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Deutschland hat gewählt Peer Steinbrück zieht sich von der Polit-Bühne zurück

Überraschung aus Berlin: Der unterlegene SPD-Kanzlerkandidat kündigt seinen Rückzug aus der ersten Reihe der Politik an. Dies ist nicht die einzige Nachricht aus dem kleinen Parteitag. Die SPD hat auch den Weg frei gemacht für erste Gespräche mit der Union.

Die SPD will es wissen. Teilnehmer verkündeten nach dem kleinen Parteitag, der Weg für Gespräche mit der Union sei frei. Die Partei wolle die Möglichkeit einer schwarz-roten Bundesregierung ausloten. Die etwa 200 Delegierten stimmten demnach mit breiter Mehrheit für eine entsprechende Empfehlung des Parteivorstandes.

Erst nach dem Sondierungsgespräch, das kommende Woche stattfinden könnte, soll über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entschieden werden. Über einen Koalitionsvertrag soll erstmals am Ende ein Mitgliedervotum der etwa 470'000 SPD-Genossen stattfinden.

Peer Steinbrück mit nachdenklichem Blick
Legende: Steinbrück zieht Konsequenzen aus dem Wahlergebnis. Reuters/archiv

Für eine Überraschung sorgte Peer Steinbrück. Laut Spekulationen sollte der 66-Jährige den Vorsitz der SPD-Fraktion übernehmen, wenn ihr bisheriger Chef Frank-Walter Steinmeier im Fall einer grossen Koalition Minister würde.

Doch nun kommt alles anders. Wie Teilnehmer berichteten, tritt Steinbrück von der Polit-Bühne ab.

«Meine Karriere wird ein geordnetes Ende finden», soll der 66-Jährige gesagt haben. Er strebe weder in der Partei noch in der Bundesfraktion ein Amt an.

Steinbrück habe in einer bewegenden Rede die politische Verantwortung für das Wahlergebnis übernommen, hiess es. Die SPD war am vergangenen Sonntag auf 25,7 Prozent der Stimmen gekommen. Steinbrück hatte sein Wahlziel einer rot-grünen Mehrheit verfehlt.

Mitglied der Sondierungsgruppe?

Er hatte nach der Wahl angekündigt, mögliche Koalitionsverhandlungen führen zu wollen und sein Bundestagsmandat anzunehmen. Es wird erwartet, dass er in möglichen Gesprächen mit der Union noch eine Rolle spielen wird. Angeblich will er Mitglied der Sondierungsgruppe werden.

Steinbrück war von 2002 bis 2005 nordrhein-westfälischer Ministerpräsident und von 2005 bis 2009 Bundesfinanzminister und stellvertretender SPD-Chef. Seit 2009 hat er kein Parteiamt mehr.

Im Dezember 2012 wurde der gebürtige Hamburger zum Kanzlerkandidaten gekürt. Im Wahlkampf hatte er bereits angekündigt, dass er für ein Ministeramt in einer grossen Koalition nicht zur Verfügung stehe.

Steinbrück drückte aufs Gas

Als einstiger Unterstützer der Reform-Agenda 2010 von Kanzler Gerhard Schröder hatte Steinbrück in der Partei zeitweise keinen leichten Stand. Im Wahlkampf liess er sich aber trotz seiner Forderung nach «Beinfreiheit» für ein eher linkes Wahlprogramm einbinden. Nach anfänglichen Pannen fasste Steinbrück im Endspurt vor dem Bundestagsvotum Fuss und beeindruckte auch die eigenen Genossen mit unermüdlichem Einsatz.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Die Hauptlehre, die wir aus diesen Wahlen ziehen können, ist die, dass eine so grosse Partei wie die SPD es sich ganz einfach nicht leisten kann, mit einem Kandidaten anzutreten, der zwar fachlich hervorragend ist, aber nie die Popularität eines Willy Brandt oder Helmut Schmidt erreicht hat. Als ich damals die Nachricht hörte, dass die SPD mit Steinbrück antreten wolle, konnte ich das lange nicht glauben. Hat diese Partei denn keine Leute mehr, die auch Herzen gewinnen können?
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    1. Antwort von A. Bauer, Zürich
      @Juha Stump, Zürich: ...Persönlichkeiten wie Brandt, Schmidt, Hubacher, Richard sind am Aussterben. Aktuell und zukünftig dominieren wieder Machtpolitik und Hetze wie in langer Vergangenheit..
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    2. Antwort von O. Toneatti, Bern
      Juha Stump@ Frau Merkel hat in ihrer Regierungszeit alle ihre Kanzlerkonkurrenten aus der CDU/CSU geschickt ausgeschaltet. So konnten die Wähler dieser Parteien nur Frau Merkel oder linke Parteien wählen. Die SPD hat zurzeit wie die CDU/CSU ausser Frau Merkel keine valablen Kanzlerkandidaten/innen. Nur so konnte Frau Merkel diesen grossen Wahlsieg erreichen.
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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Das ist überhaupt keine Überraschung – und entspricht meiner Vorhersage: Nach der Wahl gibt es eine Grosse Koalition – und Steinbrück, der von Anfang an genau wusste, dass keine Gefahr besteht gewählt zu werden, wird sich freudig aus der Parteispitze zurück ziehen und lieber wieder hochdotierte Vorträge halten, vor Leuten (= Bankstern), die nicht an seinen aktuellen Verbindungen interessiert sind, sondern an seinen früheren "Leistungen" FÜR SIE. Bringt auch mehr ein als der Kanzlerjob.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Irgendwie schade.. schon wegen der Kavallerie... er hat uns viel Schreibfreude bereitet, dafuer danke ich ihm.
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