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Der vergessene Krieg im Jemen Die verkauften Mädchen

Mädchen als Opfer des Krieges: Aus purer Not verkaufen Eltern im Jemen ihre Töchter, um Geld zu kriegen für Medikamente, für Essen, zum Überleben.

Legende: Video Kinderehen im Jemen abspielen. Laufzeit 02:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.07.2018.

Reina war elf Jahre alt, als sie mit ihrem Leben abschloss: «In dem Moment, als ich verheiratet wurde, dachte ich: ‹Das war es, Reina, jetzt ist dein Leben vorbei.›» Nervös knetet die heute 14-Jährige ihre Hände. Hände, die aussehen, als gehörten sie einer 30-Jährigen.

Lange Tradition der Kinderheirat

Es ist ein karger Raum, in dem wir Reina treffen. Mehr Hütte als Haus. Eine Stunde lang sind wir aus Aden herausgefahren, unsere bewaffneten Leibwächter sind immer nervöser geworden, schliesslich ist dieser Teil des Jemens mehr Al-Kaida-Land als gesichertes Regierungs-Terrain.

Hier, in der Abgeschiedenheit ausserhalb von Aden, gehörten Kinderehen schon vor dem Krieg zur jemenitischen Gesellschaft. Die Gründe dafür sind mehrheitlich Armut und uralte Traditionen, wie in vielen Teilen dieser Welt. Doch seit der Krieg tobt, hat die Zahl der verheirateten Mädchen nochmals deutlich zugenommen.

Mit elf Jahren verkauft

Die Zunahme von Kinderehen ist das am wenigsten sichtbare Zeichen der überproportionalen Auswirkung des Krieges auf Kinder. Fast ein Drittel aller zivilen Opfer sind Kinder. Viele Kinder sind verstümmelt. Und eben: Sie werden verheiratet, so wie Reina. «Ich kannte den Mann nicht, den ich heiraten sollte. Er war mehr als doppelt so alt wie ich. Freunde haben meiner Familie erzählt, er sei ein wohlhabender Mann.» Also hat Reinas Vater seine elfjährige Tochter verheiratet. Er hatte das Brautgeld nötig – und ohne Reina ein hungriges Maul weniger zu ernähren.

Legende: Video «Mein Mann wollte mich und meinen Sohn umbringen» abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.06.2018.

Reina zog zu ihrem Mann – und erlebte die Hölle auf Erden. «Es wurde mir schnell klar, dass mit meinem Mann etwas nicht stimmte. Er hatte psychische Schwierigkeiten. Immerzu erniedrigte er mich, er verprügelte mich.» Ein Jahr nach der Hochzeit kam Sohn Mohammed zur Welt. «Als mein Mann in einem Wutanfall mich und meinen Sohn töten wollte, beschloss ich: Es ist genug.»

Reina hatte Glück. Sie traf auf Aya Saqaf, eine junge Aktivistin, die gegen Kinderehen ankämpft. «Vor fünf Jahren starb eine meiner besten Freundinnen, als sie Zwillinge gebar. Da beschloss ich zu kämpfen.»

Legende: Video «Die Familie bekommt Geld für ihre Tochter» abspielen. Laufzeit 00:33 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.06.2018.

Aya ist selber kaum 20 Jahre alt. Als sie ihren Kampf begann, hätten ihr die Väter die Türe vor der Nase zugeschlagen. Heute sei es ein wenig besser, aber die Armut zwingt viele Familien dazu, ihre Töchter zu verheiraten. «Die Familie einer Braut bekommt Geld für ihre Tochter. Das sind manchmal nicht mehr als 500, 700 Dollar. Dieses Geld ist der Hauptgrund, dazu wird die Familie ein hungriges Maul los, das am Tisch sitzt und essen will.»

Legende: Video «Ich habe keine Zukunft mehr» abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.06.2018.

Aya half Reina von ihrem Mann wegzukommen. Heute ist Reina geschieden. Doch ein geschiedenes 14-jähriges Mädchen mit einem zweijährigen Sohn hat in der konservativen jemenitischen Gesellschaft kaum eine Zukunft. «Ich hoffe nur, mein kleiner Sohn wird dereinst nicht so werden wie sein Vater. Das ist alles, was ich noch will in meinem Leben.»

Legende: Das Städtchen Rahj liegt rund eine Autostunde entfernt von der Interimshauptstadt Aden. SRF

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Kinderverheiratung .... im ganzen Subaequatorialraum moeglich! Selbst in Suedafrika kann man Maedchen heiraten. Das wird von den lokalen "Fuersten" abgesegnet...mit Erlaubnis der Eltern des Kindes.. und natuerlich einem ordentlichen Brautgeld selbst ich koennte ohne Weiteres in KwaZulu Natal (Provinz so gross fast wie die CH) einen Frueh-teene Heiraten und niemand taete dagegen agieren. Es sei denn der Staat bekaeme Wind davon, aber iR regelt ein kleiner Zustupf solch ein Problem...
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    So traurig. Rundschau hat darüber berichtet: https://www.srf.ch/sendungen/rundschau/gehorsam-und-ehelos-klamauk-statt-kompromiss-vergessener-krieg SA und die VAE blockieren den Hafen und lassen keine Hilfslieferungen zu, beide sind im UN Menschenrechtsrat vertreten... . Deswegen müssen die Menschen in gebastelten Hütten hausen ohne Trinkwasser und Medikamente. In der Schweiz kostet ein UMA pro Jahr ab CHF 60'000, mit dem Geld dort könnte man 100 Menschen würdig versorgen.
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    1. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Liebe Margot Helmers, bei und wohnen sie auch in gebastelten Haeusern... Satelitenschuessel inklusive und Auto dahinter... Das ist nicht das Problem, das Problem ist dass Europa 10'000de Migranten aufnimmt und die echten an Leib und Leben Gefaerdeten in deren Laendern "Verrecken" laesst, weil sie einfach nichts aendern koennen noch wollen, und der fanatische Islam halt nicht zu bremsen ist! Geld ist nicht DASProblem, es ist Herrschaft und Dominanz und Fanatismus... traurig! Homo Sapiens!
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