Zum Inhalt springen

Header

Video
Protest-Choreo gegen Gewalt an Frauen
Aus SRF News vom 30.11.2019.
abspielen
Inhalt

«Der Vergewaltiger bist Du» Das bleibt vom Aufschrei der Frauen aus Valparaiso

Der Protest in Chile fand weltweit Nachahmerinnen. Eine Bewegung wie MeToo werde es vermutlich aber nicht, sagt eine Politologin.

«Das Patriarchat ist ein Richter, der uns bei der Geburt verurteilt. Und unsere Strafe ist die Gewalt, die du nicht siehst....» Gut zwei Minuten nur dauerte sie, diese Performance, initiiert von vier Frauen aus Valparaíso in Chile, dem feministischen Kollektiv LasTesis. Es ist eine Art Tanz, eine Anklage, ein Wutschrei. Prägnant, stechend. Laut.

Die Performance «El violador en tu camino»

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Ende November gingen in der chilenischen Küstenstadt Valparaios knapp drei Dutzend Frauen mit schwarzen Augenbinden auf die Strasse und konfrontierten die Menschen mit der Protest-Performance «El violador en tu camino» (Der Vergewaltiger auf deinem Weg). Dahinter stand das feministische Kollektiv LasTesis. Fünf Tage später kamen aus gleichem Anlass über 10'000 Personen im Nationalstadion der Hauptstadt Santiago zusammen. Die Performance wurde inzwischen in vielen Städten weltweit aufgenommen.

Es geht um Femizid, also um Morde, die gezielt an Frauen verübt werden, um Missbrauch und Vergewaltigung: «Es war nicht meine Schuld, es lag nicht daran, wo ich war. Und auch nicht daran, wie ich mich angezogen habe», singen und schreien die Frauen. Vor Regierungsgebäuden, auf öffentlichen Plätzen. In lateinamerikanischen Städten vor allem, in Mexiko-Stadt, in Bogotà, Sao Paulo etwa, aber auch in Europa, in Nordamerika, in der Türkei, in Indien, oder Nordafrika.

Protest in Valparaiso
Legende: Am 29. November 2018 gingen in Valparaiso die Aktivistinnen von LasTesis auf die Strasse – mit weltweitem Echo. imago images

«El violador en tu camino» ist ein Protest, der ausdrückt, was nackte Zahlen nur bedingt können: Jeden Tag werden durchschnittlich 137 Frauen von ihrem Partner oder einem anderen Familienmitglied getötet. 50'000 im Jahr weltweit. Das zeigt eine aktuelle UNO-Studie.

Rund jede dritte Frau, auch das eine Statistik der UNO, kann von physischer oder sexueller Gewalt berichten. In Chile, wo die Protestperformance ihren Anfang genommen hat, enden gerade einmal acht Prozent aller angezeigten Vergewaltigungen mit einer Verurteilung der Täter. Es ist ein weltweites Problem und nicht neu. Immer häufiger und immer deutlicher wird es aber benannt. Das hat auch die #MeToo-Debatte gezeigt.

Politische Misere in Südamerika als Hauptauslöser

Die Politikwissenschaftlerin Birgit Meyer, die seit Jahren über Frauen und Männer in hierarchischen Beziehungen forscht, sagt denn auch: «Wir sind im Aufmerksamkeitsmodus.» Sie sieht durchaus einen – wenn auch indirekten – Zusammenhang zu #MeToo. Auch wenn die Performance «El violador en tu camino» viel lauter, viel kreativer, viel sichtbarer daherkomme.

Doch #MeToo war nicht unmittelbar der Anlass, sondern vielmehr die Übergriffe in Südamerika. In Chile, aber auch in anderen südamerikanischen Ländern. Dort gab es auch Proteste gegen die Regierungen, die massiv durch die Polizei niedergeknüppelt wurden und auch viele Frauen stark betroffen waren. «Es sind also aktuelle Vorkommnisse, wo die Frauen sich zusammengeschlossen haben und auf die Strasse gegangen sind», so Meyer.

«El violador Eres Tu» (Der Vergewaltiger bist Du). Der Auftritt der Frauen vor dem Nationalkongress in Valparaiso am 29. November 2019 löste grosses Echo aus.
Legende: «El violador eres tú – der Vergewaltiger bist Du»: Der Auftritt der Frauen vor dem Nationalkongress in Valparaiso am 29. November 2019 löste grosses Echo aus. imago images

Dass sich diese Protestperformance aus Chile zu einer transnationalen Protestbewegung ausweitet, glaubt Meyer deshalb nicht. Aber sie werde wahrscheinlich weiterhin viel Aufmerksamkeit auslösen. Es könne auch Anlass sein, mehr zum Thema zu forschen und zu berichten und auch Regierungen und die Polizei zu sensibilisieren.

Es ist ein weiterer wichtiger Beitrag zu Sensibilisierung – auch von Regierungen und Polizei.
Autor: Birgit MeyerPolitologin

In Mexiko-Stadt etwa hat die Bürgermeisterin vor kurzem einen Notstand ausgerufen. Wegen Gewalt gegen Frauen. Sie ist nicht die erste in ihrem Land. Sie sagte: «Dadurch wird das Problem sichtbarer. Das ist noch keine Lösung. Aber es kann ein Anfang sein.»

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Stefan Olarte  (Oikaner)
    Der Zusammenhang ist ja klar: Gewalt. Sexuell oder sexistisch an Frauen und Schwächeren.
    Globales Problem. Globale Protestbewegungen.
    #Metoo zielte mehr darauf ab, dass sich die Betroffenen Gehör verschafften. Einzelne Betroffene sich aus der Anonymität des Internets an die Öffentlichkeit trauten und zeigten, wie verbreitet das Problem in der Gesellschaft ist. Sehr respektabel.
    Die globalen Proteste nun gegen die system. Unterdrückung, stehen auch für jene ein, die nicht mehr sprechen können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    endlich! wehren frauen sich!
    schluss mit dem leid durch gewalt und vergewaltigung!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen