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Unwetter in Südtexas Die hausgemachte Katastrophe

Besonders betroffen von der Flutkatastrophe ist die Metropole Houston. Ganz unerwartet kamen die Fluten dort nicht. Es gibt Stimmen, die seit Jahren davor warnen, dass sich in Houston eine ähnliche oder noch grössere Katastrophe anbahnen könnte.

Legende: Video Sturm «Harvey» hat Texas fest im Griff abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 29.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tropensturm Harvey hat die Stadt Houston praktisch unter Wasser gesetzt.
  • Meereswissenschaftler Sam Brody sieht die Katastrophe als hausgemacht an.
  • Je mehr Leute in Houston leben, umso mehr Land wird asphaltiert. Das Wasser kann immer schlechter abfliessen.

Offiziell ist man stolz in Texas, stolz auf die Solidarität der Menschen, die sich gegenseitig aus den Fluten fischen. Stolz auf die Katastrophenhelfer, die schnell und zahlreich vor Ort waren. Der texanische Gouverneur Greg Abbot sagte es gestern so: «Unsere Leben hängen nicht von den Herausforderungen ab, sondern davon, wie wir diesen begegnen.»

Rasante Stadtentwicklung

Das mag in den Ohren des Meereswissenschaftlers Sam Brody von der Texas A&M Universität etwas verdreht klingen. Denn er sagt: «Die Katastrophe ist menschgemacht.» Es ist die Entwicklung durch Menschen, die die Flutschäden über die Zeit hinweg verschärft. Brody spricht von der rasanten Stadtentwicklung in der Region Houston.

«Wir zählen jedes Jahr 100’000 mehr Menschen – und mit ihnen kommen Parkplätze, Asphalt, Dächer, Strassen, die es dem Wasser verunmöglichen, wieder langsam in die Landschaft zu versickern», sagte Brody auf NBC.

In Harris County rund um Houston leben inzwischen sechseinhalb Millionen Menschen. Die Zugezogenen bevölkern Hochrisikogebiete für Flutkatastrophen, das zeigt der Risikoplan der Nothilfebehörde FEMA.

Ganze US-Volkswirtschaft wäre betroffen

Doch nicht nur Menschen siedeln, wo sie nicht sollten. Am Houston Ship-Channel, der das Industriegebiet mit dem Golf von Mexiko verbindet, sammeln sich Dutzende von Raffinerien und Chemiefabriken; ein Drittel des Benzins und Zweidrittel des Kerosins, das die USA verbrauchen, wird in Houston erzeugt. Fallstudien zeigen, dass bei einem Wortscase-Szenario, die gesamte US-Volkswirtschaft stark betroffen wäre.

Harvey ist nicht der erste Hurrikan, der Houston trifft; 2008 verursachte sein Bruder Ike in den USA Schäden von rund 30 Milliarden Dollar und kostete über 100 Menschen das Leben. Und dennoch: Schutzdämme wie in New Orleans gibt es vor Houston nicht. Pläne für eine Küstensperre nach holländischem Modell sind zwar vorhanden, aber mit der Finanzierung wollte es bisher nicht klappen.

Die investigative Journalistin Neena Satjia konfrontierte die Behörden von Houston und Texas mit den wissenschaftlichen Risikoabschätzungen. Diese zeigten sich aber kaum alarmiert, sagte sie im NPR-Interview. Das seien doch seltene Ereignisse, so die Behörden laut Satjia. Und sie zweifelten daran, ob man bereit wäre, Milliarden für ein Schutzsystem auszugeben.

Derzeitiger Gouverneur von Texas glaubt nicht an den Klimawandel

Die grosse Frage sei, wie selten solche Katastrophen in Zukunft auftreten würden. Die Wissenschaft zeigt sich mehr und mehr einig, dass diese Art von Stürmen wegen des Klimawandels stärker und häufiger vorkommen werden. Bevölkerungswachstum und Klimawandel: Wenn man diese zwei Punkte kombiniere, habe man ein grosses Problem.

Das sehen nicht alle so. Der derzeitige Gouverneur von Texas hält die menschliche Einwirkung auf den Klimawandel für nicht gesichert, ebenso sein Vorgänger. Und dieser Rick Perry ist heute Energieminister in Washington.

Derweil regnet es weiter in Houston. Womöglich regnet es noch bis Donnerstag, sagen die Prognosen. Eine Schadensbilanz wird erst möglich sein, wenn Harvey sich ausgetobt hat.

Die teuersten Hurrikans im Nordatlantik
Legende: Die Hurrikans im nördlichen Atlantik bewegen sich auf Zugbahnen vom mittleren Atlantik oder der östlichen Karibik nach Westen und Norden. Nasa Earth Data

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Nun bin ich weit davon entfernt einem Republikaner in den USA nah zu stehen. Nur, man muss die Kirche im Dorf lassen und Fakten sehen. Fakt ist dass der Golf von Mexiko eine prima Ladestation für Hurricanes und Stürme ist, dafür gibt es einfache Erklärungen. Tatsache ist auch, dass es einen Klimawandel gibt den weder Perry noch sein Nachfolger verneinen. Nur, das ist die zentrale Frage, ist der von Menschen gemacht oder ist das einfach etwas was die Natur uns vorgibt.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Die Frage ist nicht die nach der Ursache des Klimawandels, sondern nach der Bereitschaft, sich dem Klimawandel zu stellen. Perry sagt ja selber "Unsere Leben hängen nicht von den Herausforderungen ab, sondern davon, wie wir ihnen begegnen". Offensichtlich hat man ja auch hier aus Kostengründen zu wenig vorgesorgt; die Schäden werden letztlich teurer sein als Vorsorgemassnahmen. Aber das ist für unser heutiges Verhalten, Politisieren und Wirtschaften typisch. - Perry nennt das Hauptproblem nicht.
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Wenn Trump jetzt noch im Zusammenhang mit der Umweltkatastrophe in Texas von Hirngespinsten der Klimaforscher plaudert, ist ihm definitiv nicht mehr zu helfen!
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    1. Antwort von Severin Heck (Selber denken und prüfen)
      Klimaforscher?! Gehen Sie doch mal die Statistischen Daten der Wetterextreme durch in den USA. Die Amerikanischen Behörden sind da sehr transparent. Tornados und Hurricans sind ein Bekanntes Wetterphänomen in den USA. Nicht überall ist das Wetter so friedlich wie in Europa... Das hat nichts mit Klimawandel zu tun... Statistisch wird da nichts bestätigt...
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    2. Antwort von Urs Heim (Ursus)
      Recht herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Ich gebe iIhn grundsätzlich recht, in diesem Teil der USA sind Wetterextreme nicht gerade selten und gehören irgendwie zum Jahresablauf. Sie müssen aber zugeben, wenn eine Gegend mit 6 Mio Einwohnern wie die in Texas, von bis zu 1000 mm Regen pro Quadratmeter heimgesucht wird "nicht ganz normal ist" und der Verdacht auf die Klimaveränderung fällt.- Das ist definitiv nicht eine alternative Realität-das sind die effektiven Auswirkungen des Klimawandels.
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    3. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @U. H. Der Klimawandel gibt es, unbestritten, aber diese Katastrophe hat jetzt wirklich nichts damit zu tun. Problem ist, dass der Hurrikan nicht weiter zieht & sich über dem Meer immer wieder mit Wasser füllt. Und viele Flüsse diese ehem. Moorlandschaften durchziehen, führt es eben zu mehr Überflutungen.
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    4. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Heck: Hurricanes hat es schon immer gegeben, aber die Anzahl und Grösse nehmen eindeutig zu. Je wärmer die Luft und das Meer ist, umso mehr Energie ist im System, die dann wieder frei gesetzt wird. Und mit all den gemessenen natürlichen Schwankungen der Temperatur auf der Erde ging es noch nie so schnell wie momentan.
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  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Ich nehme an das wird als eine Geschaeftsmoeglichkeit gesehen in den Staaten, in Not kostet es mehr und irgend jemand wird wohl an dem Milliarden Schaden gut verdienen. Es wird allgemein nie mehr Geld ausgegeben als notwendig, wenn es nichts einbring. Das sieht man auch im weithin in der Infrastruktur des Landes, aber auch in der privaten Wirtschaft zum Teil.
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