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International «Die Griechen glauben an eine Lösung mit der EU»

Heute treffen sich die Euro-Finanzminister in Brüssel. Thema am Spitzentreffen ist die Zukunft Griechenlands in der Währungsunion. Die Ausgangslage ist prekär. Ende Monat läuft das Hilfsprogramm für Griechenland aus. Wie stehen die Chancen auf eine Einigung?

Eine Euro-Statue vor Gebäuden des EU-Parlaments in Brüssel.
Legende: Bleibt Griechenland in der Währungsunion? Die Ausgangslage vor dem Treffen der Euro-Finanzminister ist prekär. Reuters

SRF News: Am Wochenende hat die griechische Regierung unter der Führung der linksradikalen Partei Syriza weiter mit den internationalen Geldgebern verhandelt. Wie will Griechenland den Schuldenstreit lösen?

Corinna Jessen: Bisher hat man lediglich eine Bestandsaufnahme der Punkte gemacht, in denen man sich einigen könnte und in denen man noch weit von einer Einigung entfernt ist – und das sind die meisten. Die griechische Regierung möchte das Kreditprogramm nicht weiterführen, sondern erstmal eine Verschnaufpause bekommen. Das ist für sie innenpolitisch überlebenswichtig.

Die Kreditgeber wollen aber endlich konkrete Finanzierungsvorschläge hören. Hier will Athen aber erstmal nur Forderungen durchsetzen, allen voran 2015 nicht mehr drei sondern nur noch 1,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts als sogenannten Primärüberschuss vor Zinsen erwirtschaften zu müssen. Das würde ungefähr 2,5 Milliarden Euro freisetzen, mit denen einige kleine Erleichterungen für die Ärmsten geschaffen werden könnten. Auch das möchte Athen in dem Brückenprogramm verankern. Nicht verhandeln will Athen beispielsweise über eine dringend nötige Rentenreform. Dafür will sich die Regierung undogmatisch zeigen, was geplante Privatisierungen angeht und zumindest in private Beteiligungen einwilligen.

Die Uhr tickt, Ende Monat schliesst sich der Rettungsschirm. Erwartet man in Griechenland schon heute eine Lösung?

Nein. Man geht davon aus, dass die heutigen Verhandlungen sehr hart und sehr schwierig werden, aber noch kein abschliessendes Ergebnis bringen. Gerüchte über eine weitere Sitzung der Eurogruppe am Donnerstag und über einen Sondergipfel am Freitag machen hier die Runde.

Wie bewerten die griechischen Medien den bevorstehenden Tag?

Die Verhandlungen sind das allgegenwärtige Thema. Die Zeitungen sind voll von möglichen Szenarien. Die Gespräche von heute werden als äusserst entscheidend und unter der drohenden Liquiditätsklemme der Banken teilweise sogar als schicksalshaft dargestellt.

Dennoch sind die meisten Veröffentlichungen von einem Optimismus geprägt: Am Ende, wann auch immer das ist, werde sich doch noch eine Lösung finden. Je nach politischer Richtung des Mediums werden die dazu nötigen griechischen Kompromisse gross oder klein geredet. Das Griechenland mehr oder weniger alleine gegen den Rest der Eurogruppe ankämpft, wird den Lesern nicht verschwiegen.

Trotz aller Hoffnungen geht die Angst vor einem Zahlungsausfall um.

Rund 15‘000 Menschen gingen am Sonntag in Athen auf die Strasse, um ihrer Regierung den Rücken zu stärken. Steht die Bevölkerung wirklich so deutlich hinter der Regierung?

Es herrscht eine Art Burgfrieden. Die Verhandlungen gelten als nationale Angelegenheit, in der man zusammenhalten muss. Eine jüngste Umfrage zeigt, dass über 60 Prozent der Griechen mit der Verhandlungsposition der Griechen tatsächlich auch übereinstimmen. Die sehr friedlichen Demonstranten bewegt die Hoffnung darauf, dass diese Regierung nun endlich mal anders ist als alle vorhergehenden.

Wenn bis Ende Monat keine Einigung erzielt wird, könnte das Land zahlungsunfähig werden. Was dann?

Das ist die grosse Angst. Wenn Griechenland in keinem Hilfsprogramm mehr ist, bekommt es von der Europäischen Zentralbank weder Liquiditätshilfen noch Gelder aus einem Fonds zur Unterstützung der Banken. Die Angst davor geht trotz aller Hoffnungen auch in der Bevölkerung um. An den Bankschaltern hat es zwar keine Panik gegeben. Die Griechen haben zu Hause aber dennoch ein paar 1000 Euro hinterlegt, für den Fall eines Zahlungsausfalls.

In diesem Fall wäre Griechenland ganz auf sich gestellt. Es käme zum ungeordneten Zahlungsausfall, was zwangsläufig einen Austritt aus dem Euro nach sich ziehen würde.

Das Gespräch führte Barbara Peter.

Corinna Jessen

Corinna Jessen bei TV-Schaltung nach Athen mit Mikrofon.

Corinna Jessen ist freie Journalistin in Athen, Korrespondentin für mehrere deutschsprachige Tageszeitungen und Mitarbeiterin des ZDF. Sie ist in Athen geboren und aufgewachsen. Studiert hat sie in Deutschland.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    gemäss Focus sind die Verhandlungen der EU mit Griechenland gescheitert, offensichtlich will Griechenland aus dem Euro austreten und bereitet die neue Währung vor. Der Gexit ist tatsache, die EU zittert um ihre Guthaben . Oder pockert Griechenland ?
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Dass Griechenland 320 Mrd. Euro Schulden anhäufen konnte, liegt in der Verantwortung der EU. Wird dieses Land durch einen Euro-Zwangsaustritt Armengenössig, ist die EU verpflichtet dieses Land finanziell zu unterstützen. Darüber denkt man dann nach, wenn es zu spät ist. Dieser Währungsraum hat global versagt und die EU hat diese Zeche zu zahlen.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rbestein
    Jeder Rechtsanwalt streitet dort am liebsten, wo er auch nach verlorenem Prozess, seine Kohle noch eintr. kann. Die Griechen sind in diesem Spiel die Anwälte , die EU der Zahlmeister . Umkehren kann man das nicht , denn die Griechen haben nichts, das man ihnen pfänden kann . Die Schweiz hat da schlechtere Karten, da spielt die EU den Anwalt und die CH ist der Zahlmeister . Am besten wir sitzen das aus , vergeben aber einfach keine Stellen mehr an Ausländer , fertig ist die Zuwanderung bei Not .
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    1. Antwort von Thomas Steiner, Zürich
      Sie schlagen vor, keine Stellen mehr an Ausländer zu vergeben, damit wir massive Probleme in unserem Land kriegen? Wir brauchen die Ausländer, sei es für die AHV, für den Tourismus, für das Gesundheitssystem, etc. Mir ist egal, wer meine AHV zahlt oder mich im Spital pflegt. Hauptsache unser Land funktioniert.
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