Ihnen darüber zu diskutieren ob ein ein Mensch illegal sein kann oder nicht. Zu ihrer Aussage, dass wenn wir unerlaubt in eines der Herkunftsländer reisen, wir inhaftiert würden, stimme ich ihnen zu. Der Unterschied besteht aber darin, dass wenn wir in diese Länder wollen, wir dies nicht illegal tun müssen. Sie könne ja mal Ferien in einem dieser Länder machen. Vielleicht verstehen sie dann wieso ihre sogenannten "Straftäter" fort wollen.
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    4. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @M. K.: Und für ein besseres Leben in England, dem Land ihrer Träume, campieren sie 14 Jahre in Calais? Und laut Nachrichten, sind schon viele untergetaucht & werden wieder dahin zurückkehren. Bereits entstehen überall wieder kleine Lager der "Untergetauchten, welche sich für ein besseres Leben in Frankreich nicht verteilen lassen, sich nicht registrieren lassen wollen & also gar nicht "ordentlicher" behandelt werden wollen.
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    5. Antwort von Fabienne Uhlmann (Fabienne Uhlmann)
      An Koller. Bitte differenzieren: Ist wirklich in all diesen Ländern die Armut durch die Europäer gefördert worden? Wo sind denn die Milliarden an Entwicklungshilfe "versickert"?. Wie steht es denn mit der Eigenverantwortung in diesen Ländern? Sind mit der Flucht der vorwiegend jungen, arbeitsfähigen Männer die Probleme gelöst?
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    6. Antwort von Michel Koller (Mica)
      @Uhlmann: Entwicklungsgelder sind oftmals bloss eine Alibiübung. Die Mittel welche eingesetzt werden um den Status Quo beizubehalten sind beträchtlich grösser. Fischereirechte für Europa sind da ein gutes Beispiel. Wir kriegen günstigen Fisch und die lokale Bevölkerung hat keine Jobs mehr und auch nichts mehr zu futtern. Nahrungsmittel werden exportiert, während die Leute im Land hungern. Wäre ich Eritreer, Marokkaner, Kongolese etc., würde ich auch nach Europa gehen.
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    7. Antwort von Fabienne Uhlmann (Fabienne Uhlmann)
      Herr Koller. Demnach könnte man Milliarden an Entwicklungsgelder streichen, da Sie diese nur als Alibiübung betrachten. Beispiel Fischereirechte: Weshalb wehren sich die Afrikaner nicht mit VERBINDLICHEN Auflagen an sämtliche Konzerne, z.B. für Menschenrechte und nachhaltigen Umweltschutz in ihrem Land? Weil die entsprechenden Regierungen wegen Korruption selber kein Interesse und Verantwortungsgefühl gegenüber den Menschen ihres Landes haben!!
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    8. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Da muss man sich aber die Frage stellen, wieso wir mit diesen Regierungen solche Verträge abschliessen, wenn wir von deren Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Bevölkerung wissen. Damit wären wir wieder bei dem Punkt, dass wir eben auch die Verantwortung tragen. Die Aufstände der Bevölkerung gab es doch schon aber erst der Anfang. Was sagte mir mal Jemand... "Wir bräuchten kein Geld von euch, wenn ihr aufhören würdet uns unser Zeugs weg zu nehmen"
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Calais ist wie auch Idomeni ein Symbol für illegales Verhalten von Leuten, die echte Flüchtlinge oder auch nur Wirtschaftsmigranten sein mögen, sich jedenfalls nicht an die Gesetzte halten und meinen, einen Anspruch auf Selbstzuweisungsrecht, inklusive reichlich Sozialhilfe, in ein Land ihrer Wahl zu haben. Und warum lässt man die Verursacher der Müllberge einfach so abziehen die zudem noch illegal in Europa sind? Was sind das inzwischen nur für Zustände in Europa?
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Ein englisches Pärchen war in Calais und hat die Migranten interviewt: "Well-Dressed "Refugees" Admit They Are Just Coming For the Free Stuff" Sie wissen genau, dass viele Briten sie nicht wollen, es interessiert sie nicht. Genauso wissen sie, wenn sie einmal im Land sind für immer bleiben können. Heute mit den digitalen Möglichkeiten ist die ganze Welt vernetzt und man kennt die Gesetze. Vor der libyschen Küste sind innerhalb von zwei Tagen 5700 Bootsmigranten abgeholt worden. Wo endet das?
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