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Schuldenkrise in Griechenland Der neueste Kredit wird nicht der letzte sein

Die Eurogruppe hat Athen erneut einen Kredit in der Höhe von über 8 Milliarden Euro gewährt. Von dem Geld, das Griechenland seit Ausbruch der Finanzkrise erhalten hat, bekommt die Bevölkerung aber nichts ab. Eine Analyse.

Legende: Audio «Griechenland: Wohin fliesst das neue EU-Rettungsgeld?» abspielen. Laufzeit 2:46 Minuten.
2:46 min, aus Rendez-vous vom 16.06.2017.

Um das griechische Drama zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück: Bis 2007 gewährten französische und deutsche Banken Griechenland noch so gerne Geld.

Man weiss heute, dass sie sich weniger dafür interessierten, ob das Land je in der Lage sein werde, die Schulden zurückzuzahlen. Ihnen reichte die Gewissheit, dass Athen die Zinsen dafür begleichen kann. Und das war lange Zeit der Fall.

Bis zum Ausbruch der Finanzkrise. Da explodierten die Zinsen. Athen drohte der Bankrott, und es bestand die Gefahr, dass auch französische und deutsche Banken, die den Griechen viel Geld ausgeliehen hatten, mit in den Strudel gerissen würden. Als damals die Euroländer und der Internationale Währungsfonds IWF Griechenland mit einem ersten Kreditpaket unter die Arme griffen, ging es um die Rettung dieser französischen und deutschen Banken.

Europas gesamte Wirtschaft in Gefahr

Wären diese Kolosse ins Taumeln geraten, hätten sie womöglich das gesamte europäische Bankensystem in den Abgrund gerissen, derart angespannt war die Lage damals. Da Banken und Wirtschaft eng verflochten sind, ging es auch um die Stabilisierung der ganzen europäischen Wirtschaft und damit der Löhne aller.

Seither hat Griechenland drei Rettungspakete mit rund 250 Milliarden Euro erhalten. Mit dem Geld wird jedoch nicht das Leben der Griechen finanziert. Es dient hauptsächlich dazu, neue Kredite aufzunehmen, um alte Schulden zurückzuzahlen. Ohne diese Hilfe wäre Athen morgen bankrott.

Euroländer und IWF gewähren Aufschub

Bedingungslos erhält Griechenland das Geld nicht. Es muss massiv sparen – bei den Löhnen, den Renten, den Staatsausgaben. Zwischen 2010 und 2013 lieferte es ausserdem Deutschland 360 Millionen Euro an Zinsen ab. Seither sinkt die Zinslast. Die Euroländer und der IWF haben begonnen, die Rückzahlung der Kredite weit in die Zukunft zu verschieben. Und Zinsen muss Athen für die meisten Kredite auch erst ab 2020 zahlen.

Damit soll dem Land Luft verschafft werden, damit die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Das passiert freilich nur sehr langsam, da Griechenland gar keine richtige Wirtschaft hat und wegen eigener Versäumnisse kaum jemand investieren will. Der letzte Nacht gewährte 8-Milliarden-Euro-Kredit wird also nicht der letzte sein.

6 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Griechenland war von Anfang an nicht parat für die EU, die korrupte Regierung (Familienclan) hatte die Bilanz gefälscht, die EU (Banker) wollte es nicht sehen und nun tut man so, als ob das Problem zu lösen sei. Frankreich hat gerade einen Investment Banker zum Präsidenten gewählt und wartet auf ein Wunder. Die Idee der EU ist gut, die Umsetzung ist eine Katastrophe! Solange Deutschland den Ton angibt und Gewinner dieses Wirtschaftskonstrukts ist, wird sich auch Nichts daran ändern!
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Die Idee der EU waren eben nicht wirtschaftliche Interessen, sondern um damit einen weiteren Krieg in Europa zu verhindern. Und meine, dass die EU-Banker damals bewusst nicht genau hingeschaut hat. Mehr wohl zählte, dass Griechenland ein wichtiger Stützpunkt für die NATO ist. Und ist ein Land dann 100% von Banken abhängig, verliert es jede Selbstbestimmung.
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  • Kommentar von Marcel Meier (Cello)
    Zuerst haben die europ. Banken den über ihre Verhältnisse lebenden Griechen das Geld nachgeworfen. Und sie haben gewusst, dass eben dies nicht gut ausgehen kann. Danach wurden die Banken "gerettet" und die griechische Bevölkerung, von denen die meisten nie profitiert haben, ins Elend gestürzt. Macht korrumpiert. Man fragt sich, ob sich je was ändern wird.
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  • Kommentar von Manuel Pestalozzi (M. Pestalozzi)
    Der Artikel kritisiert, dass man mit den Rettungspaketen die Banken bedient, welche von Griechenland keine Zinszahlungen mehr erhalten. Sie hätten, so muss man folgern, Griechenland die Kredite nie gewähren sollen. Vermutlich wäre das Land dann einfach einige Jahre früher in den Bankrott gerutscht. Die Verantwortung tragen die demokratisch gewählten Regierungen Griechenlands, man kann es nicht wegdiskutieren.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Alle Länder in der EU sind stark verschuldet & alle leben sie auf Pump. Aber statt mit Bürokratie & Auflagen viele mittlere & kleinere Existenzen zu ruinieren, hätte man von Anfang an in diese, generell in die Wirtschaft investieren sollen. Lieber hat man aber Banken gerettet & so wird auch weiterhin einfach Geld von Bank zu Bank verschoben, ohne es den Menschen nützt.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      MP, es nützt nichts, heute die früheren Regierungen als Verantwortliche zu definieren (Versäumnisse in Wirtschafts- und Steuerfragen) und gleichzeitig die heutige Regierung handlungsunfähig zu machen. - Nebst den GR-Regierungen sind aber Kreditgeber ebenso verantwortlich; ohne entsprechende Sicherheiten bekommt heute kein Häuslebauer mehr einen Hypothekarkredit. Die Bonitätsprüfung des Kreditnehmers liegt in der Verantwortung des Kreditgebers. In der Zusammenarbeit mit GR wurde diese unterlassen
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