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International «Die Libanesen wollen wissen, wer Hariri umgebracht hat»

Wer hat 2005 den libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri getötet? Das soll ein Prozess vor einem Sondergericht in Den Haag klären. Stefan Waespi, ehemaliger Rechtsberater der internationalen Untersuchungskommission in Libanon, ist zuversichtlich: «Es gibt eine gute, solide Beweislage.»

Legende: Video Hariri-Prozess in den Haag begonnen abspielen. Laufzeit 01:41 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 16.01.2014.

Vor einem Sondertribunal in Den Haag hat der Prozess gegen vier libanesische Angeklagte begonnen. Sie sollen im Jahr 2005 am Attentat am damaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri in Beirut beteiligt gewesen sein.

Hariri steigt aus einem Auto.
Legende: Rafik Hariri 2005 Minuten vor dem tödlichen Attentat. Keystone

Wie bedeutend ist der Hariri-Prozess für Libanon?

Stefan Waespi: Ich glaube, der Prozess ist sehr bedeutend für die libanesische Gesellschaft. Der Hariri-Mord im Februar 2005 hatte wirkliche Schockwellen ausgelöst. Die Libanesen wollen einfach wissen, wer ihren Premierminister umgebracht hat.

Über die ganzen Umstände und Hintermänner dieses Attentats gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien. Können die Richter in Den Haag Licht ins Dunkel bringen?

Wenn man die Anklageschrift durchsieht, sieht man, dass die Beweisführung sehr technisch und sehr ausgereift erscheint. Es geht da vor allem um die Analyse von Milliarden von Telefondaten rund um den Mord. Zusammen mit den anderen Beweisen wird das ganz bestimmt zu einer relativ guten, soliden Beweislage führen. Ob sie jedoch ausreicht, wird sich erst noch weisen.

Man kann den Prozess live im Internet in verschieden Sprachen mitverfolgen. Was halten Sie davon?

Ich denke es ist wichtig, dass die libanesische Bevölkerung diesen Prozess live mitverfolgen kann und sich ein eigenes Bild macht. Es ist wichtig, dass ein Gerichtsprozess stattfindet, so perfekt oder unperfekt er schliesslich sein wird. Wenigstens bietet er eine juristische Aufklärung der weiteren Öffentlichkeit.

Die Angeklagten sind nicht anwesend. Wo sie sich aufhalten, ist unklar. Was kann der Prozess bringen, wenn es gar keine Angeklagten im Gerichtssaal hat?

Es ist ein Novum auf internationalem Gebiet, dass Angeklagten in Abwesenheit der Prozess gemacht wird. Bei Mladic oder Karadzic am Jugoslawien-Tribunal hatte man noch Jahrzehnte lang abgewartet. Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, dass der Prozess jetzt beginnt. Neun Jahre sind genug. Die libanesische Gesellschaft und die Weltöffentlichkeit möchten jetzt Resultate der Ermittlungskommissionen sehen.

Das Gespräch führte Iwan Santoro.

Zur Person

Der Schweizer Stefan Waespi war Rechtsberater der internationalen Untersuchungskommission und zu Ermittlungszwecken in Libanon.

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