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International «Der Machtkampf ist eine Tragödie für den Irak»

Der blutige Feldzug der IS-Terroristen im Irak lässt sich auch deshalb kaum stoppen, weil sich Premier Maliki in Bagdad mit aller Kraft an die Macht klammert. Erst wenn eine neue Regierung ohne ihn gebildet ist, kann sich etwas ändern, sagt NZZ-Korrespondentin Inga Rogg.

Zwei Swat-Angerhörige in voller Montur inklusive leichtem Maschinengewehr.
Legende: Ein Swat-Team besetzt einen wichtigen Platz in Bagdad – die Spezialtruppe steht loyal zu Maliki. Keystone

SRF: Zeichnet sich in Badgad ein militärischer Kampf um die Macht im Irak ab?

Inga Rogg: Tatsächlich soll Ministerpräsident Nouri al-Maliki wichtige strategische Installationen mit seinen Truppen besetzt haben. In erster Linie zeichnet sich aber ein politischer Machtkampf ab, der zu militärischen Auseinandersetzungen innerhalb des schiitischen Blocks führen könnte. Eine Mehrheit der schiitischen Politiker will Maliki nicht mehr als Ministerpräsidenten.

Inzwischen soll Maliki Unterstützung vom höchsten Gericht erhalten haben. Was bedeutet das?

Das hat das von Maliki kontrollierte Staatsfernsehen behauptet. Aber diese Darstellung ist offensichtlich nicht ganz richtig. Das Gericht hat nur ein Urteil von 2010 bestätigt. Damals befand es, dass die schiitische Allianz – das Bündnis aller

schiitischen Parteien, das erst nach der damaligen Wahl gebildet wurde – den grössten Block bilde. Damit bootete Maliki damals Iyad Allawi aus, der am meisten Stimmen geholt hatte. Die jetzige Urteilsbestätigung bedeutet, dass sich der Machtkampf im Irak weiter hinziehen wird und es noch länger dauert, bis eine neue Regierung zustande kommt.

Die USA haben Maliki inzwischen fallen gelassen und pochen auf eine neue politische Führung. Gleichzeitig unterstützen sie die Kurden im Nordirak in ihrem Kampf gegen die IS-Terroristen. Was heisst das für Maliki und seine Regierung?

Die Frage ist, wie sich das nun auswirkt in der politischen Landschaft des Iraks. Es kann sich durchaus als ein Schuss nach hinten herausstellen, etwa dann, wenn Maliki nicht aufgibt. Ausserdem wird die Regierung in Bagdad vorderhand keine grössere militärische Unterstützung der USA erhalten. Washington hat dies davon abhängig gemacht, dass Maliki seinen Platz räumt für einen Nachfolger, der zu den Sunniten und allen anderen Bevölkerungsgruppen eine Brücke schlägt und sie auch in die Regierung einbindet.

Ein innenpolitisch zerstrittener Irak, eine Lösung zeichnet sich nicht ab: Inwiefern spielt das den Terroristen im Norden in die Hände?

Der politische Machtkampf in Bagdad ist eine Tragödie für den Irak, weil er tatsächlich den Extremisten hilft. Sie nutzen das Machtvakuum und den Unmut unter den Sunniten. Die IS-Terroristen haben bislang ja vor allem sunnitische Gebiete überrannt. Die Sunniten dort schauen entweder weg oder unterstützen die Extremisten direkt im Kampf gegen die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad. Das wird sich erst ändern, wenn es tatsächlich eine neue Regierung gibt.

Das Interview führte Brigitte Kramer.

Inga Rogg

Inga Rogg
Legende: ZVG

Inga Rogg ist NZZ-Journalistin und lebt zeitweise im Irak. Zurzeit ist sie in Istanbul. Seit 2003 berichtet sie für die NZZ und die «NZZ am Sonntag» aus dem Irak, seit 2009 ist sie auch für SRF im Einsatz.

Obama zufrieden mit US-Einsatz

US-Präsident Obama hat die Schritte zur Bildung einer neuen Regierung im Irak begrüsst. Die Nominierung von Haider al-Abadi zum Regierungschef sei ein wichtiger Schritt gegen die Dschihadisten, sagte Obama in einer Stellungnahme. Auch die US-Luftanschläge gegen die IS seien bisher erfolgreich ausgeführt worden.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Maliki sollte endlich beseitigt werden - egal wie. Das ist ja unfassbar wie dieser machtbessene, korrupte Sack sein Land ausbluten lässt, nur weil sich dieser Mann weigert, endlich eine nationale Regierung zu bilden, die allen Ethnien und Religionen Rechnung trägt. Maliki trägt die Hauptschuld, warum die ISIS bei ihrem Vordringen in den Irak kaum auf Widerstand stiess und bei vielen Sunniten Rückhalt geniesst.
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  • Kommentar von Daniel Briner, Neerach
    Solche Aussagen sind nur noch unerträglich, wie "der blutige Feldzug der IS-Terroristen im Irak lässt sich auch deshalb kaum stoppen, weil sich Premier Maliki in Bagdad mit aller Kraft an die Macht klammert"! Wer bitte, soll das den für bare Münze nehmen? Zu hoffen, irgend ein Neuer Obama's-Gnaden Hampelmann in Bagdad könnte die IS aufhalten? Eine Verhöhnung aller IS-Opfer ist das! Gegen IS hilft nur ein gnadenloser Militärschlag, aber sicher nicht von ein paar Zivilisten mit Kalaschnikov's!
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    1. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @Daniel Briner: Maliki hat sich seit jeher geweigert, die Sunniten in die irakische Regierung einzubinden. Damit hat er die Weichen auf Konfrontationskurs gestellt und die Erstarkung der IS ungewollt unterstützt. Maliki ist somit Teil des Problems.
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    2. Antwort von Urs Wirth, Jegenstorf
      Ich denke, sie sollten sich einmal mit der Entwicklung der letzten Monate befassen, dann würden Sie nicht einfach gegen die USA wettern. Der Irak-Krieg war ein grosser Fehler, aber Obama versucht (zusammen mit anderen Ländern) nun wirklich eine - die einzige - tragfähige Lösung für den Irak zu finden.
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    3. Antwort von Daniel Briner, Neerach
      Danke für eure feinfühligen Belehrungen, nun ich kann euch Beiden versichern, bin seit dem ersten Irakkrieg umfassend informiert und weiss haargenau, wer wann was wie unterlassen hat, die nun zu den heutigen desaströsen IS-Mordorgien führten! Und ich kann euch auch jetzt schon voraussagen, das auch der Neue Schiitenpräsident daran gar nichts ändern können wird! Als Realist bin ich weder Optimist noch Pessimist!
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Aber bestehen da nicht Parallelen zur Ukraine? Die Regierung in Kiew weigerte sich auch stets die Ost-Ukrainer einzubinden & hat somit die Weichen auf Konfrontationskurs gestellt. Als dann wäre die Regierung in Kiew auch das Problem dieses Konflikt, oder?
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